„Der Arzt ist gut, das Krankenhaus nicht.“ Für Petra Herrmann steht fest, dass sie sich künftig nicht mehr im Pforzheimer Helios-Klinikum behandeln lassen will. | Foto: Ehmann

„Da geh‘ ich nicht mehr hin“

Am Pforzheimer Helios-Klinikum: OP-Vorbereitung auf dem Besucher-WC

„Da geh’ ich nicht mehr hin.“ Stundenlang auf dem Gang sitzen, das Flügelhemd im Besucher-WC überstreifen, das Pflegepersonal „unfreundlich und gestresst“, die „Hygiene zweifelhaft“: für Petra Herrmann war die Operation vergangene Woche der letzte Eingriff, den sie in der Pforzheimer Helios-Klinik durchführen ließ. „Wenn der Arzt nicht so gut wäre, hätte ich mir die Nierensteine schon dieses Mal woanders rausmachen lassen.“

Helios-Klinik räumt Versäumnisse ein

Auf Nachfrage des Pforzheimer Kurier räumte das Helios-Klinikum Versäumnisse ein. Überbelegungen seien zwar nicht immer auszuschließen, so die Klinik, man bedauere aber, dass dies bei dieser Patientin offenbar an allen drei Operationsterminen der Fall war.
Mit starken Schmerzen wurde Petra Herrmann an einem Samstag im November in die Notaufnahme des Helios-Klinikums gebracht. „Es ist Samstag, da ist nur ein Arzt da“, habe man ihr gesagt, als sie sechs Stunden später per Ultraschall untersucht „und dann ganz schnell operiert“ wurde.

„So richtig hygienisch ist das ja nicht“

Zur Nachfolgeoperation, einige Tage später, war sie früh morgens um 7.30 Uhr bestellt. „Ich kam nüchtern, ohne Frühstück, ohne etwas getrunken zu haben.“ Was sie dann erlebte, hatte sie bis dahin selbst nicht für möglich gehalten. „Wir saßen zu dritt auf dem Gang, alle hatten einen Operationstermin für 7.30 Uhr und für keinen gab es ein Zimmer.“
Sie zogen das Flügelhemd auf dem Besucher-Klo an, einer nach dem anderen, und warteten anschließend in Betten auf dem Gang. „So richtig hygienisch ist das ja nicht“, sagt Herrmann. Sie wartete bis kurz vor 15 Uhr. „Ich hatte Hunger und Durst.“

Flügelhemd auf dem Klo angezogen

Schließlich, so erzählt sie, sei eine Schwester gekommen und habe ihr Wasser gebracht. „Aber trinken durfte ich es nicht. Ich sollte ja noch operiert werden.“ Doch daraus wurde an diesem Tag nichts mehr. „Der Arzt kam ganz zerknirscht. Bei einer anderen Operation habe es Komplikationen gegeben, der ganze Terminplan habe sich verschoben.“ Das Pflegepersonal, so erzählt die Patientin, sei in all der Zeit ruppig und unfreundlich gewesen. „Ich bin wirklich nicht anspruchsvoll und die haben ja sehr viel zu tun. Aber ich arbeite im Verkauf, wir haben auch wenig Personal und wenn ich zur Kundschaft so pampig wäre, dann hätte ich längst schon keinen Job mehr.“

„Das ist doch nicht normal“

Petra Herrmann erzählt dies alles erstaunlich ruhig. Nur ein klein wenig Sarkasmus klingt durch, als sie sagt, bei der nächsten OP sei der Komfort dann deutlich besser gewesen. „Da durfte ich mich schon in der Abstellkammer für die Operation fertig machen.“ Während sie sich nach ihrer Operation dann über ein eigenes Bett in einem Krankenzimmer freuen durfte, gab es vor der Tür offenbar sehr viele Patienten, die diesen Luxus nicht geniesen konnten. „Dauernd ging die Tür auf und draußen wartende Patienten haben gefragt, ob sie hier aufs Klo könnten. Die Leute waren alle höflich, haben sich entschuldigt, dass sie stören. Aber das ist doch nicht normal.“

„Station war wegen Notfällen überbelegt“

Im Helios-Klinikum verspricht man Besserung. Insbesondere, dass sich die Patientin auf dem „Besucher-WC zur Operation umziehen musste, ist nicht hinnehmbar. Hier müssen wir an tragbaren Lösungen für unsere Patienten arbeiten“, heißt es in der Stellungnahme des Krankenhauses. Auch dass Petra Herrmann auf die erste Operation sieben Stunden warten musste und an allen drei Operationstagen zunächst kein Zimmer für sie zur Verfügung stand, bedauert das Klinikum. „Da wir ein Akutkrankenhaus sind, gibt es solche Situationen, an denen an einem Tag viele Notfälle eingeliefert werden, leider immer wieder. An allen drei Tagen war die Station D4, trotz Notfallkoordination und Bettenkoordination überbelegt. Dass dies an allen drei Operationstagen von Frau Herrmann der Fall war, ist ungewöhnlich.“

Klinik entschuldigt sich

Man sei froh, dass sich die Patientin geäußert habe. „Kritik ist sinnvoll und wichtig, denn nur so können wir Missstände beheben, beziehungsweise Verbesserungen durchführen. Ganz ausdrücklich wolle man sich bei Petra Herrmann entschuldigen.