Die österreichische Band Wanda wird am 23. Juli beim FEST auftreten
Die österreichische Band Wanda wird am 23. Juli beim FEST auftreten | Foto: dpa

Interview mit der Band "Wanda"

„Wir wurden an den Strand des Lebens gespült“

Ein Debütalbum mit Goldstatus, Band des Jahres, Liveact des Jahres und Preisträger in der Kategorie Pop/Rock beim Amadeus Austrian Music Award 2016: Die Jungs der österreichischen Band „Wanda“ haben in ihrer fünfjährigen Bandgeschichte einen echten Senkrechtstart hingelegt. Als „Popmusik mit Amore“ bezeichnet das Fünfergespann selbst seinen Sound, der immer ein wenig lakonisch zwischen Indie, Rock’n’Roll und Folk hin- und her schwankt. „Amore“ stehe dabei eher für ein Verbundenheitsgefühl aller Menschen, als nur für die erotische Liebe. Erklärte Frontmann Marco Maria Wanda beim Interview mit den Redaktionsmitgliedern Britta Baier und Marcel Winter auf dem Southside-Festival. Mit dabei war Schlagzeuger Lukas Hasitschka.

Als Band seid ihr ja noch relativ jung – 2012 gegründet – habt ihr euch vorher schon privat gekannt?

Wanda: Ich bin mal in ein Taxi gestiegen und da war Lukas grad und hat gesagt „Du, ich bin Schlagzeuger“. Den Gitarristen haben wir dann an der Kreuzung getroffen (lacht). So hat sich die Band gegründet.

Hasitschka: Ich sage immer: Wir haben uns durchs Leben kennengelernt.
Wanda: Ja, wir wurden alle an den Strand des Lebens gespült. Da gibt es schon so ein Bestimmungsgefühl, als hätten wir uns auf jeden Fall treffen müssen.

Aktuell seid ihr auf Tour in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Wo kommt ihr gerade her?

Wanda: Zuletzt war ich in Triest im Urlaub und habe mir Schauplätze von James Joyces Leben angeschaut. Aber insgesamt waren wir jetzt eigentlich zwei Jahre nonstop unterwegs, kann man sagen. Dabei haben wir gespürt, was es heißt, zwei Leben zu führen. Eines, das sich versucht, bürgerlich auszunehmen – das ist das Privatleben – und das andere ist eben das „Fünf Freunde erobern die Welt gemeinsam.“ Unsere Existenz ist auf jeden Fall zweigeteilt. Damit kommt man manchmal gar nicht klar und manchmal sehr gut. Das wird wohl auch immer so bleiben.

In einem Interview hast du mal gesagt „Ich wusste, dass das funktioniert“. Nun haben ein Großteil der Newcomer eher einen grelleren und aufdringlicheren Sound als ihr. Woher wusstest du, dass eure vergleichsweise ruhige Musik sich trotzdem so durchsetzen würde?

Wanda: Bei dieser Frage werde ich immer ganz verlegen, denn wir sind eigentlich so demütig gegenüber diesem Erfolg. Ich weiß nicht, was wir richtig gemacht haben. Aber ich glaube, es spielt eine Rolle, dass wir niemanden ausschließen wollen und dass unser Bühnenauftreten das auch ausstrahlt. Dass wir einfach gerne für andere Musik machen. Natürlich hatten wir auch schon schlechte Konzerte, wo die Leute nicht mitgegangen sind. Dann habe ich echt keine Lust mehr. Ich mache nur gerne Musik, wenn es den Leuten Spaß macht. Für mich selber muss ich den Scheiß eigentlich nicht runtersingen (lacht).
Hasitschka: Man sieht uns aber auch an, dass wir Spaß haben auf der Bühne und das lieben, was wir tun. Das zieht an. Das ist schön.

Liebe hat in euren Texten meistens einen etwas tragischen oder sehnsüchtigen Touch – gibt das die Realität wieder oder seid ihr im Geheimen schon alle glückliche Familienväter?

Wanda: Ich glaube, man kann in der Liebe immer nur kurzweilig sein Glück finden und dann gibt es wieder Probleme und Schwierigkeiten. Ohne jetzt über unsere Privatleben sprechen zu wollen: Liebe ist eher eine Problemstellung, so würde ich das wahrnehmen. Das ist nicht geritzt und so einfach.

Ihr benutzt häufig sehr persönliche, fast schon intim wirkende Bilder in euren Liedern, die als Hörer etwas kryptisch wirken. Ist dieses Gefühl von Deutungsoffenheit gewollt oder ergibt sich das?

Wanda: Kunst hat natürlich ihren eigenen Sinn und ihr eigenes Leben, aber ich glaube, dieser Aspekt ist schon von uns so gewollt. Ich habe Musik immer gerne als Projektionsfläche betrachtet und wollte auch, dass es sich nicht nur um mein marginales Lebensgefühl dreht und meine Problemchen. Ich wollte Bedeutungsrahmen öffnen, die zulassen, dass Menschen sich darin finden können.

Vor kurzem hast du mal gesagt: „Wir sind ja keine 23 mehr.“ Konstantes Rauchen und Trinken scheint bei euch aber ein fester Teil vom Band-Feeling zu sein – macht ihr euch manchmal Gedanken um die Zukunft?

Wanda: Meinst du, dass wir alle sterben (lacht)? Nein. Wir leben wild, da bin ich mir sicher. Aber nicht wilder als andere auch. Ich hab es nicht so mit dem Gesundheitswahn, dafür ist es mir auch zu egal. Ich habe ein erfülltes Leben. Und wann es einen Schlussstrich setzt, ist mir eigentlich völlig egal.

Haben Open-Air-Festivals aus eurer Sicht einen besonderen Reiz im Vergleich zu Hallenkonzerten?

Wanda: Nun ja, grundsätzlich sind zunächst einmal die Gagen höher als die Uhrzeiten, zu denen man spielt (lacht).
Hasitschka: Es ist auch aufregender, weil man einfach nicht weiß was kommt, vom Wetter angefangen bis zur Bühne und dem Publikum. Also wir haben uns auf die Festivalsaison gefreut, wie ein Kind, dass sich im Sommer schon wieder auf den Schnee freut. Das ist ein eigenes, spannendes Leben.
Wanda: Und es hat immer Wind und Wetter. Das ist geil.

Nun spielt ihr auch beim „Fest“ in Karlsruhe. Habt ihr einen Bezug zu der Stadt?

Wanda: Wir hatten einmal ein großartiges Konzert in Karlsruhe, das weiß ich noch, sehr laut und sehr herzlich. Aber ansonsten verschwimmt inzwischen ziemlich viel. Es bleibt oft nur der Name der Stadt und ein Gefühl, das man damit verbindet. Meistens ist es gut, bei Karlsruhe ist es sogar sehr gut.

Wie wohl fühlt ihr euch vor deutschem Publikum?

Wanda: Wir sehen die Sprache nicht als Barriere (lacht). Wir spielen für alle Menschen gleich gerne. Das ist Musik und ein Gemeinschaftsgefühl – das ist alles, worum es geht.

Die Band Wanda tritt am Samstag, 23. Juli, um 19 Uhr auf der Hauptbühne in der Karlsruher Günther-Klotz-Anlage auf.