Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

„Ay eff käy“ – geht gar nicht

Ferienzeit ist Reisezeit und das bringt für den von Natur aus bewegungsfaulen Teenager, bei aller Freude über den täglichen Late-Check-out im Hotel Mama, auch einen Haufen Verdruss. Ortswechsel sind als schlimmstes Übel zu nennen. Tagesausflüge gelten als die Pest schlechthin und mehrtägige Aufenthalte außerhalb des heimischen WLANs grenzen an Unzumutbarkeit.
Die Idee eines einwöchigen Aufenthalts in Paris inklusive TGV-Fahrt, moderaten Stadtrundgängen und garantiert ohne Museumsbesuch, stößt sogleich auf spontane Ablehnung. Nach Paris? Eine ganze Woche lang? Ja, geht’s noch? Mit einer sich vor Empörung brechenden Stimme liefert der Große sogleich das Argument für die Unmöglichkeit dieses Ansinnens: Er könne in seinen Ferien nämlich auf keinen Fall mehr als zwei Stunden „äy-eff-käy“ gehen. Die Nachfrage, was denn bitte schön „äy eff käy“ bedeute, quittiert der Heranwachsende mit einem Augenrollen, das als Bewegungshöhepunkt des Tages gewertet muss. „Mann Mama – äy eff käy! Away from keyboard.“
Ach so! Na das leuchtet sogar dem ältesten Analog-Dino ein. Klar, wer als digitaler Eingeborener länger als zwei Stunden von der Tastatur des heimischen Computers entfernt ist, seine Online-Community also nicht permanent mit den neuesten Statusmeldungen à la „esse gerade Pizza“ versorgt, der droht, unwiederbringlich in den dunklen Strudel des Vergessens zu geraten. Ist die Nabelschnur zum Internet einmal gekappt, kann man sich ja gleich selbst auflösen.
Nur gut, dass die kluge Erziehungsberechtigte eine Lektion in moderner Pädagogik längst verinnerlicht hat. Sarkasmus – mag er noch so espritreich und eloquent vorgetragen sein – , führt die Familie keinen Zentimeter an das Sehnsuchtsziel der Alten heran. In Zeiten wie diesen hilft nur eines: das Auslandspaket des Mobilfunkbetreibers mit unbegrenztem Surfvolumen. Das und die Aussicht auf unendlich viele bislang ungefangene Pokémons bringt selbst den deplatzierungsaversen Digital Native auf Touren und ganz ehrlich – viel teurer als ein Milchkaffee auf den Champs-Elysées ist das auch nicht.