Sorgen um die Wohnqualität haben Anwohner am Pfarrberg und im Pfaffenbach in Waldulm. Sie haben deswegen eine Petition wegen der Erweiterung des Ossola-Steinbruchs eingereicht. | Foto: Berthold Gallinat

Steinbruch bei Kappelrodeck

„Die Gläser tanzen im Schrank“

Von Berthold Gallinat

Erhaben steigt der Pfarrberg in Waldulm an und bildet mit der Pfarrkirche St. Albin, mit den Reben und dem Waldsaum am oberen Ende eine prächtige Landschaftsidylle. So idyllisch und friedlich, wie sich dieses Landschaftsbild zeigt, ist aber 72 Anwohnern am Pfarrberg und im Pfaffenbach derzeit gar nicht zumute, denn direkt dahinter, im rückwärtigen Bereich des Pfarrbergs steht die Erweiterung des Ossola-Steinbruchs an – und die bereitet den Anwohnern große Sorgen, weil sie teilweise bis zu 100 Meter an ihre Häuser heranrückt.

72 Bürger reichen Petition ein

Sorgen haben die Anwohner insbesondere wegen der Sprengungen im Steinbruch, die nach ihren Erfahrungen jetzt schon unangenehm zu verspüren sind, obwohl der momentane Abbau noch in etwa 250 Meter Entfernung von ihren Häusern betrieben wird. 72 Waldulmer Bürger haben gegen den Regionalplan und die geplante Steinbrucherweiterung der Firma Ossola Schwarzwälder Kies- und Schotterwerke GmbH & Co. KG beziehungsweise gegen die Festlegung der Vorrangfläche für Schotterabbau RVSO Nr. 7414-a eine Petition beim Land eingereicht. Die geplante Abbauerweiterung umfasst 3,75 Hektar, die Abbaumenge beträgt rund 1,6 Millionen Kubikmeter und als Abbauzeit sind 16 Jahre veranschlagt.

Landtagsabgeordneter besucht Steinbruch

Jetzt waren mehrere der betroffenen Bürger zusammen mit dem Offenburger Landtagsabgeordneten Thomas Marwein (Grüne), Bürgermeister Stefan Hattenbach und Ortsvorsteher Johannes Börsig vor Ort unterwegs, um dem Abgeordneten ein Bild von der geplanten Maßnahme und ihren Risiken für die Anwohner, aber auch für das Landschaftsbild Waldulms zu vermitteln.

Erzeugen Sprengungen Risse an Häuserfassaden?

Als direkte Folgen sehen die Anwohner durch die Sprengungen eine starke Erschütterungsgefahr für ihre Häuser. An verschiedenen Gebäuden zeigen sich jetzt schon Risse, die nach Überzeugung der Eigentümer wegen des Auftretens an mehreren Häusern durch Sprengerschütterungen verursacht sind. „Und wenn Sie solche Risse im Haus entdecken und selbst schon erlebt haben, wie bei Sprengungen die Gläser im Schrank tanzen“, berichtete Markus Bürk als einer der Wortführer bei der Begehung, „dann beruhigt Sie auch die Versicherung nicht, dass bei den Sprengungen die erlaubten Erschütterungswerte eingehalten und sogar unterschritten werden.“

Die Anwohner sind sicher, dass Risse in ihren Häusern von den Erschütterungen durch Sprengungen im Steinbruch stammen. | Foto: Berthold Gallinat

Anwohner befürchten Beeinträchtigung der Wohnqualität

Letzteres hatte die Firma auf einer Frühen Öffentlichkeitsbeteiligung am 30. November 2016 in der Alten Schule vermittelt. Die Anwohner sehen durch die Steinbrucherweiterung eine starke Beeinträchtigung ihrer Wohnqualität und auf lange Sicht einen klaren Wertverlust ihrer Häuser.

Steinbruch zu nahe an Wohngebiete?

Was sie überhaupt nicht verstehen können, warum die Regionalplaner in ihrem Umweltbericht generell von 300 Metern Sicherheitsabstand für Steinbruchbetriebe ausgehen, in Waldulm aber davon abweichen. „Wir haben festgestellt, dass im Regionalplan Südlicher Oberrhein 15 Steinbruchbetriebe erfasst sind. In zwei Fällen beträgt der Abstand jeweils 240 und 260 Meter zu einem Einzelgehöft, zu Wohngebieten aber wird der Sicherheitsabstand nirgends unterschritten“, so Gebhard Fischer und fragte, wie dann die geplante Erweiterung bis 100 Meter an das Wohngebiet Pfarrberg heranrücken dürfe.

Zwei unkontrollierte Felsstürze

Neben ihrer privaten Schädigung führen die Petitionssteller auch andere Risiken ins Feld. Durch zwei unkontrollierte Felsstürze 2016 muss aus Sicherheitsgründen ein Teil des Bergrückens abgetragen werden, solche Felsabstürze sehen sie auch in der geplanten Erweiterungsfläche als Gefahr. Ferner drohe durch die geplante, 100 Meter tiefe Abgrabung auf der Bergrückseite, dass Wasserspeicherfähigkeit verloren geht oder dass Wasserfluss gefährdet ist, wenn Klüfte angeschnitten werden.

Werden Bäume absterben?

Zwar sieht die Erweiterungsplanung vor, das typische Landschaftsbild mit den Bäumen auf dem Bergrücken zu erhalten, aber Winzer und Landwirt Theo Künstel ist überzeugt, dass an der schmalsten Stelle des Bergrückens mit sieben Metern Breite die Bäume absterben werden, weil sie nicht genug Wasser aus dem Boden ziehen können. Somit wäre das ganze Landschaftsbild gefährdet.

Anwohner wünschen sich Dialog mit Ossola

Die Verhältnisse und angenommenen Gefahren wurden bei der Ortsbegehung umfassend und sehr sachlich erörtert und es wurde von den Petenten auch nachdrücklich betont, dass es ihnen nicht darum gehe, der Firma Ossola die Zukunft zu nehmen, sondern man wünsche das Gespräch mit Firmenchef Armin Ossola.

Marwein und Hattenbach wünschen Erschütterungsmessungen

Ein gütliches Gespräch erachteten auch Thomas Marwein und Bürgermeister Stefan Hattenbach für notwendig. Die Petenten sahen für dieses Gespräch den Sicherheitsabstand von 300 Metern als Basis und wünschten sich noch aussagekräftigere Erschütterungsmessungen als die bisherigen Punktmessungen.