Tief graben muss, wer schnell surfen will. Die Aufrüstung der Internet-Infrastruktur durch Glasfaserkabel ist für den Kreis und die Kommunen eine gewaltige Aufgabe. Auch die Nutzer werden zur Kasse gebeten.
Tief graben muss, wer schnell surfen will. Die Aufrüstung der Internet-Infrastruktur durch Glasfaserkabel ist für den Kreis und die Kommunen eine gewaltige Aufgabe. Auch die Nutzer werden zur Kasse gebeten. | Foto: Oliver Berg/dpa

Schnelles Internet in Achern

Aufgabe von gewaltigen Dimensionen

„Diese Aufgabe ist nur vergleichbar mit der flächendeckenden Einführung eines Eisenbahnnetzes.“ Tief beeindruckt von der Größe der Aufgabe zeigte sich in der jüngsten Sitzung des  Gemeinderats CDU-Fraktionschef Karl Früh mit Blick auf die Herausforderungen beim Ausbau der Breitbandverkabelung in Achern und der Ortenau. Die Stadtverwaltung hatte dem Gremium einen umfangreichen Sachstandsbericht vorgelegt und die Dimensionen des millionenschweren Projekts umrissen. Deutlich wurde aber auch, dass es ohne finanziellen Beitrag der Bürger nicht gehen wird: Wer einen glasfaserbasierten schnellen Internetanschluss möchte, muss dafür zahlen.

Es geht um 700 Kilometer Glasfaserkabel

Beim Breitbandausbau setzt die Stadt Achern – wie berichtet – auf eine Zusammenarbeit mit dem Ortenaukreis. Vorgesehen ist die Gründung der Breitband Ortenau GmbH & Co. KG. Diese baut und pachtet Leitungen an, um ein Gesamtnetz an einen Netzbetreiber zu verpachten. Die Kosten für das Hauptnetz (Backbone) werden auf 39 Millionen Euro geschätzt – es geht um 700 Kilometer Glasfaserkabel, davon sind 284 Kilometer neu zu bauen. Für Erweiterungstrassen in angrenzende Regionen entstehen Kosten von weiteren elf Millionen Euro. Hinzu kommen 368 Millionen Euro für die Verteilebene in allen Kommunen einschließlich der Hausanschlüsse. Für die ersten drei „Ausbaujahre“ erwartet der Kreis einen Zuschuss von 23 Millionen Euro (Backbone) sowie von 48 Millionen Euro für die Ortsnetze.

Große Unterschiede in der Versorgung

Der Blick auf die aktuelle Versorgungslage des Acherner Stadtgebiets zeigt große Unterschiede. Während Kunden in Mösbach, Önsbach, Fautenbach, Großweier und Sasbachried von der Telekom mit maximal VDSL 50 beliefert werden können, liegen die Bandbreiten in den anderen Stadtteilen, aber auch in der Innenstadt und in den kernstädtischen Gewerbegebieten teilweise nur bei zwei Mbit/Sekunde. Die Versorgung der Gewerbegebiete „Heid“, „Mitte“, „Süd“ und „West“ wird von der Stadtverwaltung denn auch am dringlichsten eingestuft. Den Investitionsbedarf schätzt man auf 2,349 Millionen Euro – nach Abzug des zu erwartenden Zuschusses verbleiben 1,757 Millionen Euro bei der Stadt.

Planungen werden erschwert

Nicht eben einfacher machen der Ausbau des Glasfasernetzes und die Rahmenbedingungen für die Gewährung von Zuschüssen die Planungen von Kreis und Kommune bei anstehenden Straßenbauvorhaben. Das gilt beispielsweise für die Oberacherner Straße in Oberachern oder die Renchtalstraße in Mösbach. Die Stadtverwaltung geht in diesem Zusammenhang davon aus, dass hierfür und für die Bewältigung zusätzlicher Aufgaben durch neue gesetzliche Regelungen („Digi-Netz-Gesetz“) zusätzliches Personal erforderlich ist: „Eigentlich sind bei uns alle Mitarbeiter mit anderen Themen gut ausgelastet“, so der ironische Kommentar von Oberbürgermeister Klaus Muttach. Mit Blick auf das komplexe Thema sprach er von „schwerer Kost“. Muttach ließ im übrigen keinen Zweifel daran, dass es letztlich in der Hand der Bürger liege, ob die Planungen Realität werden. Sie müssten beim Anschluss ihrer Häuser mit Beiträgen rechnen – ähnlich der Praxis beim Wasser- und Abwasseranschluss.

„Alternativlos“

In der Diskussion ging es um die Größe des Projekts, um die offenbar mangelnde Kooperationsbereitschaft der Telekom und um die Frage, ob die millionenschweren Zuschüsse überhaupt fließen werden. Von „erschreckenden Dimensionen“ sprach Karl Früh (CDU), und Thomas Kohler (Freie Wähler) meinte: „Wenn man die Zahlen sieht, wird’s einem schwindlig“. Dessen ungeachtet sei die „Datenautobahn“ unverzichtbar. Manfred Nock (ABL) nannte das Projekt vor allem im Interesse der Firmen in den Gewerbegebieten „alternativlos“.