Flüchtlingsunterkünfte
Neu geordnet wird die Unterbringung von Flüchtlingen im Kreis. Weil die Zahl der Zuwanderer rapide gesunken ist, werden im Herbst mehrere Standorte aufgelöst. | Foto: Uli Deck

Auflösungen in Achern und Renchen

Kreis will Flüchtlingsunterkünfte schließen

Der Ortenaukreis löst im Herbst mehrere Unterkünfte zur vorläufigen Unterbringung von Flüchtlingen auf. Davon betroffen sind unter anderem die Flüchtlingsunterkünfte in der Acherner Kirchstraße (21 Personen/zum 30. November gekündigt) und in der Renchener Schlossbergstraße (sechs Personen/30. September). Beide Gebäude gehen nach Angaben des Landratsamtes hernach nicht in die Anschlussunterbringung über, werden also nicht wieder mit Flüchtlingen belegt. Grundsätzlich suche der Kreis vor der Auflösung der Unterbringung das Gespräch mit Kommunen und Vermietern, so Gabriele Schindler von der Presseabteilung des Landratsamts, um auszuloten, ob die Gebäude für eine Anschlussunterbringung benötigt werden. Für diese sind die Gemeinden zuständig

Zu viele Flüchtlingsunterkünfte

In einer Pressemitteilung betont das Landratsamt einmal mehr die Hintergründe der Auflösungen, die mit den in den vergangenen Monaten stark sinkenden Flüchtlingszahlen zusammenhingen. Im Juni hatte Landrat Frank Scherer eine neue Unterbringungsstrategie auf den Weg gebracht (wir berichteten). Diese sieht vor, kleine, unwirtschaftliche oder für das Landratsamt organisatorisch schwer zu betreuende Objekte sukzessive aufzugeben. Im Jahr 2016 sollen demnach mehr als 1 000 der aktuell noch rund 5 500 Plätze abgebaut werden.
„Bedingt durch die aktuellen Entwicklungen sehen wir leider keine andere Möglichkeit. Wir können es nicht verantworten, trotz der geringen Auslastung von derzeit 61 Prozent alle Objekte beizubehalten“, so der für Migration zuständige Dezernent Michael Loritz. Wegen der enormen Zuwandererströme habe das Landratsamt in der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres mit Hochdruck neue Kapazitäten der vorläufigen Unterbringung im Ortenaukreis aufbauen müssen. Damals galt es, monatlich bis zu 900 Neuankömmlinge unterzubringen. Da die Zuwandererzahlen seit dem zweiten Quartal 2016 rückläufig seien, sei der Platzbedarf stark zurückgegangen.

Gespräche mit Kommunen und Vermietern

Grundsätzlich geht das Landratsamt bei geplanten Auflösungen so vor, dass es sich zunächst mit der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung und den von den Kündigungen betroffenen Vermietern abstimmt, ob eine Übernahme der Unterkunft für die Anschlussunterbringung der Kommune in Frage kommt. Unmittelbar danach informieren die Mitarbeiter des Migrationsamtes die Zuwanderer selbst sowie die Sprecher der ehrenamtlichen Helferkreise ausführlich über die Schließung und deren Gründe – bevor die Öffentlichkeit in Kenntnis gesetzt wird. Diese Kommunikation findet laut Landratsamt in der Regel mehr als drei Monate vor dem Umzug statt.

Ortswechsel bei Umzug soll vermieden werden

Bei der Wahl des weiteren Unterbringungsstandorts versuche das Landratsamt so weit wie möglich darauf Rücksicht zu nehmen, wenn Zuwanderer bereits in einem Ort entsprechende Bindungen aufgebaut haben, über einen Arbeitsplatz verfügen oder die Kinder dort zur Schule oder in den Kindergarten gehen. Dies sei nicht in allen Fällen möglich, räumt Loritz ein, die Integrationsbemühungen der Menschen seien aber auch im Falle eines Umzuges nicht umsonst. Sie profitierten auch dann von den ihnen vermittelten Kenntnissen und sozialen Kontakten.