Präsventionsnetzwerk
Für das Kindeswohl: Georg Benz, Sozialdezernent Ortenaukreis, Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Ullrich Böttinger, Leiter des Präventionsnetzwerks, Klaus Fröhlich-Gildhoff, Professor an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg (von links) sind von ihrem Präventiosprojekt überzeugt. | Foto: Robert Ullmann

Präventionsnetzwerk Ortenau

Nach einer Stunde Sitzen sollen Kinder 30 Minuten toben

Von Robert Ullmann

Rund drei Millionen Euro fließen dank einer Initiative des Ortenaukreises in die Förderung der Gesundheit von Kindern in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen im Ortenaukreis. Das Projekt umfasst neben Themen wie Ernährung und Bewegung auch seelisches Wohl und soziale Teilhabe. Im Vordergrund steht die Prävention. Sie hat dem Projekt auch den Namen gegeben: Präventionsnetzwerk Ortenaukreis.

Höchstens 30 Minuten vor dem Bildschirm

So sollen sechsjährige Kinder nicht länger als 60 Minuten am Stück sitzen und danach 30 Minuten springen, hüpfen, rennen, sich austoben. Üblich seien in der Regel 70 bis 80 Minuten Unterricht, dann zehn Minuten auf dem Hof. Fröhlich-Gildhoff nennt auch andere Beispiele: „Ein sechsjähriges Kind sollte maximal 30 Minuten täglich am Bildschirm verbringen. Dreijährige sollten überhaupt keine Zeit vor dem Bildschirm verbringen.“

Auch die Eltern sollen erreicht werden

Das Präventionsnetzwerk schließt dort an, wo das Projekt „Frühe Hilfen“ endet, erläutert Georg Benz, Sozialdezernent des Ortenaukreises. Die Frühen Hilfen unterstützen Mütter und Kinder von der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr. „Das Präventionsnetzwerk führt das bis zum Ende der Grundschulzeit fort“, sagt Benz. Die Idee dahinter sei, dass man über die Kindertageseinrichtung und Grundschulen auch die Eltern erreiche. Benz: „Die Erzieherinnen und Lehrkräfte werden von den Eltern als fachlich kompetent wahrgenommen.“ Im Gespräch tausche man sich mit den Eltern thematisch aus, zum Vorteil aller Beteiligten und zu Wohl des Kindes.

Immer mehr Kitas und Schulen machen mit

Nach Angaben von Ullrich Böttinger, Psychotherapeut und Amtsleiter am Landratsamt, beteiligen sich aktuell 37 Prozent aller Kindertageseinrichtungen und 20 Prozent aller Schulen im Kreis – Tendenz steigend. Diese Einrichtungen nehmen an Fortbildungen und Qualifizierungen teil. Das Netzwerk für Kindergesundheit werde seit Ende 2014 kreisweit aufgebaut. Von den knapp drei Millionen Euro stammen 2,5 Millionen Euro aus Bundesmitteln. 440 000 Euro kommen aus dem Kreishaushalt. Die Summe verteilt sich auf vier Jahre der Projektdauer. Ein Teil der Summe wird für die wissenschaftliche Begleitung aufgewendet.

Projekt Präventionsnetzwerk bis Oktober 2018

Jetzt wurden Zwischenergebnisse vorgestellt. Die seien vielversprechend, sagt Heidrun Thaiss, Kinderärztin und Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bei den Kindern der teilnehmenden Einrichtungen habe sich die seelische Gesundheit deutlich verbessert. Das Projekt endet am 31. Oktober 2018. Wie Georg Benz und Ullrich Böttinger erklären, suchen die Beteiligten nach einer Basis, um das Projekt fortzusetzen.