Lothar Charakter Wandel
Letzte Überbleibsel der ehemaligen Sturmschäden rund um den Lotharpfad sind rechts auf dem Bild zu sehen. Die linke Seite zeigt hingegen, wie gut sich der größte Teil des Waldes bereits erholt hat. | Foto: red

Neues Konzept für Lotharpfad?

„Der Charakter hat sich stark gewandelt“

Vor knapp zwei Wochen hatte Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl bei einem Vor-Ort-Termin noch laut über die Zukunft des Lotharpfades nachgedacht. Und darüber, ob dessen Erhaltung sinnvoll sei, weil sich der Charakter der Landschaft stark gewandelt und sich der Wald von den Sturmschäden erholt habe. Nun stellt Waldenspuhl gegenüber dem ABB klar: „Keine Angst, der Lotharpfad bleibt bestehen.“ Er habe lediglich ausdrücken wollen, dass die Sturmschäden kaum mehr sichtbar seien. Tatsächlich veranschaulicht die Nationalpark-Attraktion mittlerweile, wie erholungsfähig der Wald nach schweren Sturmereignissen ist.
In der Tat ist von den Schäden, die der Orkan Lothar 1999 auch rund um den nachträglich angelegten Pfad angerichtet hat, nicht mehr viel zu sehen. „Wir haben heute einen von Fichten dominierten Jungwald mit Tannen, der durch seine Dynamik und Vielfalt beeindruckt“, erklärt der Nationalparkleiter. Das Interesse am Pfad sei bislang noch nicht gesunken, auch wenn er kaum mehr die Verwüstungen des Sturmes zeige, nach dem er benannt ist, betont Thomas Waldenspuhl. „Der Lotharpfad kann den Besuchern heute zeigen, wie natürliche Prozesse in Kernzonen oder ungenutzten Wäldern ablaufen, welche Faszination sie bieten und welche Vielfalt die Natur aus solchen Flächen hervorbringt.“ Um diese Botschaft zu unterstreichen, will man spezielle Führungen anbieten, Info-Tafeln aufstellen und Flyer auslegen, die die Geschichte des Lotharpfades darlegen. „Wir wollen auf die aktuellen Entwicklungen eingehen und neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen auch die Faszination des Prozessschutzes als Naturschutzstrategie den Menschen näher bringen“, erläutert Thomas Waldenspuhl. Früher habe der Reiz des Lotharpfades darin gelegen, dass er die Verwüstungen gezeigt hat, die die Natur selbst verursachen kann. Heute könne man eindrucksvoll sehen, wie sich ein Wald von selbst erholt.

Charakter des Pfades ist ein anderer

17 Jahre ist es nun her, dass der Orkan Lothar über Deutschland fegte und vor allem Baden-Württemberg stark in Mitleidenschaft gezogen hat. 29 Millionen Quadratmeter im Ländle waren vom Unwetter betroffen. „Im Ortenaukreis entstanden 6 000 Hektar Sturmwurfkahlflächen, das sind sieben Prozent der Waldfläche“, erzählt Bernhard Ihle vom Amt für Waldwirtschaft.  „In den ersten zehn Jahren nach dem Orkanereignis wurden insgesamt 3 000 Hektar durch Anbau wiederbestockt. Auf rund 2 400 Hektar erfolgte die Wiederbegründung durch Naturverjüngung und rund 600 Hektar waren zum damaligen Zeitpunkt Sukzessions- oder Restflächen.“ Sukzessionsfläche bedeutet, dass die Flächenentwicklung der Natur überlassen bleibt – so wie rund um den Lotharpfad geschehen. „Von dieser Vorgehensweise versprach man sich eine interessante Beobachtung der natürlichen Regeneration von Sturmwurfflächen“, erläutert Thomas Waldenspuhl. 2003 wurde schließlich ein Lehr- und Erlebnispfad angelegt, der über Treppen, Brücken und Stege aus angefallenem Bruchholz über und unter den umgestürzten Bäumen hindurchführt. „Von Anfang an bis heute ist der Lothardpfad auf eine sehr positive Resonanz gestoßen“, erzählt Waldenspuhl. „Er hat dem Besucher vermittelt, dass auch Prozessschutz Vorteile für den Erhalt der Artenvielfalt hat. Zu beobachten war die Faszination einer natürlichen Dynamik.“
Der Wald habe sich rund um den Lotharpfad schnell erholt, so Waldenspuhl. „Die Besiedelung ging schneller als erwartet. Auf einer ungeräumten Fläche finden sich etwa doppelt so viele junge Bäume im Vergleich zu einer geräumten Sturmwurffläche.“ Das Totholz habe den Lebewesen Schutz vor Hitze, Niederschlägen und Frost geboten. Von dieser Wiederbesiedlung können sich die Besucher nun überzeugen. „Wir machen uns auch Gedanken, über eine Ergänzung des Pfades“, sagt der Nationalparkleiter. Für den Nationalparkwald ist das Kapitel Lothar geschlossen. Den Pfad wird es aber weiterhin geben. „Der Lotharpfad wird für die kommenden zehn Jahre und vielleicht darüber hinaus erhalten werden“, verspricht Thomas Waldenspuhl. Und er wird noch vielen Besuchern zeigen, wie sich in der Natur vieles von selbst regelt.