Nützlich und farbenfroh: Designerin Dagmar Ruf gestaltet hübsche Gebrauchsgegenstände aus Filz. Der Schwerpunkt ihrer Produkte liegt auf Etuis für Smartphones, Tablets und Co.
Nützlich und farbenfroh: Designerin Dagmar Ruf gestaltet hübsche Gebrauchsgegenstände aus Filz. Der Schwerpunkt ihrer Produkte liegt auf Etuis für Smartphones, Tablets und Co. | Foto: Sandbiller

Handgemacht in Karlsruhe

Alles aus Filz

Vom originellen Schuh bis zur handgemachten Tasche: In Karlsruhe leben und arbeiten viele begabte Menschen, die Individuelles und Handgemachtes herstellen und so einen Kontrastpunkt zur Massenproduktion schaffen. Dagmar Ruf ist einer der kreativen Köpfe. Sie arbeitet mit Filz.

Schöne Alltagsdinge aus Filz

Das große Schaufenster des alten Ladenlokals in der Rüppurrer Straße verlockt zum Schauen und Staunen. Und während die Augen durch die Reihen mit farbenfrohen, schönen Alltagsdingen und Designobjekten wandern, kann es passieren, dass sie plötzlich an einem schwarzen Fellknäuel hängen bleiben. Und der Fellknäuel äugt neugierig zurück. Kenij, der kleine Yorkshire-Mischling, lässt sich gerne im Schaufenster nieder, während seine Besitzerin Dagmar Ruf hinten im Laden an der Nähmaschine sitzt und ihre „Wohnstücke“ gestaltet.

Dagmar Ruf produziert in der Südstadt

„Wohnstück“ heißt auch Dagmar Rufs Label, unter dem die Karlsruherin in der Südstadt dekorative Gebrauchsgegenstände und Accessoires designt und produziert. Boxen für Kosmetiktücher, Schlüsselanhänger, Untersetzer, Mousepads (rund oder rechteckig mit abgerundeten Ecken und einer Filzrolle als ergonomische Handgelenkstütze), Etuis für Smartphones, Tablets und Laptops, Geldbörsen… alles handgemacht, alles aus Wollfilz. Praktische Dinge, die den Alltag schöner machen. Und bunter. Hier leuchtet es nämlich an allen Ecken und Enden. Quietschgelb und grasgrün, smaragd und knallorange, pink und purpurfarben – den Industriefilz, den sie von einem Unternehmen in Franken bezieht, hat sie in zwölf Farben vorrätig. Natürlich auch in Braun, Grau und Schwarz – für alle, die klassische, gedeckte Farben bevorzugen. „Männer sind bei der Auswahl eher pragmatisch, aber viele Frauen mögen es gerne schrill und bunt“, sagt die 44-jährige Designerin.

Design nach Kundenwunsch

Wer bei der Auswahl in ihrem Laden, das ebenfalls den Namen „Wohnstück“ trägt, nicht fündig wird, kann sich beispielsweise sein Laptop-Etui oder Mousepad nach eigenen Wünschen individuell zusammenstellen – von der Farbe des Filzes bis zum Aufdruckmotiv in Wunschfarbe.
Mit Design und Gestaltung hatte sich die gebürtige Südstädterin schon in ihrem Architekturstudium an der Karlsruher Hochschule auseinandergesetzt. Den Abschluss in der Tasche zog es sie im Jahr 2000 nach Berlin. „Ich dachte damals, ich muss erst mal weg aus Karlsruhe“, erzählt sie und fügt lachend hinzu, „und ich wollte nach meinem Talent suchen“. Das fand sie schließlich in einem Berliner Designladen für Wohnaccessoires, in dem sie jobbte. Inspiriert von den Produkten um sie herum, fing sie an Produkte zu designen. „Schon während des Studiums hat mir das Entwerfen am meisten Spaß gemacht“, sagt sie und erinnert sich noch sehr gut an ihren ersten Entwurf: ein Papierkorb aus Luftpolsterfolie. Damit zog sie von Laden zu Laden durch Berlin. Mit nachhaltigem Erfolg. Ein Ladeninhaber ordert 100 dieser ungewöhnlichen Papierkörbe, die Dagmar Ruf in ihrem kleinen WG-Zimmer herstellt.

Filz ist ein natürliches und warmes Material“

Bald schon entdeckt sie ihre Liebe zum Filz, und zwar zum Wollfilz, nicht dem billig hergestellten Polyesterfilz („das ist Plastik, das nur die Optik von Filz nachahmt“). Echter Wollfilz ist für sie das schönste Material – „natürlich und warm, mit weicher Oberfläche und natürlicher Haptik“. Ein Stoff, der Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt.

Der Laden als zweites Standbein

Nach zwei Jahren Berliner Großstadtluft zieht es Dagmar Ruf zu ihrer Familie zurück nach Karlsruhe. In der ehemaligen Werkstatt des Familien-Glaserbetriebs richtet sie sich ihre Nähwerkstatt ein. Ihre Produkte vertreibt sie zunächst über das Internet. 2009 eröffnet sie als zweites Standbein den Laden in der Rüppurrer Straße – damals noch mit einer Kollegin, die sich auf Schriftgestaltung spezialisiert hat. Seit 2014 teilt sich Dagmar Ruf den Laden mit den Designerinnen Marina Eggen und Claudia Kappenberger, die unter ihrem Label „Family Tree Shop Karlsruhe“ Möbel und Accessoires vertreiben.
Dagmar Ruf weiß, dass viele Einzelhändler über den Onlinehandel klagen. Für sie, die individualisierte Produkte herstellt, sei er aber eine große Chance und ein wichtiges Standbein. „Gerade kleine, besondere Läden haben so gute Möglichkeiten, an ein großes Publikum zu kommen“, sagt die 44-Jährige. Die Designerin kennt auch Durststrecken. Trotzdem hat sie den Weg, den sie in Berlin eingeschlagen hat, nie bereut. Ob sie sich vorstellen könnte, in einem Architekturbüro… ? Dagmar Ruf überlegt kurz und strahlt glücklich über das ganze Gesicht: „Neee…“

Mehr über „Wohnstück“ von Dagmar Ruf erfahren Sie hier.