Herbstmess
Nostalgie und Nervenkitzel - beides gibt es auf der Herbstmess' in vielen Varianten. Bis 7. November können sich die Besucher dem bunten Treiben hingeben. | Foto: jodo

Fahrspaß für Groß und Klein

Auf der Herbstmess‘ geht es rund

Der graue Festplatz hat sich in einen bunten Rummel verwandelt: Die Karlsruher Herbstmess‘ gastiert bis zum 7. November an der Durlacher Allee. Die Schausteller versprechen Fahrspaß mit Nervenkitzel und Nostalgie.

Und alles steht Kopf auf der Herbstmess‘

Es hat etwas von einem Urschrei, was da über den Messplatz hallt. Der junge Mann brüllt sich die Seele aus dem Leib. Das kommt davon, wenn man sich in die Fänge eines Biests begibt. Wo ist oben, wo ist unten? Fliegt man gerade oder fällt man? Bei einem rasanten Ritt mit dem Schaukel- und Über-Kopf-Hochfahrgeschäft „The Beast“ verschwimmt alles – und alles steht irgendwie Kopf.
Während „The Beast“ den jungen Mann durch die Karlsruher Luft schleudert – er ist der einzige Fahrgast, schreit aber für viele –, stehen das Riesenrad „Jupiter“, das Hochfahrgeschäft „Skater“ und das nostalgische Kettenkarussell noch still.

 

Rasanten Fahrspaß verspricht „The Beast“.

Herbstmess‘-Liebhaber zieht es an die Durlacher Allee

Die Autoscooter und Gokarts sind noch nicht warm gelaufen. Es ist kurz nach 14 Uhr. Die Herbstmess’ hat erst vor wenigen Minuten ihre Tore geöffnet. Es ist der erste von elf Tagen, an denen kleine und große Mess’-Liebhaber an die Durlacher Allee strömen. Der graue Festplatz hat sich in einen bunten Rummel verwandelt. Noch geht es auf dem Messplatz sehr ruhig zu. Hier und dort erledigen die Schausteller und ihre Mitarbeiter letzte Handgriffe. Ein Mann poliert das Kassenhäuschen, am Adolf Trosts „Glücks Center“ werden noch plüschige Gewinne an einer Schnur befestigt.

Unseren Betrieb gibt es seit 1900″

Susanne Filder taucht, unterstützt von Sohn Alexander, gut gelaunt Äpfel, Bananen und Traubenspieße in glänzende Schokolade. „Ich mache sie immer frisch“, sagt die Karlsruherin. Ehrensache für die Schaustellerin mit Leib und Seele. Sie freut sich über das schöne Herbstwetter und auf die Tage, die vor ihr an der Durlacher Allee liegen. Die Herbstmess’ ist ein Heimspiel für Susanne Filder. „Uns gibt es seit 1900 – wir sind der älteste Schaustellerbetrieb Karlsruhes“, erzählt sie, während sie wenig später Teig in ihre Waffeleisen füllt. Das knusprigen Gebäck – nach einem Familienrezept – gehört zu ihren Spezialitäten. Sage und schreibe 18 Waffeleisen sind vor ihr im Kreis angeordnet. „Sie sind alle funktionsfähig, wir benutzen aber nur einige davon“, sagt Susanne Filder. Früher war das anders, da buken alle 18 Waffeleisen parallel. „Damals gab es aber noch nicht soviel Auswahl an süßen Sachen wie heute.“

Eine Geburtstagsfahrt mit „Jupiter“

Damals war auch mehr Rummel. „Früher ging Freitags der Unterricht bis maximal 13 Uhr, heute sind die Kinder bis 16 Uhr in der Schule. Danach werden noch Wochenenderledigungen gemacht – die Familien kommen deshalb erst am Wochenende“, sagt Schaustellerin Roswitha Henn-Nickel aus Kaiserslautern, die das Kinderkarussell „Traumstraße A1“ betreibt. Eine „Kinderschleife“ wie die Pfälzerin betont.
In der ersten Stunde nach der Eröffnung hat man die Herbstmess’ fast für sich alleine. Und Yvonne und Bernd haben gerade das „Jupiter“ für sich alleine. Das Paar schwebt in der Gondel des Riesenrades dem strahlend blauen Karlsruher Himmel entgegen. Wieder den Messplatzboden unter den Füßen, strahlen sie. „Die erste Runde ist etwas beängstigend. Die Gondel hält nämlich oben an – dann wackelt es ziemlich. Aber der Ausblick ist wunderschön.“ Doch die Fahrt mit dem Riesenrad ist für sie schon fast Pflicht. „Im vergangenen Jahr hatten wir dort unseren Jahrestag gefeiert“, erzählt Yvonne. Und jetzt gab es wieder etwas zu Feiern: „Ich habe heute Geburtstag“, sagt die junge Frau etwas verlegen. 27 ist sie geworden.

Herbstmess'
Feuerwerk zur Eröffnung der Herbstmess‘ in Karlsruhe.

 

Das Schaustellerleben ist schwieriger geworden

Die Schausteller auf der Herbstmess‘ scheinen die Ruhe vor dem abendlichen Ansturm – am Abend wurde ein Familienfeuerwerk abgefeuert und anschließend bei der offiziellen Eröffnung in Vitos Festzelt das Bierfass angestochen – zu genießen. Da bleibt noch Zeit für einen Plausch unter Kollegen.
Die Schokoküsse-Tüten sind gepackt, die Zuckerstangen arrangiert, die Mandeln und Nüsse gebrannt. Roland Fetscher lehnt an seinem Süßwarenstand „Süßes Paradies“ und plaudert mit Standnachbar Karl Neigert von der Pizza-Bäckerei. Man tauscht sich über die Wetterprognose für die Herbstmess’ („die ist für die nächsten Tage ganz passabel“) und die Saison an sich aus. Das schlechte Wetter im Frühjahr habe den Schaustellern zugesetzt. Schlimmer waren aber die Anschläge, die sich vor allem auf die großen Jahrmärkte – in Stuttgart, Düsseldorf und Düren – ausgewirkt haben, sagt Neigert. „30 bis 40 Prozent weniger Umsatz. Familien haben doch keine Lust auf Jahrmarkt, wenn da alles von Polizei umstellt ist.“ Das sei bei den kleineren Veranstaltungen glücklicherweise nicht problematisch gewesen, so Fetscher. Trotzdem müsse man inzwischen mehr kämpfen als Schausteller. Steigende Kosten und zunehmende Bürokratie machten das Leben auf der Reise nicht einfacher.

Hier finden Sie mehr zum Programm der Herbstmess‘.

Termin: Am Montag, 31. Oktober, in den Abendstunden machen die Karlsruher Hexen den Messplatz unsicher. Um 20 Uhr beginnt im Festzelt eine Halloweenparty mit der Sean Treacy Band. Der Eintritt ist frei.