Seit 1972 im Bundestag: Ein weiteres Mal nominierte die CDU im Wahlkreis Offenburg Wolfgang Schäuble zum Bundestagskandidaten. | Foto: Christine Storck

Seit 1972 im Bundestag

Wolfgang Schäuble will’s nochmal wissen

Von Christine Storck

Mit der überwältigendern Mehrheit von 99,1 Prozent der Stimmen hat die Ortenauer CDU Wolfgang Schäuble ein weiteres Mal als Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Offenburg nominiert. Der 74-Jährige zeigte sich trotz jahrzehntelanger Politiktätigkeit bewegt und schwor die Mitgliederversammlung in Kehl-Neumühl bei seiner Rede vor allem auf europäische Themen und den anstehenden Wahlkampf ein.

110 von 111 Stimmen

Der in Offenburg lebenden Schäuble war der einzige Kandidat. Von 111 abgegebenen gültigen Stimmen konnte er 110 für sich verbuchen. Für die Bundestagswahl 2013 war er mit 95,5 Prozent der Stimmen gewählt worden. Er vertritt den Wahlkreis bereits seit 1972 im Bundestag und ist damit in der Geschichte der Bundesrepublik der am längsten amtierende Abgeordnete, sagte CDU-Kreisvorstand Volker Schebesta.

Lange überlegt

Mitte September hatte Schäuble angekündigt, bei der Wahl 2017 noch einmal anzutreten. Im Vorfeld habe er lange überlegt, ob er noch einmal kandidieren sollte, bekannte Schäuble am Freitagabend. Er wolle sein Bestes geben, brauche dabei aber die Unterstützung seiner Parteifreunde.

„Wir müssen Europa stärker machen“

„Mein Name ist Wolfgang Schäuble, ich bin 74 Jahre alt, habe vier erwachsene Kinder und bin seit 1972 Mitglied des Bundestages…“. So ganz wollte der Bundesfinanzminister nicht auf die Regularien einer solchen Wahl verzichten, die unter anderem die Vorstellung des Kandidaten vorsieht. Aber viel mehr als an den weithin bekannten Fakten zu seiner Person waren die CDU-Mitglieder bei ihrer Nominierungsveranstaltung in der Mehrzweckhalle Kehl-Neumühl daran interessiert, was Schäuble zur aktuellen Politik zu sagen hatte. „Wir müssen Europa stärker und handlungsfähiger machen“, betonte der Finanzminister in seiner Rede.

„Alle schauen auf uns“

Überall sei negative Stimmung zu spüren, aber die gemeinsame Arbeit für die EU sei unerlässlich. „Allein wären wir in der globalisierten Welt niemals in der Lage, unsere Interessen zu verfolgen“, warnte er. „Alle schauen auf uns, auch wenn wir es nicht allein regeln können.“ Der Euro sei nur dann stabil, wenn alle sich an Regeln halten. Er sei zum Beispiel nicht bereit, Griechenland weiter ohne strenge Auflagen finanziell zu unterstützen.

„Es wird für alle eine Bewährungsprobe sein“

Die Lage sei nicht mehr so einfach – bewährte demokratische Strukturen seien fragiler geworden. Und dann komme noch die Flüchtlingsbewegung hinzu. Das werde sich im Wahlkampf bemerkbar machen. „Es wird für alle eine Bewährungsprobe sein“, ist sich Wolfgang Schäuble sicher. In Sachen Zuwanderung hat er klare Vorstellungen: Man müsse die Möglichkeit haben zu entscheiden, wer und wie viele hierbleiben können. Und auch konsequenter abschieben, nicht immer nur darüber reden. Zudem müsste Schlepperbanden konsequent das Handwerk gelegt werden. „Das ist ein internationales Großgeschäft“, sagte er.

Keine neuen Schulden gemacht

Den Wahlkampf in den USA wollte Schäuble indes nicht kommentieren. „Ich hoffe, dass wir das so nächstes Jahr nicht machen“, meinte er mit Blick auf die Bundestagswahl im September 2017. Er wies aber auch auf die Errungenschaften der vergangenen vier Jahre hin. Deutschland habe in dieser Legislaturperiode keine neuen Schulden gemacht und trotz eines schwierigen Umfelds eine ordentliche wirtschaftliche Entwicklung hingelegt. Es sei vieles auf den Weg gebracht worden, zum Beispiel seien die Ausgaben für Bildung und Forschung seit 2005 regelmäßig erhöht worden. Die Mittel für die Infrastruktur des Bundes seien um mehr als 25 Prozent gestiegen. „Das ist angesichts der vielen Klagen nicht so schlecht“, kommentierte Schäuble.

Klares Bekenntnis zur Kanzlerin

Für den Wahlkampf wünsche er sich, das CDU-Profil klar, streitig, seriös und anständig vorzutragen. Ein klares Bekenntnis gab der Nominierte auch zur Kanzlerin ab: „Entweder wir gewinnen die Wahl mit Angela Merkel oder wir verlieren sie.“