Landrat Frank Scherer
Frank Scherer will erneut Landrat des Ortenaukreises werden. CDU und SPD unterstützen ihn. | Foto: Landratsamt Offenburg

Scherer als einziger Kandidat

Landratswahl in Offenburg eher eine Formalie

Es gab schon spannendere Wahlen. Wenn sich Frank Scherer (53)  vor dem Kreistag um eine zweite Amtszeit bewirbt, dann ist das Ergebnis in gewisser Weise vorgezeichnet. Der parteilose Verwaltungsjurist kann nicht nur auf die bereits früh erklärte Unterstützung der Fraktionen von CDU und SPD und damit auf eine solide Mehrheit setzen. Als einziger Kandidat in einem von wenig Aufregung und Spannung begleiteten Bewerbungsverfahren gilt seine Wahl als dem Grunde nach gesichert.

Auf Ausgleich bedacht

Dies umso mehr, als sich Scherer in der vergangenen acht Jahren mit seiner auf Ausgleich bedachten Politik ohnedies mit praktisch allen Fraktionen gut gestellt hat. Einzig bei den Freien Wählern, immerhin zweitgrößte Gruppierung im Offenburger Kreistag, scheinen alte Wunden noch ein wenig zu pochen. Die vor allem von Bürgermeistern dominierte FW-Fraktion war nicht mit an Bord, als vor acht Jahren CDU und SPD gemeinsam die Weichen für einen neuen Landrat stellten und Scherer als Konsenskandidaten präsentierten. Sie hatten danach mit Bürgermeister Jürgen Nowak einen eigenen Bewerber vorgestellt, der freilich beim Urnengang von vorneherein chancenlos war. Und so überraschte es wenig, dass die FW sich auch im Vorfeld dieser Landratswahl eher bedeckt hält.

Vor acht Jahren Wunsch nach Wechsel

Dabei war es wohl eher der Wechsel, den die Fraktionen von CDU und SPD vor acht Jahren wollten, zumindest weit mehr als die Freien Wähler vor den Kopf zu stoßen. Der umtriebige Landrat Klaus Brodbeck, früherer Bürgermeister der Grimmelshausenstadt Renchen, mag dem einen oder anderen Kreisrat in seiner Amtszeit auf die Füße getreten sein. Offenbar wurde dies spätestens mit der so genannten EWM-Spendenaffäre, deren Aufklärung das Landratsamt unter Brodbecks Regie ins Rollen gebracht hatte und die einer ganzen Reihe von Rathauschefs einige unangenehme Momente beschert hatte. Auch wenn dies nie laut ausgesprochen wurde: Die klare Haltung des Landratsamts als Rechtsaufsicht in dieser Angelegenheit und die Reaktionen darauf dürften ihr Scherflein dazu beigetragen haben, dass Brodbeck rechtzeitig vor der Landratswahl 2008 erklärte, sich nun aus dem öffentlichen Dienst zurückziehen zu wollen.

Scherer setzt auf Tourismus

Scherer hat das Vertrauen der Kreisräte in den folgenden Jahren nicht enttäuscht: Er setzte auf Tourismus und Landwirtschaft, baute die Verwaltung im Landratsamt mit ruhiger Hand um und setzte auf eine sinkende Kreisumlage, was im von Bürgermeistern dominierten Kreistag natürlich auf breite Zustimmung stieß. Ausgleich und Beständigkeit standen im Mittelpunkt seiner Amtsführung, beim Setzen von Kontrapunkten hielt er sich lange Zeit zurück, auch wenn sich im vierten Stock des Landratsamts wohl nicht nur eitel Sonnenschein geherrscht haben dürfte – der Eurodistrikt zum Beispiel kam auch unter Präsident Frank Scherer nicht vom Fleck.

Thema Flüchtlinge änderte alles

Im vergangenen Sommer dann sollte sich alles ändern: Die Zuwanderung tausender Menschen in den Ortenaukreis stellte Kreisverwaltung, Politik und Kommunen vor gigantische Herausforderungen. Der Ortenaukreis hat hier seine Hausaufgaben inzwischen gemacht. Unvergessen bleibt aber Scherers Brandrede vom Juli 2015, als er vernehmliches Murren des Kreistags mit seiner Forderung in Kauf nahm, in der Flüchtlingspolitik aktiver zu werden als bislang.

Zehn-Punkte-Plan vorgelegt

Als der Landrat einige Monate später seinen präzisierten Zehn-Punkte-Plan nachschob, war im Angesicht voller Übergangswohnheime das Murren verstummt. Schon jetzt ist klar: Auch in den kommenden Jahren wird das Thema Flüchtlinge für den neuen Landrat des Ortenaukreises eine, wenn nicht die zentrale Rolle spielen.

Der Kreistag tritt an diesem Dienstag, 27. September, um 16 Uhr im Großen Sitzungssaal des Landratsamts zur Wahl des Landrats zusammen. 20 Minuten hat Scherer Zeit, sich vorzustellen, dann wird zur (geheimen) Wahl geschritten. Die Verpflichtung des Landrats durch Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer ist im Anschluss geplant. 87 wahlberechtigte Kreisräte verteilen sich heute auf folgende Fraktionen: CDU (36), Freie Wähler (18), SPD (15), Grüne (9) und FDP (5). Hinzu kommen Vertreter der Linken (2), der AfD und der Ortenauer Liste (je 1).
Zwei große Fraktionen haben sich im Februar und April, öffentlich für eine zweite Amtszeit Scherers ausgesprochen: CDU und SPD. Beide Fraktionen haben beteuert, dass sie die erneute Kandidatur des Amtsinhabers einstimmig begrüßen. Sie bringen es auf zusammen 51 Stimmen, was der absoluten Mehrheit entspräche.