Sozialstation Achern
Neue Hilfsmittel sorgten auch früher schon für eine Erleichterung bei der Pflege – hier die Demonstration eines sogenannten Lifters bei der Sozialstation, als das 25-jährige Bestehen der Einrichtung im Jahr 2001 gefeiert wurde. | Foto: Roland Spether

40 Jahre Sozialstation Achern

Wandel der häuslichen Krankenpflege gefolgt

Von Roland Spether

„Für die Würde des Menschen und die sozialen Aufgaben ist der Aufschrei in der Gesellschaft und das Krachschlagen geradezu eine Christenpflicht.“ Diesen „Aufschrei“ von Menschen für Menschen forderte am 27. Mai 2001 der frühere Bundesminister Heiner Geissler als Festredner der Kirchlichen Sozialstation „Bernhard von Baden“, als deren 25-jähriges Bestehen gefeiert wurde und der Sozialpolitiker klare Worte für ein zutiefst menschliches und sozial-politisches Engagement gerade der Christen fand. Jesus habe immer auf der Seite der Kleinen und Benachteiligten, der Kranken und Behinderten gestanden. Die Sozialstation erfüllt ihren Auftrag zur Nächstenliebe wie in der konkreten Nächstenhilfe inzwischen seit 40 Jahren.

Anforderungen ändern sich

In der Zeit um das Jahr 2000 gab es, wie in der Gründerzeit der Sozialstation vor 40 Jahren, einen gesellschaftlichen und sozialen Paradigmenwechsel, der die sozial-karitative Arbeit der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden und die Betreuung und Pflege von alten und kranken Menschen vor eine große Herausforderung stellte. Vor 15 Jahren war es der stetig aber unaufhaltsame Wandel vom Fürsorgeprinzip zur Marktorientierung, vom Patienten zum Kunden, wiewohl die Einführung der Pflegeversicherung 1995 viele positive Aspekte hatte und eine gewisse Verlässlichkeit brachte.
Doch die Qualität der Pflege wurde mehr und mehr durch Reglementierung und Bürokratisierung wie Dokumentation und Pflegebuchführungsverordnung belastet, was Fachkräfte und Geschäftsleitung unter großen Druck setzte.

Frauen und Männer der ersten Stunde wurden 2001 geehrt: Charlotte Fuchs, Kurt Ehmann, Eberhard Perk, Vorsitzender Heinz Brunner, Berta Habermehl, Caritas-Direktor Bernhard Appel, Pfarrer Ehrenfried Still und Pfarrer Willi Braun.
Frauen und Männer der ersten Stunde wurden 2001 geehrt: Charlotte Fuchs, Kurt Ehmann, Eberhard Perk, Vorsitzender Heinz Brunner, Berta Habermehl, Caritas-Direktor Bernhard Appel, Pfarrer Ehrenfried Still und Pfarrer Willi Braun. | Foto: Roland Spether

Bereits in den 60er und frühen 70er Jahren hatte sich angedeutet, dass sich in der häuslichen Krankenpflege etwas ändern muss. So gab es durch den gesellschaftlichen und beruflichen Wandel immer weniger das klassische Familienmodell, nach dem mehrere Generationen in einem Haus leben und die Tochter die Eltern versorgt und pflegt. Ein weiterer Punkt war, dass es wie in Achern schon seit dem 19. Jahrhundert fast in jedem Ort eine Schwesternstation gab, in der es neben einer „Nähschwester“ für hauswirtschaftliche Unterrichtung und „Kindergartenschwester“ sowie eine Schwester gab, die Hausbesuche machte, pflegerische Arbeiten vornahm und Sterbende begleitete. Der zunehmende Mangel an Ordensschwestern, der Anstieg an betagten und hochbetagten Menschen, die Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Pflege und deren Finanzierung erforderten neue Konzepte, die in Achern dank weitsichtiger Personen wie Stadtpfarrer Hugo Gehrig (1961 bis 1982), Caritas-Geschäftsführer Albert Wäldele und der Vorsitzenden der Caritas-Konferenzen, Berta Habermehl in Kooperation mit dem Diözesan-Caritasverband gefunden wurden.

„Haus der Caritas“ 1980 bezogen

Von Anfang an gehörten Familienpflegerinnen und Dorfhelferinnen zur Sozialstation und 1981 wurde der Dienst der Hauspflegehelferinnen eingeführt. Im Jahre 1980 haben die Sozialstation und der Caritasverband Acher-Renchtal das heutige „Haus der Caritas“ bezogen, das 1996 erweitert wurde. Im 40. Jubiläumsjahr wird die Sozialstation mit einem Einzugsbereich von 17 Gemeinden um Achern vom Vorsitzenden Josef Schell und dessen Stellvertreterin Rose-Irene Simon geleitet, die Geschäftsführung liegt in Händen von Erika Müller und die Pflegedienstleitung bei Klaus Eberle. Über die Jahrzehnte haben sich die Anforderungen geändert, das Profil wurde geschärft und neue Leistungen und Dienste kamen hinzu. Von „Sorglos wohnen“ über Nachtwachen bis zur häuslichen Pflege, von „Urlaub ohne Koffer“ über Hausnotruf bis zu Kursen in Hauskrankenpflege, Krankenwallfahrt und Herbstfest reicht das Angebot der Sozialstation.

Sozialstation bekam viele Unterstützer

Es war die große Zeit der Caritas in Achern, als in den 70er Jahren Initiativen und Einrichtungen auch mit Unterstützung der Stadt Achern und der Kommunen aus dem Umland auf den Weg gebracht wurden: „Essen auf Rädern“, Altentagesstätte, Caritas-Konferenz, Caritas-Bezirksstelle, Altenpflegeheim und Sozialstation. Diözesan wegweisend war damals schon das ökumenische Miteinander in vielen Bereichen, so auch bei der Sozialstation. Aus einer wahrlich geschwisterlichen Kooperation wurde eine gemeinsame Trägerschaft der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden, auch die politischen Gemeinden unterstützten die Gründung dieser segensreichen Einrichtung. Zum ersten Vorsitzenden wurde Pfarrer Theobald Seiler gewählt, während Albert Wäldele die Verwaltung der Sozialstation übernahm.