Hagelflieger
Startklar ins Unwetter: Mit speziellen Generatoren und Silberjodid ausgestattet, „impft“ Pilot Frank Kasparek Gewitterwolken. Der chemische Stoff soll verhindern, dass sich große Hagelkörner bilden. | Foto: BNN

Hagelabwehr Ortenau

„Wo wir geflogen sind, gab es keine Schäden“

Die beiden Hagelflieger der Hagelabwehr Ortenau sind im klimatisch schwierigen Jahr 2016 an zwölf Tagen zu 14 Flügen aufgestiegen. Neunmal wurden die Gewitterwolken insgesamt 19 Stunden behandelt und damit nach eigenen Angaben Schäden an Kulturen und Vermögenswerten abgewendet, teilt der Verein mit. Derzeit werde an einer Weiterentwicklung der Technik mit pyrotechnischen Fackeln gearbeitet. Sie sollen den Wirkungsbereich erweitern.

Gewitter „ploppten“ plötzlich auf

„Die Einsätze haben sich auf das erste Halbjahr konzentriert“, skizzierte der Vorsitzende Franz Benz die schwierige Wetterlage mit plötzlich „aufploppenden“ Gewittern. Diese seien so schnell gekommen, dass es häufig schwierig gewesen sei, diese zu behandeln. Außergewöhnlich dabei war, dass die Unwetter von Osten über den Schwarzwald aufzogen und vor allem in der mittleren Ortenau auftraten, während im Süden des Ortenaukreises und im Großraum Karlsruhe gar keine Einsätze zu fliegen waren.

Wetter ab August ruhiger

Eindeutig sei gewesen, dass die Schneisen, die geimpft worden waren, keine Schäden aufwiesen, heißt es weiter. Die Qualität der Einsätze konnte verbessert werden, da das Wetter-Modul weiter entwickelt wurde und noch genauere Wetterdaten lieferte. Die ausgeprägte Wettersituation dauerte von April bis Juli. Ab August zeigte sich eine sehr ruhige Wetterlage. Zu Flügen kam es gar nicht mehr.

Runder Tisch im Landratsamt Offenburg

Benz lobte die Zusammenarbeit mit den Flugsicherungen in Karlsruhe und Straßburg. Weiter berichtete der Vorsitzende von einer Infoveranstaltung mit der Staatssekretärin im Ministerium für ländlichen Raum, Friedlinde Gurr-Hirsch, und dem Runden Tisch in Backnang, an dem alle Mitglieder der Hagelabwehr in Baden-Württemberg regelmäßig zu einem Erfahrungsaustausch zusammen kommen. Der nächste Runde Tisch findet am 13. November im Sitzungssaal des Landratsamtes in Offenburg statt.

Wir helfen gerne unterstützende

Der Vorsitzende betonte, dass die Hagelabwehr Ortenau das jetzige Gebiet stabilisieren möchte. Der Verein hege keine Ambitionen, für eine Hagelabwehr Südbaden im Bereich Kaiserstuhl, Tuniberg und Markgrafschaft tätig zu werden. „Wir helfen gerne unterstützend mit unserem Know-how und Vorträgen.“ Finanzen und Organisation müssten indes vor Ort aufgestellt werden.

Extremes Wetter vor allem im Süden

Auch Frank Kasparek von der beauftragten Flugfirma berichtete von der „sehr komplexen Wettersituation“ und attestierte: „Wo wir geflogen sind, gab es keinen Hagel.“ Neue Ansätze zum Thema Hagelabwehr verspricht sich der Pilot von neuen Erkenntnissen der Wissenschaft. Hierzu wird Kasparek Ende April einen Kongress in Wien besuchen. „Die extremen Wettersituationen werden vor allem bei uns im Süden vermehrt auftreten.“

Verein wirbt um neue Mitglieder

Mit einem Flyer will die Hagelabwehr Ortenau weiter um neue Mitglieder vor allem im gewerblich-industriellen Bereich werben. „Wir wollen ein breiteres gesellschaftliches Fundament“, betonte Geschäftsführer Manfred Bannwarth. Bislang sind zwei Baumschulen, zwei Firmen, zwölf Winzergenossenschaften, der Obstgroßmarkt Mittelbaden, die Tabakpflanzer, der Christbaumverband sowie 25 Weingüter und zwei Landwirte Mitglieder im Verein.

Ein Leuchtturmprojekt

„Wir sind ganz stolz auf unser Kind“, resümierte auch Martin Schreiner, Dezernent Ländlicher Raum beim Ortenaukreis. Benz habe das Projekt implementiert, das der Kreis dann begleiten durfte. „Ein Leuchtturmprojekt, das heute parallel zur großen Breitbandinitiative gesehen wird.“ Die ganze Ortenau unter Hagelnetze zu legen wäre auch touristisch nicht sinnvoll gewesen, attestierte Schreiner der Hagelabwehr „vorausschauendes Handeln“.

Basis der Hagelabwehr am Baden Airpark

„Wir sind froh und stolz, dass wir dieser guten Sache dienen können“, betonte Professor Edgar Bohn, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Badischen Gemeinde-Versicherungs-Verbands als neues Mitglied der Hagelabwehr. Der Regionalversicherer sehe seine Interessen im erweiterten Schutzgebiet zur Abwendung von Risiken gerade im Bereich von Schäden an Autos im Stadtgebiet von Karlsruhe gewahrt. Alle Beteiligten wünschten den Fliegern allzeit guten Flug und gute Rückkehr zur Basis am Baden Airpark.