Krankenhaus in Bühl
Krankenhaus in Bühl | Foto: Ulrich Coenen

Klinikum Mittelbaden

Bühler Geburtshilfe schließt zum Jahresende

Die Geburtshilfe des Klinikums in Bühl wird zum Jahresende geschlossen. Dies erklärten Jürgen Jung, Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, und die beiden Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Bäuerle und Margret Mergen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Bühl. Sie machten ausschließlich medizinische Gründe für diese Entscheidung geltend. „Aus wirtschaftlicher Sicht hätten wir die Bühler Geburtshilfe bereits vor sieben Jahren schließen müssen“, sagte Jung. Das Bühler Krankenhaus gehört zum Verbund des Klinikums Mittelbaden, dessen Träger der Landkreis Rastatt und der Stadtkreis Baden-Baden sind.

Verschmelzung der Kliniken in Bühl und Baden-Baden

Neben dem Aus für die Bühler Geburtshilfe wurden weitere einschneidende Maßnahmen angekündigt. Nachdem die beiden Standorte in Rastatt und Forbach bereits verschmolzen wurden, steht dieser Schritt nun auch für die Kliniken in Bühl, Balg und Ebersteinburg an. Obwohl alle drei Standorte erhalten bleiben, gibt es eine gemeinsame Leitung und vor allem auch ein gemeinsames Budget. Die Gremien von Landkreis und Stadt Baden-Baden müssen diesem Schritt aber noch zustimmen. Sie werden sich noch vor der Sommerpause mit den Veränderungen im Klinikum Mittelbaden beschäftigen.
Einschneidend wird vor allem das Ende der Geburtshilfe in Bühl sein, wo die gynäkologische Abteilung allerdings erhalten bleibt. Die Initiative ging nach Auskunft von Jung von den leitenden Ärzten der Frauenkliniken in Rastatt, Baden-Baden und Bühl aus. Die Geburtenzahlen in Bühl sind von ursprünglich 500 pro Jahr kontinuierlich auf rund 400 gesunken. Die Tendenz ist weiter fallend. Die verantwortlichen Ärzte sehen deshalb die Patientensicherheit in Bühl nicht mehr gewährleistet. „Laut einer Studie ist die Säuglingssterblichkeit in Kliniken unter 500 Entbindungen statistisch dreimal so hoch wie in großen Einrichtungen“, berichtete Jung. Dabei macht ihm auch der Personalmangel bei den Hebammen zu schaffen. Aus diesem Grund musste die Geburtshilfe in Bühl über den Jahreswechsel bereits für vier Wochen geschlossen werden.

200 Geburtshilfen bundesweit dicht gemacht

Bühl ist in guter Gesellschaft. Seit 2005 haben bundesweit rund 200 Abteilungen für Geburtshilfe schließen müssen. Seitdem schwebt dieses Damoklesschwert über der Klinik der Zwetschgenstadt. Unter den 83 Geburtskliniken in Baden-Württemberg belegte sie im Hinblick auf die Geburtenzahl (400) im vergangenen Jahr den fünftletzten Rang. Noch schlechter schneidet übrigens die Geburtshilfe in Achern ab, die zum Ortenau Klinikum gehört. Dort gab es nur 340 Entbindungen. Ein gemeinsames Konzept für Bühl und Achern hätte eine Lösung sein können. „Ich habe vergeblich das Gespräch mit dem Ortenau Klinikum gesucht“, erklärte Jürgen Jung.
Dass nach der Schließung Bühls Geburten nach Achern abwandern, will Jung nicht ausschließen. „Wir haben während der vierwöchigen Schließung über den Jahreswechsel Erfahrungen sammeln können“, sagte Jung. „80 Prozent der Bühler Entbindungen haben in diesem Zeitraum in Baden-Baden stattgefunden.“

Neues Mutter-Kind-Zentrum in Baden-Baden

Nun soll in Baden-Baden-Balg ein großes Mutter-Kind-Zentrum aufgebaut werden, in dem das Klinikum Mittelbaden die Geburtshilfe konzentrieren will. Dort gab es im vergangenen Jahr 1144 Geburten. Nicht gefährdet ist aktuell die Geburtshilfe in Rastatt, wo im vergangenen Jahr 567 Kinder zur Welt kamen. „Die Tendenz ist dort steigend“, konstatierte Jung.
In Bühl dürfen bereits heute keine Risikoschwangerschaften mehr entbunden werden. Es sind nur noch Entbindungen ab der 36 Schwangerschaftswoche bei komplikationsfreiem Verlauf erlaubt. Alle anderen Patientinnen müssen bereits jetzt nach Baden-Baden verwiesen werden. „Neben der allgemein zurückgehenden Geburtenzahl ist das natürlich ein Grund für die weniger werdenden Entbindungen in Bühl“, stellte Jung fest. Dem gegenüber steht ein großer Personalaufwand. Nicht nur eine Hebamme muss rund um die Uhr verfügbar sein. Die Klinik muss gewährleisten, dass innerhalb von zehn Minuten ein Facharzt für Gynäkologie vor Ort ist und innerhalb von 20 Minuten muss ein Kaiserschnitt möglich sein.