Der Singer/Songwriter Max Giesinger vor dem BNN-Gebäude
Der Singer/Songwriter Max Giesinger vor dem BNN-Gebäude | Foto: Rake Hora

"80 Millionen" in Karlsruhe

Max Giesinger freut sich auf ein Heimspiel

Selten hat die Karriere eines „Fest“-Acts in den wenigen Monaten zwischen der Bekanntgabe des Programms und dem Auftritt einen derartigen Kick nach oben erhalten wie die von Max Giesinger. Wobei „Kick“ hier im doppelten Wortsinn passt: Erst eroberte der aus Waldbronn stammende Sänger, der mit seiner Teilnahme an der Show „The Voice of Germany“ 2011 bundesweit von sich reden machte, mit seiner Single „80 Millionen“ die Charts. Und dann wurde das Liebeslied mit leicht verändertem Text auch noch zur deutschen EM-Fanhymne. Im Vorfeld seiner Rückkehr auf die größte Bühne seiner Heimatregion besuchte Max Giesinger die BNN für ein Interview mit unseren Redaktionsmitgliedern Gianna Mader und Dominik Schneider.

Bist Du noch oft in der Region Karlsruhe?

Giesinger: Ich wohne inzwischen in Hamburg und das ist einfach unfassbar weit weg. Du fährst mindestens sechs Stunden. Wenn ich nicht gerade eine Woche Zeit habe, lohnt sich die Fahrt nicht. Deswegen verbinde ich einen Besuch immer mit einem Termin. Man kann seine Wurzeln nicht verleugnen. Ich fühle mich einfach pudelwohl im Badner-Ländle.

Das heißt, Du könntest Dir vorstellen in ein paar Jahren wieder hierher zu ziehen?

Giesinger: Definitiv. Es ist auch was Schönes, nicht eine Dreiviertelstunde einen Parkplatz zu suchen und nicht gleich in einen Stau zu fahren – wobei, Staus gibt es hier ja auch gerade viele, oder?

Ja, mit den ganzen Baustellen dauert es oft länger.

Giesinger: Dann komme ich in ein paar Jahren, wenn das alles durch ist mit den ganzen Baustellen, und suche mir ein kleines Häuschen, irgendwo am See.

Hast Du diesen eher konservativen Traum von Familie und Eigenheim?

Giesinger: Ehrlich gesagt noch nicht. Momentan gibt es nichts anderes für mich als das Musikerleben, dass ja sehr abenteuerlich ist und aus sehr vielen Unsicherheiten besteht. Ich weiß ja noch gar nicht, was in ein, zwei Jahren ist. Und das finde ich gerade interessant.

Hast du noch Verbindungen in die Karlsruher Musikszene?

Giesinger: Ich hab’ noch Kontakt zu meinen alten Band-Mitgliedern von der „Bud Spencer Group“.

Bist Du ein Bud-Spencer-Fan?

Giesinger: Ich war ein großer Fan. Ich habe früher mit meinem Opa immer die ganzen Filme geguckt. Bud Spencer und Terence Hill sind ja eines der bekanntesten Duos der Filmgeschichte. Dass er gestorben ist, ist ein sehr trauriges Ereignis. Er war ein riesiges Genie. Er hat ja auch abseits der Schauspielerei ganz viel gemacht und zum Beispiel als Schwimmer Erfolg gehabt. Da ist ein ganz besonderer Mensch von uns gegangen.

Du trittst am Sonntag beim „Fest“ auf. Was bedeutet dieses Heimspiel für Dich?

Giesinger: Dass ich endlich mit vollem Programm und meiner Band beim „Fest“ spielen darf, ist für mich

der absolute Traum, der in Erfüllung geht. Ich erinnere mich noch daran, als ich als Teenager unten in der Menge stand und kaum Luft bekam und dachte: „Boah, da oben möchte ich auch einmal stehen.“ Mit meiner neuen Platte da jetzt mal richtig abzurocken, finde ich schon geil. Vor vier Jahren habe ich da ja schon mal gespielt. Es ist schon krass: Du siehst kein Fleckchen Gras mehr – nur Menschen, die alle top drauf sind.

Bist Du vor Auftritten immer noch nervös?

Giesinger: Vor „Das Fest“ werde ich wahrscheinlich nervös sein. Das ist ja doch eine ganz andere Dimension als in einem Club vor 500 Leuten. Außerdem ist das eine Sache, auf die ich jetzt schon seit Jahren hinarbeite. Aber das ist eine positive Aufgeregtheit. Und die Leute kennen inzwischen ja auch ein paar Songs von mir. Da freue ich mich extrem drauf.

Wirst Du Dich auch selber nochmal in die Menge stürzen und dir andere Acts beim „Fest“ angucken oder bist Du dafür schon zu bekannt?

Giesinger: Ich muss gestehen, dass ich große Menschenmengen nicht mag. Ich war früher öfter auf Festivals, aber ich kann nicht in so einer riesigen Menge drin stehen. Da fühle ich mich unwohl. Auf der Bühne hingegen ist das gar kein Problem. Ich würde mich dann vielleicht mal neben die Bühne stellen und mir von da aus ein paar Auftritte angucken.

Dein Song „80 Millionen“ und die EM-Version davon werden rauf und runter gespielt. Wie ist es, das eigene Lied im Radio zu hören?

Giesinger: Es ist gerade unglaublich, was passiert. Ich hoffe, dass das nicht ganz so schnell wieder vorbei geht. Ein Jahr bist du ein Star und das nächste ganz weit unten. Deswegen muss ich das jetzt genießen.

      Momentan ist deutsche und deutschsprachige Musik ja auch richtig angesagt.

Giesinger: Ja, das hat sich inzwischen richtig etabliert. Da kann man schon nicht mehr von einer Welle sprechen. Das Bewusstsein für deutsche Texte und deutsche Produktion wird immer stärker. Die Songs werden auch immer besser. Das Niveau ist gestiegen und ich finde die Entwicklung geil. Ich freue mich, da meinen Platz gefunden zu haben.

Wie kam es denn zu der EM-Version deines Hits?

Giesinger: Das war meine Idee. Als großer Fußball-Fan wollte ich auch etwas beitragen. Also habe ich ein paar Zeilen umgeschrieben. Als ich auf der Fan-Meile in Berlin gespielt habe, war es Wahnsinn, dass so viele Tausend Leute den Text mitsingen konnten. Ich hatte zwar damit gerechnet, dass die Version ähnlich gut ankommt, wie das Original. Aber dass sie so durch die Decke geht, hätte ich nicht erwartet. Ich freue mich sehr über diesen Erfolg.

Was hörst Du privat?

Giesinger: Relativ viel Indie und Singer/Songwriter. Ich bin mit ganz viel 70er- und 80er-Musik sozialisiert worden. Dire Straits, Pink Floyd, Queen. Das sind meine Wurzeln.

Könntest Du Dir vorstellen, selber mal Musik in der Richtung zu machen?

Giesinger: Englisch werde ich sicherlich nicht mehr singen. Aber ich könnte mir vorstellen, rockiger zu werden.

Max Giesinger tritt am Sonntag, 24. Juli, um 16.15 Uhr auf der Hauptbühne in der Klotze auf. Für diesen Festivaltag gibt es noch wenige Tickets bei www.eventim.de