Flüchtlingswohnheim
In Achern soll in wenigen Wochen ein Wohnheim für 16 junge Menschen entstehen. Betrieben wird es von einem Träger der freien Jugendhilfe. | Foto: Warmuth

Heim in Achern fast fertig

Wohnheim für minderjährige Flüchtlinge entsteht

In Achern sind derzeit 357 Flüchtlinge in elf Wohnheimen des Kreises und der Stadt untergebracht. Es ist noch Luft nach oben: Nimmt man das unmittelbar vor der Fertigstellung stehende Wohnheim am Alten Bahnhof hinzu, ist in der Hornisgrindestadt Platz für knapp 500 Migranten. Damit sei man bei der vom Kreis vorgegebenen Quote „gerade so im grünen Bereich“. Dies sagte gestern Oberbürgermeister Klaus Muttach bei der Vorstellung eines neuen Projekts der Flüchtlingshilfe. Dieses wendet sich an junge Migranten, die ohne Begleitung Erwachsener nach Deutschland gekommen sind. Für diese Menschen, die zur Zeit vereinzelt in Pflegefamilien, überwiegend aber in Wohnheimen leben, soll in Achern ein spezialisiertes Angebot eingerichtet werden. Der Ortenaukreis beauftragt damit den Internationalen Bund (IB), einen so genannten Freien Träger der Jugendhilfe. Im ehemaligen Gebäude der Sozialen Dienste in der Acherner Friedrichstraße werden dazu 16 Wohnheimplätze eingerichtet. Die erste von zwei Gruppen soll nach Umbauarbeiten bereits in wenigen Wochen einziehen, wie Vertreter des Ortenaukreises und des IB gestern erläuterten.

Jugendamt war mit Betreuung überfordert

Die unbegleiteten minderjährigen Ausländer stellen die Kommunen vor erhebliche Herausforderungen: Zu Anfang der Flüchtlingswelle, weil sie in so großer Zahl im Ortenaukreis ankamen, dass das Jugendamt mit ihrer Betreuung schlicht überfordert war. Und auch jetzt noch wird ein erheblicher Personalaufwand betrieben: Jede der beiden achtköpfigen Gruppen wird von vier Betreuern begleitet. Nimmt man Hausmeister, Hauswirtschafter und Verwaltung hinzu, so werden unter dem Strich in dem neuen Wohnheim fast zwölf Vollzeitstellen erforderlich. Das kostet Geld: Man rechne pro Jugendlichen mit einem monatlichen Aufwand zwischen 3 000 und 5 000 Euro, sagte gestern Heiko Faller vom Jugendamt beim Landratsamt in Offenburg. Diese und sich anschließende Förderungen würden nicht selten bis zum 21. Lebensjahr erforderlich: „Wir müssen gewisse Standards einhalten“.

Wohnheim
Fast fertig: Ein privater Investor baut die neue Sammelunterkunft des Kreises am Alten Bahnhof in Achern. 90 Menschen können hier wohnen. | Foto: Löhnig

Auf der anderen Seite profitiere die Gesellschaft, weil die Jugendlichen mit einer guten Ausbildung auch dazu beitragen würden, den Nachwuchsmangel in der Wirtschaft abzumildern. Faller geht davon aus, dass die in Achern untergebrachten Jugendlichen auch hier bleiben werden. Das ist keineswegs selbstverständlich: Anfangs verschwanden acht von zehn jungen Flüchtlingen nach wenigen Tagen wieder spurlos, inzwischen liege diese Quote bei 60 bis 70 Prozent. „Das sind die Jugendlichen, die ein ganz anderes Ziel haben“. Viele ziehe es eher in die großen Städte. In Achern sollen nur solche Jugendlichen leben, die voraussichtlich bleiben werden „weil sie bereits seit geraumer Zeit geblieben sind“. Untergebracht werden die jungen Menschen im ehemaligen Gebäude der sozialen Dienste, das einst der Stadt gehörte und nach dem Umzug der Kreiseinrichtung in die Illenau an einen privaten Investor verkauft wurde. Eigentümer Uwe Zehe kündigte gestern an, nun umgehend mit dem Umbau des Gebäudes zu beginnen. Da keine sonderlich umfangreichen Arbeiten notwendig seien, könne bereits in wenigen Wochen die erste Gruppe einziehen.

Jugendliche bekommen Rundum-Betreuung im Wohnheim

Betrieben wird die Unterkunft vom Internationalen Bund (IB) mit Hauptsitz in Frankfurt. Dieser ist eigenen Angaben zufolge freier Träger der Jugend- Sozial- und Bildungsarbeit und mit nahezu 14 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer der größten Dienstleister dieser Art in Deutschland. Man unterstütze Menschen „unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Weltanschauung dabei, ein selbstverantwortliches Leben zu führen“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. In Achern werde es eine Rundum-Betreuung der Jugendlichen geben, kündigte gestern IB-Bereichsleiterin Elke Baumgartner an.

Etwa 415 Schlafplätze gibt es in den Gemeinschaftsunterkünften des Kreises in Achern. Dabei sind die 90 Betten in der fast fertigen Unterkunft am Alten Bahnhof mitgezählt. Die Containersiedlung in der Güterhallenstraße hat 176 Plätze (164 belegt), in den ehemaligen Finanzamtsgebäuden in der Hornisgrindestraße und Allerheiligenstraße gibt es rund 100 Plätze. 55 Menschen leben in Achern schon in der Anschlussunterbringung, davon 26 in Mösbach an insgesamt vier Standorten und elf in Oberachern. Die Kapazität liegt bei 69 Betten, muss aber ausgebaut werden. Immer mehr Asylbewerber werden von dem Gemeinschaftsunterkünften in die Anschlussunterbringung bei den Kommunen verlegt werden.