Ein Neubau mit Gastronomie ist in der Bühler Eisenbahnstraße in unmittelbarer Nachbarschaft des Stadtgartens geplant.
Ein Neubau mit Gastronomie ist in der Bühler Eisenbahnstraße in unmittelbarer Nachbarschaft des Stadtgartens geplant. | Foto: Ulrich Coenen

Eisenbahnstraße in Bühl

Enges Korsett soll Schmuckstück schützen

Für ihr „Schmuckstück“ hat die Stadt Bühl im vergangenen Jahr ihre erste Erhaltungssatzung überhaupt erlassen. Spätestens seit diesem Zeitpunkt legt die Kommune auf die Eisenbahnstraße ein besonderes Augenmerk. Das Neubauprojekt eines privaten Investors, das unmittelbar an den Geltungsbereich der Erhaltungssatzung westliche Eisenbahnstraße (zwischen Schulstraße/Herbert-Odenheimer-Straße und Güterstraße) grenzt, löste im Rathaus Alarmstimmung aus. Die zum Teil denkmalgeschützten Villen des 19. Jahrhunderts in der einzigen Bühler Prachtstraße sollen nicht durch unpassende Neubauten beeinträchtigt werden.

Kein gültiger Bebauungsplan

Für den betroffenen Abschnitt der Eisenbahnstraße zwischen Schulstraße und Kirchplatz, der unmittelbar an den Stadtgarten grenzt, gibt es keinen gültigen Bebauungsplan. Alle Bauanträge wären also nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches zu behandeln, der für bebaute Innenbereiche gilt.

Die Neubauten müssen sich dort laut Gesetz nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen. Das hat in der jüngeren Vergangenheit längst nicht überall in der Stadt zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Die Baurechtsbehörde musste Projekte genehmigen, die gestalterisch wenig anspruchsvoll waren und im Hinblick auf ihre Dimensionen die Nachbarbebauung zu sprengen drohen.

Beschleunigtes Verfahren

Eine solche Situation will Oberbürgermeister Hubert Schnurr für die Eisenbahnstraße in jedem Fall vermeiden. „Sie ist uns sehr lieb geworden“, erklärte er in der Gemeinderatssitzung. „Dehalb wollen wir die bauliche Entwicklung in geordnete Bahnen lenken.“ Das Gremium beschloss einstimmig die Aufstellung des Bebauungsplans der Innenentwicklung „Eisenbahnstraße am Stadtgarten“ im beschleunigten Verfahren und beauftragte die Verwaltung mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Entwurfs.

Gebäudehöhe wird reduziert

Margret Burget-Behm (CDU) wollte wissen, wie die Stadt als Baurechtsbehörde mit zukünftigen Bauanfragen in diesem Bereich umgehen will und ob die Nachbarn im Rahmen einer Offenlage des Bebauungsplans trotz des beschleunigten Verfahrens gehört werden. Corina Bergmaier, Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung/Baurecht, berichtete, dass im Hinblick auf die „Knackpunkte“ bereits Gespräche mit dem Bauherrn und seinem Architekten geführt wurden. „Sie planen um“, sagte Bergmaier. Die Höhe des Gebäudes werde reduziert und der Eingang zum Stadtgarten „entschärft“.
Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtplanung, Hochbau und Klimaschutz, erklärte, dass man den Konsens mit dem Bauherrn suche. „In der öffentlichen Anhöerung kann außerdem jeder Bürger Stellung beziehen“, sagte sie.

Besondere städtebauliche Lage

Walter Seifermann (GAL) begrüßte die Aufstellung des Bebauungsplans. Er sprach von einer „besonderen städtebaulichen Lage“. Die westliche Eisenbahnstraße nannte er „unser Schmuckstück“.
„Der Neubau muss sich in Größe, Kubatur und Form anpassen“, forderte er. „Wir brauchen deshalb ein möglichst enges Korsett, um eine Stimmigkeit zu erreichen. Es darf nichts gebaut werden, was uns nicht passt.“

Kein Kontrast zu den Villen

Auch aus Sicht von Karl Ehinger (FW) ist die Aufstellung des Bebauungsplans sinnvoll. „Die neue Architektur darf nicht im Kontrast zu den Villen in der westlichen Eisenbahnstraße stehen“, sagte er. „Sie muss sich in jedem Fall harmonisch einfügen. Eine Betonarchitektur im Stil der 1970er-Jahre ist nicht erwünscht.“
Oswald Grißtede (SPD) hielt die Aufstellung des Bebaungsplans für wichtig. „Wir müssen das durchziehen“, erklärte er. „Der Bauherr muss sich dann an diese Richtlinien halten.“

 

Hintergrund

Bei der Stadtverwaltung liegt aktuell die Bauvoranfrage auf Abbruch eines bestehenden Wohn- und Geschäftshauses und auf Neubau eines solchen Gebäudes vor. Dieses soll eine Tiefgarage und einen Bereich für Außenbewirtung erhalten. Wie im Bestandsgebäude ist also erneut ein Haus mit Gastronomie unmittelbar am Stadtgarten geplant.

Dieses Projekt ist für die Stadt Anlass für den Bebauungsplan „Eisenbahnstraße am Stadtgarten“. In der Verwaltungsvorlage heißt es dazu: „Das zirka 0,27 Hektar große Areal dieses Geltungsbereichs liegt eingebettet in einer besonderen städtebaulichen Lage.“ Vier Punkte werden genannt. Nördlich grenzt das Untersuchungsgebiet des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs „Campus Bühl“ an, im Süden erstreckt sich der „stadtbildprägende Stadtgarten Bühls mit seinen großen, erhaltenswürdigen Bäumen“.

Östlich des neuen Bebauungsplans bestehe eine direkte Anbindung an die Innenstadt mit Pfarrkirche, Rathaus und Marktplatz. „Im Westen beginnt der Bereich der städtebaulich erhaltenswerten Gebäude, die sich innerhalb des Geltungsbereichs der Erhaltungssatzung westliche Eisenbahnstraße befinden. Bauliche Veränderungen nördlich des Stadtgartens haben großen Einfluss auf die städtebauliche Umgebung.“