Muss man sich die Ohren zuhalten? Rund ums "Vincenz" hört man die "Fest"-Musik gut. Nicht alle Patienten können sich damit arrangieren.
Muss man sich die Ohren zuhalten? Rund ums "Vincenz" hört man die "Fest"-Musik gut. Nicht alle Patienten können sich damit arrangieren. | Foto: Tanja Mori Monteiro

Karlsruher Krankenhaus

Krank im „Vincenz“ – und nebendran „Das Fest“

„Ich muss nicht aufs Fest“, sagte kürzlich eine Kollegin. „ich setz‘ mich auf meine Terrasse, nehme eine Flasche Wein dazu und höre die Musik prima, wenn die Windrichtung stimmt“. Die Kollegin wohnt zwei Kilometer Luftlinie weg von der Günther-Klotz-Anlage und kann sich aussuchen, ob sie „Das Fest“ hören will oder nicht. Nicht alle sind in dieser glücklichen Lage. Manche müssen die Musik hören – ob sie wollen oder nicht. Und für die Patienten im St. Vincentius-Krankenhaus ist die Hauptbühne vielleicht gerade 300 Meter weit weg. Wer an diesem Wochende im „Vincenz“ sein muss und Südseite liegt, hat Pech. Das ist die dem „Mount Klotz“ zugewandte Seite. Dort kommt die Musik her. Und die kann laut sein. Nicht alle Patienten verkraften das.

Musik endet um Mitternacht

Dennoch: „Das Fest“ und das „Vincenz“ haben sich arrangiert. Vorstand Jürgen Biscoping erinnert sich noch an die Zeiten von vor 20 Jahren. „Da gab es weit nach Mitternacht noch Musik.“ Was heißt weit? „Zwei Uhr.“ Vor einigen Jahren sind sich Veranstalter und Klinikleitung näher gekommen. „Sehr positiv“ sei das gewesen und es gab ein Ergebnis. „Musik nur noch bis Mitternacht“, sagt Biscoping, „und das wird auch eingehalten“.

Lärm auf der „falschen Seite“

Den Lärm vom Fest nehmen die Patienten unterschiedlich wahr. „Wenn jemand richtig schwer krank oder frisch operiert ist, der hat schon ein richtiges Problem mit der Dauermusik“, sagen die Schwestern der Augenklinik und der Orthopädie. Unglücklicherweise liegen auf diesen Abteilungen viele Zimmer auf der „falschen Seite“ nach Süden. „Da müssen wir dann schon intensiv mit den Patienten reden, damit sie sich nicht zu sehr aufregen“, sagen die Schwestern. Viele seien aber auch recht tolerant, manche würden sogar bewusst die Fenster öffnen, um mithören zu können. Das ist für die anderen kein Trost: Auch sie müssen die Fenster öffnen, um bei diesen Temperaturen etwas Frischluft ins Zimmer zu bekommen. Und die bringt natürlich auch die Musik mit – ob man sie nun mag oder nicht.

Regelmäßige Information

Weil „Das Fest“ nun nicht überraschend kommt, baut die Klinikleitung intern auch vor. „Wir informieren im Vorfeld und während der heißen Phase Patienten und Mitarbeiter regelmäßig“, sagt Jürgen Biscoping. Mittel der Wahl sind das Klinikfernsehen oder Infoblätter, die beispielsweise mit dem Essen verteilt werden. Damit erreiche man viel Verständnis, sagt der Vorstand, der am Samstag Abend aber auch Neues erfuhr.

Der „Zug der Heimkehrer“

Ein noch viel größreres Problem als die eigentliche Musikbeschallung stellt der „Zug der Heimkehrer“ dar. „Sie machen sich keine Vorstellung, wie laut die Leute sind. Viele sind wohl auch angetrunken“, berichten die Schwestern unisono. Das sei schlimmer geworden mit den Jahren. Es sind viele Tausende, die nach dem Ende der Musik um 24 Uhr um das 350-Betten-Haus herum gen Heimat streben. Manche finden sie nicht mehr und übernachten gleich in den Grünflächen vor dem „Vincenz“. Indes: „Das lässt sich wohl schwer beeinflussen“, sagt Biscoping, der den „Fest“-Veranstaltern insgesamt großes Lob zollt. Die Zusammenarbeit sei angenehm, Vereinbarungen würden eingehalten.

Im Anna-Walch-Haus sieht man sich laut Geschäftsleitung vom "Fest"-Trubel nicht beeinträchtigt.
Im Anna-Walch-Haus sieht man sich laut Geschäftsleitung vom „Fest“-Trubel nicht beeinträchtigt. Foto: Pia Greß | Foto: Pia Greß

Eine Abwechslung

Das sieht auch die Geschäftsleitung im nahen Anna-Walch-Haus so. Das Pflegeheim liegt am östlichen Ende des Fest-Geländes. Für manche Mitarbeiter und „Hausgäste“ sei dei Veranstaltung sogar eine willkommene Abwechslung. Von einer Lärmbelästigung könne nicht die Rede sein, die Veranstalter seien bemüht, auf die Belange des Hauses einzugehen.

Beliebter Klassikevent

Im „Vincenz“ hat man dieses Jahr Anlass sich besonders um die Patienten zu kümmern. „Wir haben ja unsere große Baustelle vor der Tür“, sagt Jürgen Biscoping und zeigt vom Balkon des vierten Obergeschosses auf die Baugrube für den Vincenz-Neubau. Lärmbelästigung entstünde auch durch dieses Projekt. Freilich kann er die Sache ins Positive drehen: „Das Gebäude wird 2019 bezogen und ist so gut schallgedämmt, dass die Patienten dann von der Fest-Musik nichts mitbekommen.“ Das wird verschiedentlich dazu führen, dass trotzdem die Fenster geöffnet werden – meistens am Sonntag. „Der Klassik-Vormittag ist bei den Patienten beliebt“, wissen die Schwestern.