Die Hauptbühne für "Das Fest" steht. Die Traversen-Tower ragen in den Himmel und am Montag soll das Dach nach oben gezogen werden.
Die Hauptbühne für "Das Fest" steht. Die Traversen-Tower ragen in den Himmel und am Montag soll das Dach nach oben gezogen werden.

"Das ist Rock'n'Roll"

Vom nackten Gerüst zur Hauptbühne

Die Hauptbühne in der Günther-Klotz-Anlage steht! Während auf dem Vor-Fest, ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt, zahlreiche Besucher die Sonnenstrahlen und die Musik von der Cafébühne genießen, wird hier ordentlich gewerkelt.

Der Herr über die 120 Tonnen Bühnenmaterial ist Philipp Weigel. Der Chemnitzer mit den nach hinten gegelten Haaren und den langen Koteletten ist der Bauleiter der Hauptbühne von „Das Fest“. Insgesamt haben sechs Sattelschlepper die Stangen, Träger, Traversen-Tower und Platten in die Günther-Klotz-Anlage gefahren. Noch am Freitagmorgen war an der Stelle nur ein großes Rechteck mit rot-weißem Trassierband auf dem Boden zu sehen.

„Am Montag fahren wir das ganze Dinge hoch“

Zuerst entsteht „der Bühnengrund, den man aufrüstet“, erklärt Weigel. Diese Unterkonstruktion ist zweieinhalb Meter hoch. „Darauf entsteht dann die Arbeitsfläche“, meint der Bühnenbauleiter. Diese Arbeitsfläche ist dann auch das Podest der Bühne, auf dem das Dach konstruiert wird. Anschließend werden die Hängepunkte vorbereitet und der Kran setzt die Tower. „Am Montag fahren wir das ganze Ding mit dem Turm hoch“, sagt Weigel, während im Hintergrund die Bühnenarbeiter auf die Dachkonstruktion ziehen.

Hier eine 360-Grad-Aufnahme von der Hauptbühne:

https://www.youtube.com/watch?v=kEEdaQ7NuUQ

Wer ab und zu den schweißtreibenden Aufstieg zum Gipfel des „Mount Klotz“ auf sich genommen und seinen Blick über das mehr und mehr wachsende Fest-Gelände hat schweifen lassen, der konnte die wachsende Bühne Stunde für Stunde verfolgen. Sattelschlepper, Gabelstapler und knapp 20 Arbeiter wuselten am Fuß des Erdhügels hin und her – ein Kommen und Gehen. „Momentan sind wir eine Vier-Mann-Crew, also von Megaforce direkt, und dann sind noch zwölf Helfer und Kletterer dabei“, schildert der Bauleiter.

Die Aufbaudauer variiert zwischen zwei und drei Tagen

Mittlerweile steht in der Klotze auf einer Breite von 35 Metern ein gewaltiges Konstrukt. Das Bühnendach ist bereits mit Folie bezogen und wartet darauf, nach oben gezogen zu werden. Die Dauer des Aufbaus variiert zwischen zwei und drei Tagen: „Das hängt vom Personal ab, dass man dazu gebucht bekommt, und das Wetter spielt eine wichtige Rolle“, betont der Bauleiter. Das hat in Karlsruhe bislang zum Glück mitgespielt: „Vorgestern hatten wir mal Starkregen und es ist nicht mehr so heiß wie die vergangenen Jahre“, berichtet der Bühnenbauleiter.

Weigel ist im Jahr wohl so 30.000 bis 40.000 Kilometer unterwegs. „Ich hatte im vergangenen Jahr eine Woche, da bin ich Montag nach Friedrichshafen am Bodensee, am Donnerstag nach Luxemburg danach nach Rosenheim und am Samstag nach Hause nach Chemnitz“, erzählt er. Teilweise ist er in Istanbul, der Slowakei, in Russland, in Österreich und er Schweiz unterwegs.

„Das ist Freiheit“

Seit 15 Jahren ist Weigel schon dabei und scheint seine Arbeit noch wie am ersten Tag zu mögen. Das Faszinierende am Bühnenaufbau sei schwer zu beschreiben, wenn man es nicht selbst erlebt habe: „Man ist halt nur unterwegs, man rockt teilweise einen ganzen Sommer durch, manchmal, weil es nicht anders geht, 16 Stunden am Tag“, plaudert der Bauleiter. Dazu kommen die Wetterextreme: Man stehe bei 35 Grad Celsius draußen oder im Regen. Das sieht man ihm an, seine Haut ist schön gebräunt und das Gesicht vom Wetter gegerbt. „Aber das ist Freiheit, das ist halt Rock’n’Roll“, sagt Weigel grinsend. Das Wichtigste: „Es macht halt einfach Spaß.“

Das Fest schaut sich Weigel nicht an. „Das hängt von den Bands ab und ich habe schon vieles gesehen. Wenn man das zehnte Mal die Toten Hosen hintereinander gesehen hat, dann schaut man sich das auch nicht mehr an“, meint er. Zu dem spielen die Bands, die er möge, nicht auf solchen großen Festivals. Dennoch sind Weigel viele Auftritte in Erinnerung geblieben. Ganz besonders beeindruckend findet der die Bühnenshow von Rammstein. Das sei zwar nicht seine Musik, „aber die machen eine der spektakulärsten Shows die es gibt“, findet er. Auch Joe Cocker vor vielen Jahren sei toll gewesen. Nach dem Gespräch zwinkert Weigel verschmitzt und widmet sich wieder umgehend seinem Job, kniet nieder und arbeitet an einem der Träger weiter.