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Das Jugendschutz-Team Karlsruhe will beim "Fest" Jugendliche ansprechen und sensibilisieren. | Foto: Prinz

Jugendschutz-Team beim "Fest"

Mit Alkomat im Einsatz

„Was ist, wenn ich nicht will?“, fragt der 16-Jährige, schaut stur an dem Alkomat vor seiner Nase vorbei und ballt die Fäuste. Irgendwann lässt er sich dann doch dazu überreden, hineinzupusten. Das Ergebnis: 1,04 Promille und ein Gespräch mit der Drogenberatung in der Karlsruher Europahalle. Dort hat das Projekt Jugendschutz Karlsruhe während der drei „Fest“-Tage sein Hauptquartier für rund 30 Helfer, und von dort starten mehrere Jugendschutz-Teams ihre Rundgänge über und um die Günther-Klotz-Anlage. Ihr Ziel: Jugendliche für Alkohol- und Drogenmissbrauch sensibilisieren. Zu einer Gruppe gehören immer jeweils ein Mitarbeiter von Polizei und Sanitätsdienst sowie zwei Mitarbeiter aus den Bereichen Erziehung, Bildung und Verwaltung.

„Kein Massenphänomen mehr“

Nach einer kurzen Lagebesprechung am Nachmittag ziehen die Teams los, Polizist Jannic Kern sammelt seine Gruppenkollegen für den Tag ein: Michaela Samtmann vom Rettungsdienst, Krankenschwester Ramona Kiehl und Schülerin Louisa Hofmann. Ihr Einsatzgebiet führt vom Ost-Eingang der Anlage an den Kleingärten vorbei, dann über den Hof der Elisabeth-Selbert-Schule und immer außen am Rand des Festival-Geländes vorbei – beliebte Treffpunkte. Am Nachmittag ist es noch ruhig, „das geht erst in den späten Abendstunden los und hat auch mit dem Programm zu tun“, sagt Kern. Insgesamt gehe es seit einigen Jahren beim „Fest“ viel ruhiger zu. „Besäufnisse sind kein Massenphänomen mehr. Da hatten wir wildere Zeiten“, sagt Dieter Moser von der Drogenhilfe Karlsruhe. „Die Fälle von Alkoholmissbrauch im Stadtkreis Karlsruhe gehen zurück“, erzählt auch Jannic Kern von seinen Erfahrungen: „Es sind eher die Jugendlichen, die von außerhalb kommen.“

Jugendschutz-Team
Im Gespräch mit Jugendlichen: Jannic Kern, Ramona Kiehl, Louisa Hofmann und Michaela Samtmann (von links). | Foto: Prinz

Das zeigt sich gleich bei den ersten beiden Gruppen, die das Jugendschutz-Team am „Fest“-Freitag anspricht: Den 16-Jährigen aus Au am Rhein, die mit Dosenbier auf dem Schulhof der Elisabeth-Selbert-Schule sitzen, wünschen die Vier nur einen schönen Abend: „Wenn ihr bei der einen Dose bleibt, ist alles okay.“ Ernstere Töne schlägt der Polizist bei einer 18-Jährigen an, die ermahnt wird, ihren 16-jährigen Freundinnen keinen harten Alkohol zu geben – „sonst kostet dich das wirklich Geld.“ Bei der Entscheidung, wen das Team anspricht, spielen Erfahrung und Bauchgefühl eine große Rolle. „Wir erfragen auch, welche Funktion das Besäufnis für den Jugendlichen hat, und entscheiden dann weiter“, erzählt Harry Schmitt.

Jugendliche leeren ihre Flaschen aus

Ein paar Parkbänke weiter haben es sich einige 16-Jährige aus Gaggenau gemütlich gemacht, aber ihre Wodka-Flaschen kippen sie vor den Augen des Jugendschutz-Teams aus – die eigene Entscheidung der Jugendlichen: „Saufen ist ja keine Straftat“, sagt Dieter Moser, und Jugendschutz-Koordinator Harry Schmitt vom Polizeipräsidium Karlsruhe fügt hinzu: „Wir bieten Lösungen an, aus denen sie selbst auswählen.“ In manchen Fällen reicht das nicht: „Wenn das Kind buchstäblich in die Wodka-Flasche gefallen ist, geht es in die Europahalle zum Zentral-Team“, erklärt Schmitt. Dort sprechen Sozialarbeiter, Drogenberater und Mitarbeiter des Jugendamts mit den Jugendlichen und klären sie darüber auf, was ihr gemessener Alkoholpegel bedeutet. „Wir hoffen dann, dass ihnen das eine Mal bei uns reicht.“

Die Idee, bei Alkoholmissbrauch von Jugendlichen bei Veranstaltungen nicht erst einzuschreiten, sondern schon vorher etwas zu tun, kam 2006 auf: In dem Jahr wurde das Projekt Jugendschutz Karlsruhe ins Leben gerufen. Träger ist die Stadt Karlsruhe, aber auch Polizei und Sanitätsdienst sind beteiligt. Die Teams sind nicht nur bei „Das Fest“, sondern das ganze Jahr über auf verschiedenen Großveranstaltungen unterwegs.