Lebt seine Überzeugung: Ulrich Autenrieth in  seiner Backstube
Lebt seine Überzeugung: Ulrich Autenrieth in seiner Backstube | Foto: Rebel

BNN bei Brettener Dinkelbäcker

Linzertorte begeistert Lafer und Leser

Am Anfang stand eine Flunkerei: Als der Brettener Bäckermeister Ulrich Autenrieth vor knapp vier Jahren seine Produktion komplett auf Dinkel umstellte, ließ er seine Kunden die ersten Wochen weiterhin im Glauben, es handle sich um Weizenbrötchen. Dann firmierte er offiziell als Dinkelbäcker – und eine bislang treue Kundin wollte von Stund an nichts mehr bei ihm kaufen. „Die hat gesagt, das Dinkelzeug schmeckt doch nicht“, erzählt Autenrieth schmunzelnd den 15 Teilnehmern der BNN-Ferienaktion, „und als ich ihr dann gesagt hab, dass sie das schon seit drei Wochen begeistert isst, war sie sauer“.

ZDF-Serie machte Dinkelbäcker populär

Längst sind beide wieder ausgesöhnt – und auch seinen anfangs sehr skeptischen Vater habe er nach und nach überzeugen können. „Der hatte Angst, dass wir mit Dinkel pleite gehen“, sagt Autenrieth.
Davon ist der redegewandte „Dinkelrebell“, wie er sich inzwischen selbst gerne nennt, meilenweit entfernt – und spätestens seit der Serie „Deutschlands bester Bäcker“ im ZDF rennen ihm die Kunden – die wenigsten stammen übrigens aus Bretten – die Bude ein.
Vor allem Allergie-geplagte Menschen vertrauen auf Autenrieths Dinkelprodukte. Die Bäcker in der Region hätten ihn anfangs verlacht, weil das Backen mit der „Diva Dinkel“ alles andere als einfach ist, böten aber inzwischen auch fast alle Dinkel-Backwaren an. „Das regt mich immer auf, denn deren Dinkel ist oft Weizen-kontaminiert“, redet sich der Rebell in Rage, zudem gebe es noch ein altes Gesetz, wonach Dinkel bis zu zehn Prozent Weizen zugemischt werden dürfe, um es dennoch als „100 Prozent Dinkel“ bezeichnen zu können.

Linzertorte begeisterte schon Fernsehkoch Lafer

Nach dem Seitenhieb auf die Kollegen leistet der Dinkelbäcker, nebenbei Kaffee für die Besucher aufsetzend, Überzeugungsarbeit: Es gibt Linzertorte – und die mundet wirklich jedem. Das Rezept ist uralt – und hat schon Johann Lafer begeistert – immerhin. Bei der ZDF-Serie vor zwei Jahren kam Autenrieth nämlich nicht in die Endrunde. „Meine Schwarzwälder Kirschtorte hatte nach Meinung der Jury zu wenig Kirschwasser“, erzählt der 54-Jährige.

Dinkelbäcker Autenrieth präsentiert eine seiner ausgezeichneten Linzertorten
Diese Linzertrorte begeisterte die BNN-Leser bei der Ferienaktion | Foto: Rebel

Vielleicht war’s auch besser so, denn der Einzelkämpfer in der Backstube hätte sonst vermutlich einigen Stress gehabt. Und Stress, verrät Autenrieth schmunzelnd, sei nicht sein Ding: „Ich bin ja mein eigener Herr, ich backe, so viel ich mag.“ Wenn er mal krank sei, werde der Laden eben geschlossen.
Das passiert aber recht selten, denn Autenrieth und seine Frau haben sich längst der uralten Heilmedizin von Hildegard von Bingen verschrieben. „Wir machen jedes halbe Jahr einen Aderlass. Da kommt dann die Melache im Blut raus – und man fühlt sich viel besser.“

Lebt seine Überzeigung: Dinkelbäcker Autenrieth
Als „Dinkelrebell“ sieht sich Ulrich Autenrieth | Foto: Rebel

Er, der früher auch mal aggressiv gewesen sei, sei dadurch „völlig entspannt“. Anfangs habe er das Ganze noch belächelt, doch seit er die Sache ganzheitlich sehe, habe sich das komplett geändert. Und er verwende auch viele alte Rezepturen der heilkundigen Heiligen in seinen Backwaren, erzählt der Dinkelbäcker.

Unerklärliches bei Vollmond

Die Zuhörer hängen dem eloquenten und bodenständigen Bäcker, der gerne laute Rockmusik in der Backstube hört, an den Lippen. Erst recht, als er den ein oder anderen Tipp gibt, wie man mit der launischen Diva, über deren Gesundheit man sich im Netz informieren kann, umgehen soll.
Zum Schluss wird es gar ein wenig spirituell: „Bei Vollmond brauche ich nur die Hälfte der Hefe zum Backen. Es gibt Dinge, die kann man nicht erklären.“