Aus dem Reich der Mitte in die Seelsorgeeinheit Achern: Schwester Xaveria arbeitet hier als Gemeindereferentin.
Aus dem Reich der Mitte in die Seelsorgeeinheit Achern: Schwester Xaveria arbeitet hier als Gemeindereferentin. | Foto: Roland Spether

Lijun Wang

Acherner Gemeindereferentin kommt aus China

Von Roland Spether
„Im Kommunismus gibt es keinen Gott. Deshalb wurde in der Schule nicht von Gott gesprochen, und Christen hatten einen Stempel im Pass“. Lijun Wang aus Xiaobajia in China sprach aber doch über Gott, denn sie wurde getauft, lebte unter Christen und trat in ihrem Heimatland in eine Ordensgemeinschaft ein. Nun lebt Lijun Wang als Schwester Xaveria in Achern, absolviert in der Seelsorgeeinheit ein Anerkennungsjahr als Gemeindereferentin und darf hier sehr wohl über Gott sprechen, wenn sie etwa in der Wagshurster Grundschule Religionsunterricht erteilt oder Gottesdienste vorbereitet.

Anders als hier in Deutschland

„Offiziell gibt es in China Religionsfreiheit, aber sie ist anders als hier in Deutschland“, berichtet Schwester Xaveria, die 1968 in einem kleinen Dorf mit einer christlichen Gemeinde geboren wurde. Es war die Zeit, als der „Große Vorsitzende“ Mao Zedong die proletarische Kulturrevolution über das Land hinweg fegen ließ, Millionen von Menschen ums Leben kamen und mit der Parole „Die Liebe zu Mutter und Vater gleicht nicht der Liebe zu Mao Zedong“ sogar Kinder aufgefordert wurden, ihre Eltern als „Konterrevolutionäre“ zu denunzieren.

Alle Priester kamen in Arbeitslager

Das sei eine schlimme Zeit gewesen, in der Menschen verhungerten und unzählige getötet wurden. „Alle Priester kamen in Arbeitslager und wurden erst in den 80er Jahren wieder frei gelassen“.
In dem Dorf von Lijun Wang in der Mandschurei waren Schwestern von der Gemeinschaft der „Heiligen Familie“ tätig, die mit den Menschen lebten und die Kinder im christlichen Glauben unterrichteten. „Wir haben christliche Lieder gesungen und in Katechesen von den Schwestern viel über den Glauben erfahren“, berichtete sie. Täglich seien nach der Schule mehr als 200 Kinder zu den Schwestern gekommen, die auch die junge Lijun Wang begeisterten. Mehr und mehr reifte bei ihr der Entschluss: „So ein sinnvolles Leben könnte ich mir auch vorstellen“.

Für die Reise nach Deutschland ausgewählt

Mit 22 Jahren trat sie in die Ordensgemeinschaft ein, legte dann nach den zeitlichen das ewige Gelübde ab und entschied sich ganz dafür, Gott und den Menschen zu dienen. Sie erwarb ein Grundwissen an Theologie und Bibelkunde und da ihre Ordensgemeinschaft weltoffen war und Erfahrungen sammeln wollte, schickte sie Schwester Xaveria im Jahr 2000 nach Deutschland. „Die Schwestern wollten einen anderen Blickwinkel bekommen und sehen, wie in Europa Ordensleben, Christentum und Glaube gelebt werden“. Für die Reise nach Deutschland wurde Schwester Xaveria auserwählt. In Münster absolvierte sie einen Sprachkurs. Vom China-Zentrum der Steyler Missionare erhielt sie viel Unterstützung, denn die Missionare kamen bereits Ende des 19. Jahrhunderts in das „Reich der Mitte“ und verkündeten dort den christlichen Glauben. Von 2002 bis 2006 studierte Schwester Xaveria in Freiburg und wurde Gemeindereferentin, bevor sie wieder nach China zu ihrer Ordensgemeinschaft zurückkehrte und zu höherem berufen wurde. Denn sie wurde zweimal zur Oberin gewählt und leitete acht Jahre die Gemeinschaft mit 83 Schwestern. Dann legte sie ein „Sabbat-Jahr“ ein und Ende 2015 reiste sie wieder nach Deutschland. „Ich habe hier ein Stück Heimat gefunden“, so die Gemeindereferentin, die sich bei der Erzdiözese Freiburg bewarb und eine Zusage für die pastorale und religionspädagogische Arbeit bekam

„Die Leute leben hier wie im Paradies“

Ihr Mentor in Achern ist Gemeindereferent Raimund Stockinger, sie wohnt im Wohnheim des Ortenau Klinikums Achern und der Schwerpunkt ihres Tuns in der Seelsorgeeinheit liegt in Bereichen wie Hospitation im Religionsunterricht, Vorbereitung von Gottesdiensten und geistliche Begleitung. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit engagierten Gläubigen“, so die Ordensfrau, die von ihrem ersten Deutschlandbesuch bis jetzt eine Veränderung spürte. „Die Leute leben hier wie im Paradies, da brauchen sie scheinbar keinen Gott“.