Hochbetrieb herrscht in der Klotze beim Fest. Die Kleingrärtner (im Hintergrund) sehen das mit gemischten Gefühlen.
Hochbetrieb herrscht in der Klotze beim Fest. Die Kleingrärtner (im Hintergrund) sehen das mit gemischten Gefühlen. | Foto: Roth

Ausnahmezustand in der Klotze

Manch‘ Schrebergärtner fürchtet „Das Fest“

Brombeerhecken ranken um die Gartenzäune. Zwei Männer reparieren das Dach einer Gartenhütte, während von der benachbarten Cafébühne Musik dröhnt. Neben der Günther-Klotz-Anlage befinden sich Grünflächen. Die Stadt Karlsruhe verpachtet sie für zehn Euro pro Monat. Für so manchen Schrebergärtner ist einmal im Jahr am letzten Wochenende vor den Sommerferien Ausnahmezustand, wenn tausende Menschen in Scharen zum Festivalgelände strömen. „Wir haben dann immer so viel Müll“, beklagt sich eine ältere Frau in gebrochenem Deutsch. Andere Laubenbesitzer sind dagegen Fest-Fans. Die Organisatoren bemühen sich, die Belastung für die Kleingärtner so gering wie möglich zu halten.

Die Party geht im Garten weiter

Gartenbesitzer Matthias Buchloh freut sich auf „Das Fest“: Denn er ist einer der Hügelhelden, die mit ihren dem Gefälle angepassten Stühlen und Flaggen Fest für Fest den „Mount Klotz“ bevölkern. Und wie es der Zufall will, hat der junge Schrebergärtner seine Grünoase vor sieben Jahren direkt neben der Klotze gefunden. „Da hatte ich einfach Glück“, erzählt Buchloh. Während des Fests feiert er mit seinen Freunden nach den Konzerten ausgelassene Partys. „Oftmals hängen sich Leute mit dran, die ich gar nicht kenne“, so Buchloh. Auch sonst ist sein Kleinod eine Begegnungsstätte für seine Freunde. „Es stärkt das Gemeinschaftsgefühl, wenn wir zusammen die Fußball-EM schauen oder den Garten auf Vordermann bringen.“ Sonst wolle er einfach nur feiern, vor allem während des Fests. Dafür reist ein Freund sogar aus Berlin an.

Schrebergärtner sammelt Leergut

Ralf Leienberger werkelt derweil mit einem Freund an seiner Gartenhütte. Seit 16 Jahren hegt und pflegt der rustikale Handwerker mit seinem Cousin den Garten. „Montags nach dem Fest lohnt es sich den Müllsack mitzubringen“, scherzt Leienberger. Dann geht er auf Leergut-Jagd. „Sonst ist in Sachen Fest alles gediegen, es gibt keine Probleme.“

Wir wollen nur unsere Ruhe

Das sieht ein alter Mann anders. Sein Garten befindet sich gewssermaßen in vorderster Front: „Früher habe ich all die fremden jungen Leute von meinem Grundstück geschlagen. Leider habe ich hierzu nicht mehr die Kraft.“ Seit 40 Jahren pachtet er das Grundstück. „Die laufen vom Weinbrennerplatz durch die Gärten, urinieren auf unsere Grundstücke und entsorgen ihren Unrat“, echauffiert sich der Mann, der namentlich nicht genannt werden will. In den vergangenen Jahren habe sich die Situation gebessert, seitdem das Sanitätszelt des Roten Kreuzes in der Nähe seines Gartens befindet. „Wir wollen eigentlich nur unsere Ruhe“, betont der Kleingärtner und winkt ab.

Info-Stände als Schutzbarriere

Fest-Projektleiter Sven Varsek berichtet auf BNN-Anfrage, dass es in früheren Jahren Beschwerden von verschiedenen Gartenbesitzern gab, da diese während des Festivals nicht mit ihren Fahrrädern zum eigenen Kleingarten gelangen konnten. „Die Gartenbesitzer erhalten mittlerweile einen Zugangsausweis auf das Festivalgelände, wodurch sie problemlos mit dem Fahrrad zu ihrem Kleingarten gelangen“, erklärt Varsek. Generell habe sich die Strategie bewährt, die Info-Stände entlang der Wilhelm-Baur-Straße vor den Gärten aufzubauen. „Sie dienen so als eine natürliche Barriere, um die Müllbelästigung zu minimieren“, so der Fest-Projektleiter. Das „Umweltteam“ sammle bereits während des Festivals den Müll in der Klotze ein. „Für die privaten Gärten ist jeder Eigentümer selbst verantwortlich“, stellt Sven Varsek klar.