Thomas Roth lebte einst als Internatsschüler an der Heimschule Lender. Darüber hat er nun ein Buch geschrieben
Thomas Roth lebte einst als Internatsschüler an der Heimschule Lender. Darüber hat er nun ein Buch geschrieben | Foto: Josephine Fuß-Reuschel

Thomas Roth

600 Seiten über die „rebellische Schulzeit“ in Sasbach

Von Josephine Fuß-Reuschel

„Diese Zeit hier an der Lender hat mich geprägt für mein ganzes Leben,“ meint Thomas Roth und fasst in diesem Satz zusammen, was es für ihn bedeutete, Anfang der achtziger Jahre ein Schüler des Lender-Internats in Sasbach gewesen zu sein. Seine Jugenderinnerungen an die Zeit von 1977 bis 1982 hat er in seinem Buch „Versetzung gefährdet“ festgehalten. Roth hat wahr gemacht, wovon mancher nur träumt, denn der Mittfünfziger aus dem Westerwald und heutige Vorsitzende der FDP-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag hat alles über seine Lender-Internats-Schulzeit aufgeschrieben.

Hochgearbeitet bis zum Schülersprecher

Doch wie kam er von Montabaur nach Sasbach? „Meine Schulleistungen waren nicht so gut, das Zwischenzeugnis beschied mir: ,Versetzung gefährdet’“. Roth: „Mein Vater nahm den Rat eines in der Nachbarschaft praktizierenden Arztes, der selbst Altsasbacher war, an und meldete mich nach kurzer Erkundung hier an der Schule an. So kam ich als 15-Jähriger in den Schwarzwald“ sagt Thomas Roth, der bis zu diesem Zeitpunkt mit seinen beiden Brüdern Christoph und Andy „eine recht unbeschwerte und sorglose Kindheit und Jugend“ (Klappentext des Buches) in der Kreisstadt des Westerwaldes verlebt hatte. „Ich kam in die Obertertia, in eine reine Jungenklasse, die quasi von der Sexta (5. Klasse) an schon zusammen war und somit eine feste eingeschworene Klassengemeinschaft bildete. Leicht war das nicht gewesen, aber ich habe mich behauptet und hochgearbeitet bis zum Schülersprecher.“ Natürlich sei es auch für ihn zuerst ungewohnt gewesen, in einem „Achter Zimmer“ zu schlafen. Später stand dann die Umquartierung in ein Sechs-Bett-Zimmer im Franziskusbau (F-Bau, heutige Mensa) an, während in der Mittelstufe noch Vier-Bett-Zimmer Standard waren. Erst als Primaner durfte man das Privileg des Einzelzimmers genießen.

Erste Disco mit Mädchen organisiert

Thomas Roth erzählt von den vielen Mitschülern aus dem Saarland, die aus familiär bedingten, traditionellen Gründen zahlenmäßig stark an der Lender vertreten waren. „Zu denen habe ich bis heute eine gute Beziehung, und uns verbindet viel“ bekräftigt Thomas Roth. Beim Gang über den Campus der Heimschule begegnet er beim Altsasbachertag zahlreichen ehemaligen Mitschülern und Mitschülerinnen und merkt an: „Wir haben damals die erste Disco organisiert, bei denen Mädchen teilnehmen durften! Das war die erste Schulveranstaltung dieser Art und ich bin heute noch stolz darauf, als damaliger Schülersprecher gegen viele Widerstände auch an der Modernisierung gewisser Internatsregeln mitgewirkt zu haben“.
An den prägenden Direktor der damaligen Zeit, Max Oberhuber, denkt Thomas Roth nach seinen Worten voll Wärme und dankbarer Erinnerung. Während Präfekten (Erzieher) für Ordnung in den Gebäuden und Klassen sorgten, ereignete sich so Manches, auf das Thomas Roth gerne zurückblickt.

Manuskript ruhte zehn Jahre lang

„Diese rebellische Schülerzeit“ in 600 Seiten niederzuschreiben war ihm ein Herzensanliegen. „Ich habe mich immer wieder hingesetzt und mich erinnert, vieles aufgeschrieben. Zehn Jahre lang habe ich das Manuskript ruhen lassen und dann die Veröffentlichung organisiert.“
In der Begegnung und dem Gespräch mit dem Autor ist spürbar, dass er Wurzeln hier in der Gegend geschlagen hat, wie viel ihm als ehemaligem Schüler (Altsasbacher) die Schule und die Region bedeuten, die ihn bis heute nicht loslässt: „Vielleicht ziehe ich als Pensionär mal hierher in den Schwarzwald“ meint er zum Abschied.

Tom Roth: Versetzung gefährdet – Jugenderinnerungen, Verlag: book-on-demand, ISBN: 978-3-86460- 412-6