Still ruht der See - zumindest an manchen Tagen. Viel öfter aber sind der Mummelsee und das Hotel nebenan ein echter Besuchermagnet, immerhin liegt er direkt an der B 500 und am Rand des Nationalparks Schwarzwald.
Still ruht der See - zumindest an manchen Tagen. Viel öfter aber sind der Mummelsee und das Hotel nebenan ein echter Besuchermagnet, immerhin liegt er direkt an der B 500 und am Rand des Nationalparks Schwarzwald. | Foto: Sandbiller

Auflösung Teil 6

Der Seekönig führt ein strenges Regiment

Gesucht war der König vom Mummelsee

Die Wasser, wie lieblich sie
brennen und glühn!
Sie spielen in grünendem Feuer.
Es geisten die Nebel am Ufer dahin,
zum Meere verzieht sich der Weiher.
Nur still!
Ob dort sich nichts rühren will?

So beschrieb Eduard Mörike diesen besonderen Ort – und damit war er längst nicht der einzige: Nicht nur diese Strophe seines Gedichts über die Geister, sondern viele weitere Sagen und Geschichten ranken sich um den Mummelsee im Schwarzwald. Die wohl bekannteste ist die vom Mummelseekönig, der auch als Mummelseegeist bekannt ist. Im letzten Teil unseres Sommerrätsels ging es um diese Mummelsee-Sage – um den strengen Mummelseekönig und seine Nixen-Töchter, die im Volksmund oft auch als Mummeln bezeichnet werden. Alle diese Lösungsworte ließen wir gelten. Obwohl das Rätsel nicht ganz einfach zu knacken war, erreichten 13 023 Einsendungen den Verlag.

Der Mummelseekönig soll mit seinen Nixen tief unten in einem prachtvollen Schloss auf dem Grund des Sees wohnen. In den Nächten, in denen der Vollmond scheint, dürfen die Nixen ins Tal gehen: Im Deckerhof in der Schwarzwaldgemeinde Seebach treffen sich die Menschen, in der Spinnstube werden gemeinsam Handarbeiten gemacht und der neuesten Tratsch ausgetauscht. Immer um 23 Uhr verlassen die Nixen den Hof wieder, weil der Weg zum See weit ist und sie um Mitternacht zu Hause sein müssen – schließlich führt der Mummelseekönig dort ein strenges Regiment. Es kommt wie es kommen muss: Der Sohn des Bauern vom Deckerhof verliebt sich in eine Nixe, und um sie länger zu sehen, stellt er eines Tages die Uhr eine Stunde zurück. Der Legende nach soll am nächsten Morgen der Mummelsee blutrot gewesen sein, und keine der Nixen wurde je wieder im Tal gesehen.

Der könig treibt heute noch sein Unwesen – im Kostüm oder als Figur.
Der könig treibt heute noch sein Unwesen – im Kostüm oder als Figur. | Foto: Sandbiller

Keine Legende ist dagegen, woher die Gemeinde Seebach ihren Namen hat – nämlich von dem Bach, der genauso heißt, und aus dem See ins Tal fließt. Der Mummelsee wiederum wurde nach den Seerosen benannt, die in der Umgangssprache „Mummeln“ genannt werden, erklärt Manuela Epting, Leiterin der Seebacher Touristinformation. Davon gab es früher viele auf dem See – ob sie wohl gemeinsam mit den Nixen verschwunden sind? Seerosen gibt es dort heute jedenfalls nicht mehr. Dafür kann man mit etwas Glück eine andere Gestalt entdecken: Der Mummelseekönig persönlich – auch Mummelseegeist bekannt – taucht ab und zu an Wochenenden und bei schönem Wetter dort auf, verrät Karl-Heinz Müller vom Mummelseehotel nebenan.
Viele verschiedene Sagen sind nicht das Einzige, mit dem sich der Mummelsee schmücken kann. Er ist außerdem der größte, tiefste und höchste der verbliebenen sieben Karseen im Schwarzwald: 800 Meter Umfang, in 1 036 Metern Höhe und 17 Meter tief. Wie die anderen „dunklen Augen des Schwarzwalds“ stammt er noch aus der letzten Eiszeit. In dieser Zeit hobelte Gletschereis die Mulden aus. Einen Unterschied gibt es aber: Viele Karseen verlanden im Lauf der Zeit, manche gibt es heute schon gar nicht mehr. Nicht so der Mummelsee: „Er wird nicht kleiner“, sagt Manuela Epting. „Das liegt wohl auch an dem Weg, der außen herumführt. So wachsen die Pflanzen nicht in den See hinein.“
Noch ein Unterschied: Um den Mummelsee zu erreichen, müssen Ausflügler nicht erst die Wanderschuhe schnüren, denn er liegt direkt an der Schwarzwaldhochstraße B 500. Dementsprechend gut besucht ist der Ort aber auch – der See ist ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher aus aller Welt, für viele sogar die Sehenswürdigkeit Nummer eins im Schwarzwald. „Es gibt keine Zählungen, aber man geht von einer Million Tagesbesuchern im Jahr aus“, sagt Manuela Epting. Wie Karl-Heinz Müller erklärt, kommen die meisten Besucher aus Deutschland und Frankreich, „aber auch die arabischen und asiatischen Gäste sind zunehmend.“ Viele zieht auch das Mummelseehotel an, und das hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich: Vor 123 Jahren wurde es eröffnet, 1945 beschlagnahmten die französischen Besatzer das Haus – diese planten 1949, den Mummelsee zuzuschütten und an seiner Stelle einen Truppenübungsplatz zu bauen. Dazu kam es nie, aber Jahre später ereilte eine andere Katastrophe das Hotel: Bei einem Großbrand 2008 wurde es zerstört und musste komplett abgerissen werden. Zwei Jahre später wurde das heutige Mummelseehotel dann wiedereröffnet.
Ob wohl mancher Hotelgast vor dem Schlafengehen noch einmal Ausschau nach den Mummelseegeistern hält? Aber selbst wer nicht an Legenden glaubt: Wenn man von der Höhe aus zusieht, wie die Sonne über dem Tal untergeht, und der Wald schwarze Schatten auf den See wirft, wenn sich die Touristenscharen zurückgezogen haben und man nur noch den See leise plätschern hört, dann kann man sich doch vorstellen, woher all die Geschichten kommen.

Anfahrt: Der See liegt an der Schwarzwaldhochstraße B 500, dort gibt es auch Parkplätze.
Ausflugstipps: Am See können Tretboote gemietet werden. Rund herum ist ein Kunstpfad mit Objekten aus natürlichen Materialien angelegt, der Rundweg ist für Kinderwagen und Rollstühle geeignet. Bis Oktober können Kinder samstags um 16 Uhr im Holzofen Brot backen, Anmeldung unter (0 78 42) 9 92 86. Vom See aus erreicht man in rund 1,5 Kilometern den Gipfel der Hornisgrinde, dort informiert der Grindenpfad über den höchsten Berg im Nordschwarzwald. Weitere Ziele sind der Lotharpfad etwa 13 Kilometer südlich an der B 500, etwa zwölf Kilometer weiter nördlich kommt man zum Wildnis- und Luchspfad.
Weitere Infos: Touristinformation Seebach unter (0 78 42) 94 83 20 sowie im Internet unter www.mummelsee.de.