Die Fautenbacher Kirche wird aufwendig saniert | Foto: Michael Karl

Umbau der Fautenbacher Kirche

Andächtiger Moment für die Helfer

Von Michael Karl

Eine außergewöhnliche Begegnung mit einer Heiligenreliquie brachte am vergangenen Samstag ein weiterer ehrenamtlicher Einsatz zur Sanierung der Fautenbacher Kirche. Die mehr als 30 Helferinnen und Helfer um Gerold Bruder entfernten die großen Holzpodeste, auf denen einst die Kirchenbänke standen, das im Volksmund liebevoll „Nordkurve“ genannte Chorpodest der Kinder- und Jugendchöre und des Kirchenchors, sowie die ersten Bodenplatten aus Stein. „Für die Verlegung der elektrischen Leitungen und um sieben sogenannte „Wärmeinseln“ in der Kirche zu schaffen, müssen wir einige neue Kanäle ziehen“, erklärte Gerold Bruder.

Andächtige Stille beim Anblick der Reliquie

Einen besonders intensiven Moment erlebte die Helfertruppe, als Steinmetzmeister Gerhard Weber die große Platte des Altars mit in die Werkstatt nach Önsbach nehmen wollte. „Wir müssen noch die Heiligenreliquie aus dem Altar nehmen“, war man sich in der Helferschar einig. Immerhin war diese zur Altarweihe vor gut 60 Jahren eigens aus Freiburg gekommen, in den Altar eingelegt und versiegelt worden.
Alle Mitarbeiter versammelten sich um den großen Altarblock. Als Gerold Bruder, ehrenamtlicher „Bauleiter vor Ort“, die Reliquie mit einem Meisel fachgerecht freigelegt hatte, war eine sehr „dichte Stille“ zu spüren.

Verpackt und versiegelt ist die Heiligenrelique aus dem Altar | Foto: Michael Karl

Dürfen „Kirchenbauergeneration in Fautenbach“ sein

Luzia Mark, Pfarrgemeinderätin und Sprecherin des Gemeindeteams hob die Reliquie aus ihrem „Fach“. Die Reliquie, von der bislang noch nicht zu erfahren war, von welchem Heiligen sie stammt, ist in einem kleinen Beutel mit dem erzbischöflichen Wappen verwahrt. Nunmehr wird sie im Tresor der Kirche aufbewahrt. Der Altarstein aus heimischem „Ossola“-Granit erhält seinen vorläufigen Platz in der Werkstatt in Önsbach und soll wieder einem angemessenen Zweck zugeführt werden.
„Wir haben derzeit an Großem teil. Wir dürfen wieder eine Kirchenbauergeneration in Fautenbach sein“, formulierte Gemeindereferentin Ursula Kunner.

Auch die Orgel soll gereinigt werden

Die Orgel, komplett verpackt in einer überdimensionalen schwarzen „Kiste“ hat mittlerweile ihren staubsicheren Übergangsplatz im Chorraum. „Ich bin auch für dieses in den 1990er Jahren eingebaute Instrument sehr froh, dass es nun wieder gereinigt werden kann“, freute sich Kantor Frank Hodapp.
Im Weiheheft der Kirche aus den 1950er Jahren findet sich eine Beschreibung des damals neuen Baustils, in dem die Fautenbacher Kirche errichtet ist. Zu entnehmen ist dieser, wie mühsam der hallenartige Stil der 1950er Jahre teilweise angenommen wurde. „Der Kirchenbau muss sich auch der Zeit anpassen“, ist sinngemäß in den 1950er Jahren formuliert. Lag damals der Fortschritt darin, dass alle Kirchenbesucher durch freie Sicht an der als Opfer verstandenen Eucharistiefeier teilhaben konnten, so geht der leitende Grundgedanke des Gestaltens heute noch deutlicher dahin, Eucharistie und Gemeinde als Gemeinschaft des Leibes Christi auch durch spürbare Gemeinschaft um den Altar abzubilden und erfahrbar zu machen.

Reliquie:
In den ersten Jahrhunderten versammelten sich Christen zur Feier des sogenannten Herrenmahls an den Gräbern von Märtyrern. Die Reliquie, Teil eines Märtyrers oder eines Heiligen soll die Verbindung mit allen lebenden und verstorbenen Glaubenden in symbolischer Weise deutlich machen.