Improvisationstalent: Der syrische Flüchtling Abdullah Rajab Almalla drehte mit einfachen Mitteln den Film „Schatten“, der die Situation von Asylbewerbern in Baden-Baden beleuchtet.
Improvisationstalent: Der syrische Flüchtling Abdullah Rajab Almalla drehte mit einfachen Mitteln den Film „Schatten“, der die Situation von Asylbewerbern in Baden-Baden beleuchtet. | Foto: Gerhard

Syrien-Flüchtling dreht Film

Flucht bietet neue Chancen in Baden-Baden

Es ist schon eine außergewöhnliche Konstellation: Ein syrischer Flüchtling dreht in Baden-Baden einen Video-Film über die Flucht und Ankunft seiner syrischen Mitbewohner aus der Flüchtlingsunterkunft Schussbachstraße, ein renommierter Medienberater stößt auf den Film, entdeckt die Talente des Flüchtlings und das Bündnis „Baden-Baden ist bunt“ zeigt diesen Film bei der „Interkulturellen Woche“ im Cineplex. Mit seinem Filmprojekt „Schatten“ wollte der syrische Flüchtling Abdullah Rajab Almalla zeigen, dass Flüchtlinge Menschen sind mit ihren Lebensgeschichten und Gefühlen und einen Beitrag leisten, Ängste in der Bevölkerung vor Flüchtlingen zu nehmen.

Dokumentarfilm läuft im Cineplex

Der Filmemacher rückt in die Rolle eines Chronisten, fängt Schicksale und Lebensgeschichten seiner Landleute ein. Im Mittelpunkt stehen Interviews mit syrischen Flüchtlingen. Er thematisiert die Flucht, die Ankunft in Baden-Baden, den neue Alltag mit seinen Tücken, Zukunftschancen und Zukunftsängste. Die Flucht stelle das ganze Leben eines Flüchtlings auf den Kopf. Er habe seine Wurzeln verloren, erklärt der syrische Filmemacher im BNN-Gespräch.

Regisseur zeigt Schicksale

Und in der Fremde zu sein, bedeute auch, mit neuen Alltagsdingen konfrontiert zu sein wie etwa einer Drückampel, die außerhalb Kontinentaleuropas kaum existiere: „Wenn Du nicht weißt, dass du den Knopf drücken musst, kannst Du lange an der Ampel stehen…!“, ein Zitat eines Flüchtlings aus dem Film, wie Almalla erzählt.

Vom Verlust der Heimat

Die Trauer über den Verlust der Heimat, der Mut neu zu beginnen und neue Chancen zu ergreifen, die Furcht vor der Zukunft, die Freude auf neue Chancen – all das schwinge mit in den Interviews und Bildern des Films, wie der Filmemacher erklärt. Der Filmtitel „Schatten“ spielt auf die Flüchtigkeit des Aufenthalts in einer Flüchtlingsunterkunft an. Irgendwann seien dort nur noch die Schatten der Bewohner spürbar, sagt der Regisseur.

Diaprojektor dient als Scheinwerfer

Das Leben in Europa bedeute nicht nur Entwurzlung, sondern auch die Chance, eine neue Lebensperspektive zu finden, dessen sind sich Abdullah Rajab Almalla und seine interviewten Mitbewohner bewusst. Deswegen schwingt im Film, der nichts wertet und viel erklären möchte, auch immer viel Zuversicht und Humor mit, betont der Regisseur.

Flüchtling ist als Asylbewerber anerkannt

Für Almalla steht das intensive Erlernen der deutschen Sprache momentan im Fokus, denn sie sei Voraussetzung, um hier Chancen zu ergreifen. Danach scheint das Thema Film immer mehr sein neuer Horizont zu werden, vielleicht eine neue Wurzel in Deutschland. Das Video-Filmprojekt und die Hospitanz beim SWR deuten daraufhin.
Der Syrer ist 1990 in Aleppo geboren. Nach dem Abitur am dortigen Almamon-Gymnasium studierte er Archäologie an der Universität Aleppo. 2011 schloss er das Studium ab. Schon während des Studiums drehte er als Hobby begeistert Videofilme. Nach seiner Flucht wurde er 2015 in Baden-Baden als Asylbewerber anerkannt.

Regisseur dreht mit Fotokamera

Für den Syrer könnte das Baden-Badener Filmprojekt ein besonderer Türöffner werden. Die Realisierung des Films zeigt viel Improvisationskunst und auch den Willen, ohne Budget und perfekte Technik das Projekt zu realisieren.
Der Dreh hatte auch etwas Abenteuerliches: Almalla filmte mit einer geliehenen Fotokamera mit Videofunktion. Als Scheinwerfer kamen ein Diaprojektor und Schreibtischlampen zum Einsatz. Das Hauptproblem war der Ton. An einem Besenstil brachten die Syrer ein billiges Computer-Mikrofon an und zeichneten den Sound auf.

Medienberater gibt Expertentipps

Der ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer und Sozialpädagoge Klaus Pistorius brachte über Rita Hampp vom Bündnis „Baden-Baden ist bunt“ den Syrer mit dem Medienberater Georg von Langsdorff in Kontakt. Er ermöglichte Almalla bei der Endbearbeitung des Films den Zugang zu professionellem Video-Equipment.

Service

Der Film „Schatten“ von Abdullah Rajab Almalla feiert am Dienstag, 27. September, um 19.30 Uhr im Cineplex Premiere. Anschließend gibt es eine Podiumsdiskussion unter der Leitung der Fernsehmoderatorin Evelin König.    Weitere Informationen zur Interkulturellen Woche in Baden-Baden gibt es hier:  http://www.interkulturellewoche.de/veranstaltung/2016/baden-baden/interkulturelle-woche-2016-baden-baden    

Volker Gerhard