Da hängt er in seinem Sessel, der Graf Kuno. Legendär wurde er für seinen Durst, genauer den Brusler Dorscht. Dieses Gemälde befindet sich im Besitz des Stadtmuseums. Der Maler ist aber, trotz Signatur „André 1969“ nicht bekannt.
Da hängt er in seinem Sessel, der Graf Kuno. Legendär wurde er für seinen Durst, genauer den Brusler Dorscht. Dieses Gemälde befindet sich im Besitz des Stadtmuseums. Der Maler ist aber, trotz Signatur „André 1969“ nicht bekannt. | Foto: Sandbiller

Auflösung Teil 3

Brusler Dorscht ist legendär geblieben

Oppenheimer und der Brusler Dorscht

Ein Mann, ein Lied, ein Fastnachtslied: Die erste Strophe dieses haltbaren Gassenhauers vom Brusler Dorscht charakterisiert ihn schon perfekt, jenen gesuchten Mann mit einem Suchtproblem.
Das war der Graf vom Kraichgauland,
Graf Kuno war’s, der Held.
Der hatte einen Höllenbrand,
doch leider wenig Geld.
Im Rappen war sein Stammlokal,
da saß er Tag und Nacht
und hat so manches Zechgelag
auf frohen Pump gemacht.

Wo der Graf genau zu Hause ist, verrät der Refrain dieses flotten Lieds mit Marschrhythmus:
Denn der Dorscht,
denn der Dorscht,
denn der alte
Brusler Dorscht
war die Leidenschaft des Grafen,
alles andre war ihm worscht.
In Bruchsal gilt das Lied, als Lokal-, nein als eine Art Nationalhymne. Nicht nur in der Fastnachtszeit wird die Ballade vom Grafen Kuno gesungen. Der Liedtext belässt es nicht bei den persönlichen Auswirkungen der Alkoholsucht. Klar, der Graf war irgendwann Pleite wegen seiner Wirtshausschulden. Sein Laster hatte zur Folge, dass er seine Ländereien, unter anderem am Bruchsaler Eichelberg, verpfändete. Nach Kunos Tod bekam „sein Staat“ nichts mehr davon. Alles ging in fremde Fürstenhände. An die Bürger dachte Kuno im Testament dennoch. Die dritte Strophe endet mit der Pointe:
Meinen alten Brusler Dorscht/
erben meine Landeskinder./
Alles andre ist mir worscht.
Oftmals unterschlagen wird die letzte Strophe. Am Schluss des Lieds geht es darum, dass der Bruchsaler Besitz über Kaiser Heinrich III. an die Bischöfe von Speyer fiel. Das ist historisch korrekt und führte unter anderem dazu, dass Bruchsal wenig Stadtwald hatte; andererseits baute ein Bischof von Speyer auch das schöne Bruchsaler Barockschloss. Im abschließenden Refrain bekennt der Liedverfasser, dass er den „Brusler Dorscht“ selbst gut kennt.

 

Liedtexter Otto Oppenheimer machte den Grafen berühmt. | Foto: Familienarchiv/ Stadtarchiv Karlsruhe

So augenzwinkernd war er, Otto Oppenheimer, der Autor der Ballade. Er schrieb sie um das Jahr 1900 als 25-Jähriger. Der junge Mann wollte die Bruchsaler Fastnacht mit einen weiteren lustigen Lied aus der Lokalgeschichte bereichern. Also nutzte er die Erwähnung eines Grafen Konrad, der mit Kaiser Heinrich III. verwandt war, um daraus den durstigen und armgewordenen Kuno zu schaffen. Oppenheimer wohnte übrigens in der Straße jenes Lokals Rappen, das in der ersten Strophe erwähnt ist. Er dichtete auf die Melodie des „Kreuzfidelen Kupferschmieds“, die Carl Peter zwanzig Jahre vorher schon komponiert hatte. Erstmals geschmettert wurde das Lied bei Oppenheimers Junggesellenabschied 1901 im Hotel Keller. Allerdings gelangte die Grafenstory kaum in die fastnachtliche Öffentlichkeit – bis der Sänger Hans Ebbecke die flotte Ballade um 1912 populär machte. „Von da ab waren wir Freunde, und niemand anderer als Dr. Hans Ebbecke hat sich für die weite Verbreitung dieses Liedes verdient gemacht“, erinnert sich Otto Oppenheimer kurz vor seinem Tod 1951 in einem Brief an die Große Karnevalsgesellschaft Bruchsal. Der Liedtexter, Fastnachter und auch sonst aktive Vereinsmensch starb in den USA, wohin er 1938 emigrieren musste, weil er Jude war. Kurz vor der „Kristallnacht“ wanderte der Geschäftsführer eines Tuchhandels mit seiner Familie aus. Er hatte schon vor 1933 klar erkannt, dass die Nazis Juden erniedrigen und verfolgen würden – auch wenn sie Soldat im Ersten Weltkrieg waren wie Oppenheimer. Seine Vorfahren und andere Familienmitglieder waren tief in Bruchsal verwurzelt und beispielsweise durch caritatives Engagement beliebt. Um die Familie und den berühmten Otto zu würdigigen, wurde der obere Holzmarkt in Bruchsal 2011 in Otto-Oppenheimer-Platz umbenannt. Zwei Enkel des Gewürdigten waren dabei. Und ein Buch über die Oppenheimers aus Bruchsal erschien. Weil der Schöpfer von Graf Kuno Jude war, sollte das Lied ab 1933 nicht mehr gesungen werden. Doch die Figur des Grafen selbst trat schon 1938 als Fastnachtsfigur auf. Auch heute gibt es keine Kampagne, ohne dass Graf Kuno bei der GroKaGe Bruchsal die Bühne betritt. In die Kleider des Legendären schlüpft derzeit Heimfried Werner.

So witzig wie das Lied ist das Museum, das die Bruchsaler Fastnachter ihrem Kuno gewidmet haben. Es ist eines der kleinsten Museen in Baden-Württemberg und befindet sich in herrlicher Aussichtslage am Ende der Andreasstaffel von Bruchsal. Ein Bäckermeister baute einst den Zugang zu seinem steinernen Weinberghäuschen mit neogotischem Giebel und weißem Verputz. Im dem kleinen Raum findet sich der Graf nochmal in schlanker Form und sollen Exponate augenzwinkernd seine tatsächliche Existenz beweisen.

In einem Weinberghäuschen von Bruchsal ist das winzige Graf Kuno Museum untergebracht.
In einem Weinberghäuschen von Bruchsal ist das winzige Graf Kuno Museum untergebracht. | Foto: Sandbiller

Wer nicht nur sehen will, sondern auch hören, findet das Lied vom Brusler Dorscht auch leicht über Youtube. Weil die alte Geschichte überall gut ankam, wirkte sie inspirierend auf andere Texter. So entstand 1924 in Wolfach nach der selben Melodie ein Lied über den weinseligen Grafen Konrad von Wolva. Man merke: Durst kann sehr ansteckend sein.

Öffnungszeiten: Draußen am Museum ist zu lesen: „Manchmol hemmer offe, manchmol awwer a ned.“ Auf jeden Fall aber darf man am zweiten Sonntag im Monat von 13 bis 15 Uhr hineinschauen. Nächster Termin ist also der 11. September. Weil das gleichzeitig der Tag des offenen Denkmals ist, öffnen die Fastnachter der GroKaGe mit Präsident Michael Vettermann das Graf-Kuno-Museum sogar von 13 bis 17 Uhr. Bruchsals Kulturamtsleiter Thomas Adam will eine Kopie des oben zu sehenden Kuno-Gemäldes für diesen Tag ins Weinberghäuschen bringen. Wer es nur einmal von außen betrachten will, findet es in der Adolf-Bieringer-Straße nahe der Hausnummer 18.
Ausflugstipp: Es lohnt sich auf jeden Fall, die Bruchsaler Anhöhe Belvedere nicht weit vom Schloss einmal zu besuchen. Dabei gerät auf dem Kraichgauhügel gegenüber die barocke Kirche St. Peter in Blick. Sie wurde von Balthasar Neumann erbaut und bewahrt Gräber der Fürstbischöfe. Geöffnet am Denkmaltag, 11. September, von 11 bis 19.30 Uhr.
Internet: www.bruchsal-erleben.de

Das sind unsere Gewinner aus Runde vier:

Zwei Übernachtungen im Parkhotel Pforzheim inklusive reichhaltigem Frühstücksbuffet und zwei Tickets für den Gasometer Pforzheim hat Jaqueline Elder aus Baden-Baden gewonnen.

Unsere Wochengewinnerin  Jaqueline Elder kann sich über zwei Übernachtungen inklusive reichaltigem Frühstücksbuffet im Parkhotel Pforzheim freuen.
Unsere Wochengewinnerin Jaqueline Elder kann sich über zwei Übernachtungen inklusive reichaltigem Frühstücksbuffet im Parkhotel Pforzheim freuen. | Foto: Parkhotel

Zwei Karten der ersten Kategorie für die Premiere von „Romeo und Julia“ im Festspielhaus Baden-Baden, am 14. Oktober mit einer Übernachtung im Suiten-Hotel Batschari gehen an: Theresa Goebel (Bruchsal).

Zwei Karten der ersten Kategorie für die Premiere von „Romeo und Julia“ im Festspielhaus Baden-Baden, aufgeführt vom Hamburg Ballett John Neumeier darf Theresa Goebel genießen.
Zwei Karten der ersten Kategorie für die Premiere von „Romeo und Julia“ im Festspielhaus Baden-Baden, aufgeführt vom Hamburg Ballett John Neumeier darf Theresa Goebel genießen. | Foto: Frei

Je zwei Karten für eine exklusive Sonderführung durch das Karlsruher Exotenhaus mit Zoodirektor Matthias Reinschmidt am Dienstag, 4. Oktober: Karla Stürmlinger (Durmersheim), Christian Heldmaier (Ettlingen), Ernst Hummel (Walzbachtal), Nadine Winter (Bruchsal), Eva Detscher (Karlsruhe), Kirstin Pfeifer (Remchingen), Jürgen Spannagel (Gaggenau) und Dietmar Rudolph (Bühl).
Zwei Plätze für ein Treffen mit Tanzweltmeister Michael Hull am 16. Oktober in der Karlsruher Tanzschule Vollrath-Tönnies: Hanna Keck (Karlsruhe), Margarete Straßer (Stutensee), Peter Eisele (Karlsbad), Dorle Drausnigg (Ettlingen), Anneliese Wintzer (Pforzheim), Elisabeth Janzon (Bruchsal), Carola Wulbrede (Karlsruhe), Lars Linder (Neulingen-Bauschlott), Sabine Jendreck (Bischweier), Christa Leisenheimer (Rastatt), Janet Apitz (Wörth) sowie Angela Schmidt (Karlsruhe).
Auf eine zweistündigen Ausfahrt mit der Aaglander-Motorkutsche – wahlweise durch die Rieddörfer oder die Schlösser-Tour – darf Wolfgang Stoll (Dettenheim) bis zu vier Begleiter mitnehmen.
Ein Samsonite Trolley aus dem BNN-Shop: Doris Decker (Lauf).
Zwei Gutscheine für die Hockenheimring Insider Tour: Martina Schellenschmidt (Keltern).
Ein 50-Euro-Gutschein für das Karlsruher Tollhaus: Wolfgang Bräutigam (Karlsruhe).
Zwei Karten für Simon Pearce „Allein unter Schwarzen“ am 22. Oktober auf der klag-Bühne Gaggenau: Ottmar Bühler (Achern).
Ein Familien-Ehrenticket des Unimog-Museums Gaggenau mit Mitfahrt im Unimog und Führung: Robert Ratzel (Graben-Neudorf).
Ein Gutschein über 20 Euro von der Karlsruher Tourismus GmbH: Ute Kühn (Bruchsal).
Je zwei Tickets für Oktobervorstellungen der Badisch Bühn: Annemarie Westermann (Karlsruhe) und Ingrid Lamprecht (Rheinstetten).
Ein Baden-Württemberg-Ticket der Deutschen Bahn und zwei Schlosscards der Staatlichen Schlösser und Gärten: Hildegard Frei (Bruchsal).
Zwei Tickets für eine Brotzeitführung der Alpirsbacher Brauwelt: Konrad Köstel (Achern).
Zwei Karten für das Casino Baden-Baden plus Getränke-Karten und Buch: Andreas Huber (Karlsruhe).
Drei Tickets für den Gasometer Pforzheim: Johann Zimmermann (Knittlingen).
Zwei Freikarten für das Kino Forum in Rastatt, Offenburg oder Lahr: Elaine Frietsch (Bühlertal).
Eine Monatsnetzkarte des KVV: Ilona Arns (Philippsburg).
Zwei Tageskarten für das Palmenparadies der Thermen und Badewelt Sinsheim: Richard Gottwald (Bischweier).
Ein Tagesticket für das Rotherma Gaggenau: Eric Storz (Kappelrodeck).
Vier Tickets für Sealife Speyer: Wolfgang Störzer (Bretten).
Vier Tickets für die Technik-Museen Speyer/Sinsheim:     Inge Weisert (Oberderdingen).
Ein BNN-Wanderbuch „Rhein, Reben und Ruinen“ von Janina Beuscher: Else Ratz (Stutensee).
Je ein Exemplar „Zwischen Alb und Oos – Ein Sagenführer“: Ilse Heneka (Forst), Gerhard Hauk (Waghäusel) und Christine Athing (Ettlingen).
Über je ein Buchpaket bestehend aus „Die Geschichte Südwestens“ und der „Badischen Bergbibel“ dürfen sich freuen: Renate Krieger (Linkenheim-Hochstetten), Karl-Heinz Schindlbeck (Karlsruhe), Roland Wirth (Hambrücken).