LHKW Kronengasse Achern
Aufwendige Sanierung: Auch in Achern hatte in der Kronengasse eine Chemische Reinigung ihre Spuren hinterlassen. Die Sanierung von Boden und Grundwasser (hier ein Bild von 2004) zog sich über viele Jahre hin. | Foto: Schattat (Archiv)

LHKW in Rheinau

Schadstofffahne wirft viele Fragen auf

Von Karen Christeleit

Das Grundwasser im Rheinauer Stadtteil Rheinbischofsheim ist verunreinigt. Nachdem Ortsvorsteher Robert Reifschneider in einer Ortschaftsratsitzung darüber aufgeklärt hatte, wünschen sich die Bürger weiterer Informationen zu dem Fall. Auf BNN-Anfrage machte das Landratsamt des Ortenaukreises die Dringlichkeit der Angelegenheit deutlich: „Von der Benutzung des verunreinigten Grundwassers ist prinzipiell, unabhängig vom Zweck der Nutzung, derzeit abzuraten“. Das durch leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) verseuchte Grundwasser in Rheinbischofsheim solle baldmöglichst gereinigt werden, heißt es weiter.

Reinigung nutzte LHKW als Lösungsmittel

Wie viele andere chemische Reinigungen hatte auch die Reinigung in der Rheinbischofsheimer Hauptstraße seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts mutmaßlich wassergefährdende Stoffe wie Waschbenzine und LHKW als Lösungsmittel verwendet. Dabei könnten die Mittel in den Boden gelangt sein. „Konkrete Erkenntnisse, warum es zu Verunreinigungen des Grundstückes gekommen ist, liegen uns nicht vor“, sagt Bernhard Vetter, Amtsleiter für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Landratsamt. Bereits im Jahr 2007 wurde im Rahmen der Altlastenbearbeitung auf dem Grundstück der ehemaligen chemischen Reinigung festgestellt, dass der bodenschutzrechtliche Grenzwert für LHKW überschritten war. „Im Schadensherd wurde damals eine LHKW-Konzentration von 5 153 Mikrogramm pro Liter und an der Referenzmessstelle, die 40 Meter im Abstrom liegt, eine LHKW-Konzentration von 206 Mikrogram pro Liter festgestellt“, so der Experte, „da der bodenschutzrechtliche Grenzwert für LHKW in Summe von zehn Mikrogramm pro Liter überschritten war, bestand für das Grundstück Sanierungsbedarf.“ Schon damals wurde mit der Konzeption der Sanierungsmaßnahme begonnen, doch letztlich passiert ist seitdem nichts. Bei der erneuten Beprobung im August 2016 ergaben sich zu den Vorjahren keine bewertungsrelevanten Veränderungen. Die LHKW-Konzentrationen waren weiterhin sehr hoch – in der vorgenannten Referenzmessstelle betrugen die LHKW-Messwerte 268 und 257 Mikrogramm pro Liter, in unmittelbarer Nähe des Schadensherdes 4 000 Mikrogramm.

Fahne ist 250 Meter lang und 150 Meter breit

„Auf Grund der Untersuchungsergebnisse der Brunnenbeprobungen ist aktuell von einer LHKW-Fahne mit einer Länge von ungefähr 250 Meter und einer Breite von 150 Meter auszugehen“, so Vetter. Damit wäre das Areal westlich der Hauptstraße zwischen Altrhein- und Weiherstraße betroffen. Eine direkte Gefährdung besteht aber laut der Behörde nicht. „Brunnennutzer haben keinen Anspruch auf eine bestimmte Qualität des Grundwassers, lediglich das Wasser aus der öffentlichen Wasserversorgung oder Wasser aus nach der Trinkwasserverordnung kontrollierten Anlagen kann bedenkenlos verwendet werden“, so die Antwort des Landratsamtes. Es werde aber „von einer Benutzung des Grundwassers innerhalb der LHKW-Fahne abgeraten.“

Stichproben finden keine LHKW in Obst und Gemüse

Dies bestätigte auch Anita Dinger, Leiterin des Amts für Umweltschutz, obwohl in „einer aktuellen von der Stadt Rheinau beauftragten stichprobenweisen Beprobung von Obst und Gemüse keine LHKW nachgewiesen werden konnten.“ Durch diese aktuellen Messergebnisse sei der Sanierungsbedarf bestätigt. Primäres Ziel sei, so Vetter, mit der hydraulischen Sicherung baldmöglichst zu beginnen, um ein weiteres Abströmen von LHKW-belastetem Grundwasser aus dem Schadensherd zu verhindern.
Dabei soll das belastete Grundwasser gefördert und gereinigt werden. Doch zuvor muss geklärt sein, wer die immensen Kosten übernehmen wird. Die Sanierungskosten werden in den meisten Fällen dem Verursacher auferlegt, doch in dem vorliegendem Fall ist eine Inanspruchnahme des Verursachers nicht mehr möglich. „Die Sanierungskosten dieser schädlichen Bodenveränderung müssen deshalb vom Grundstückseigentümer bis zur Höhe des Verkehrswertes des Grundstücks getragen werden“, so Vetter, „die Frage, ob die den Verkehrswert übersteigenden erheblichen Kosten vom Land Baden-Württemberg übernommen werden, wird derzeit abschließend geprüft, erst danach kann mit der Sanierung begonnen werden.“

Die Schadstoffe LHKW sind Abkömmlinge von Methan, Ethan und Ethen, bei denen die Wasserstoffatome durch Halogenatome wie Fluor und Chlor ersetzt sind. Sie fanden und finden noch heute Verwendung als Kältemittel und Treibgas sowie als Lösungs-, Reinigungs- und Extraktionsmittel. Sie verdunsteten in der Atmosphäre und belasten heute vielerorts den Boden und stellen so ein starkes Gefährdungspotential für das Grundwasser dar. Sie gelten als Bedrohung für die und als beim Menschen krebserregend.