Der Gebäudekomplex mit Hotel und Brauerei in der westlichen Innenstadt in Karlsruhe
Der Gebäudekomplex mit Hotel und Brauerei in der westlichen Innenstadt in Karlsruhe | Foto: Donecker

Nach Gerichts-Beschluss

„Badisch Brauhaus“ von Schließung bedroht

Für Freitag hatte das „Badisch Brauhaus“ ein Krimi-Dinner geplant. Gäste hätten im Anschluss im Allvitalis Traumhotel übernachten können, im selben Gebäudekomplex zwischen Bismarck- und Stephanienstraße in der westlichen Innenstadt. Doch die Tische werden bis auf Weiteres leer bleiben – genauso wie die Hotelbetten. Auch der Zapfhahn in der beliebten wie ungewöhnlichen Karlsruher Gaststätte, die für viele zur Institution geworden ist, hat Pause. Vielleicht für immer.

Stadt bemängelt unzureichenden Brandschutz

Grund ist ein Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg von gestern Nachmittag, der das vorläufige Ende des „Badisch Brauhaus“ samt des Hotels und der Tiefgarage besiegelt. Der Grund sind brandschutzrechtliche Mängel, die die Stadt Karlsruhe bereits 2014 festgestellt hatte. Schon damals wurde die sofortige Schließung des Betriebs verfügt. Der Antrag des Betreibers auf Eilrechtsschutz beim Verwaltungsgericht Karlsruhe und nun beim Verwaltungsgerichtshof hatte jedoch aufschiebende Wirkung – der Betrieb lief zuletzt ganz normal weiter. Mit der Ablehnung der Beschwerde ist dies nun vorbei: Die durch die Stadt angeordnete Schließung muss mit Zustellung des Bescheids sofort vollzogen werden, anderenfalls droht ein hohes Bußgeld.

Der Betreiber zeigt sich entsetzt

Der Hotelier und Gaststättenbetreiber Siegfried Weber zeigte sich gestern fassungslos. Dass er durch die BNN von dem Beschluss erfuhr, nannte er einen weiteren „bemerkenswerten Vorgang“ in einem komplexen Verfahren, das bislang nicht arm an Wirrungen und Merkwürdigkeiten war. „Sieben Gutachter haben bestätigt, dass die Vorschriften eingehalten werden“, sagt Weber. Seit der Beanstandung habe er viel in den Brandschutz investiert. Er kritisiert: „Von der Stadt war nicht zu erfahren, was denn noch gemacht werden muss.“ Dort sei stets aufs laufende Verfahren verwiesen worden.
„Die Stadt schiebt damit die eigene Verantwortung auf die Gerichte“, sagt Hans-Christoph Bruß, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Baden-Württemberg in Karlsruhe. Er hatte Weber in dem Rechtsstreit unterstützt – zuletzt mit einem Schreiben an Oberbürgermeister Frank Mentrup und die Gemeinderäte. Der Stadtverwaltung macht Bruß schwere Vorwürfe. Der gesamte Gebäudekomplex sei genehmigt und abgenommen worden. Bruß hält es für nicht ausgeschlossen, „dass hier ein Exempel an einem kritischen Karlsruher Bürger statuiert wurde“. Es sei „ein Unding“, wie die Stadt in dem Fall bisher verfahren habe. „Hier wird ein Gesamtkunstwerk zur Bauruine“, so Bruß. Nun seien rund 70 Mitarbeiter von Arbeitslosigkeit bedroht.

Rechtsstreit wird im Hauptverfahren weitergehen

Dass der Rettungsweg laut Gerichtsbeschluss „nur in einen Innenhof führe“ und die Stahlkonstruktion der Tiefgarage nicht die erforderliche Feuerbeständigkeit aufweise, bestreitet Weber mit Verweis auf die Gutachten, die beim Beschluss nun „überhaupt nicht gewürdigt“ worden seien. Und die Stadtverwaltung? Es sei zu früh, Fragen zu beantworten, hieß es gestern beim Baudezernat. Man wolle sich zunächst mit dem Regierungspräsidium als Rechtsaufsichtsbehörde abstimmen. Der Rechtsstreit wird nun wohl im Hauptsacheverfahren in die nächste Runde gehen.