Ehrung für eine Lebensretterin: Oberbürgermeister Klaus Muttach (rechts) und Feuerwehrkommandant Michael Wegel zeichneten Sonja Braunagel aus Achern für ihren selbstlosen Einsatz während eines Wohnhausbrandes mit der Rettungsmedaille des Landes Baden-Württemberg aus.
Ehrung für eine Lebensretterin: Oberbürgermeister Klaus Muttach (rechts) und Feuerwehrkommandant Michael Wegel zeichneten Sonja Braunagel aus Achern für ihren selbstlosen Einsatz während eines Wohnhausbrandes mit der Rettungsmedaille des Landes Baden-Württemberg aus. | Foto: Michaela Gabriel

"Ich bin keine Heldin"

Rettungsmedaille für bescheidene Lebensretterin aus Achern

Von Michaela Gabriel

Ohne Rücksicht auf die Gefahr für ihr eigenes Leben hat Sonja Braunagel  bei einem nächtlichen Wohnhausbrand in der Acherner Goethestraße alle Hausbewohner gerettet. Oberbürgermeister Klaus Muttach verlieh ihr nun im Namen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Rettungsmedaille des Landes, übergab eine vom Landesvater unterzeichnete Urkunde und einen Brief der Stadt mit „einer kleinen finanziellen Anerkennung.”

„Instinktiv gehandelt“

„Ich bin keine Heldin. Ich habe instinktiv gehandelt”, sagte die Handballerin des TuS Großweier. Sie lebte selbst im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses und verlor durch den Brand fast ihr gesamtes Hab und Gut. Bis heute machen ihr die Ereignisse im April zu schaffen. In das Haus wolle sie nicht zurückkehren, auch wenn irgendwann wieder bewohnbar sein wird.

An allen Wohnungstüren geklingelt

Panisch, hektisch und ängstlich fand damals die Feuerwehr bei ihrem Eintreffen mehrere Bewohner vor dem Gebäude vor. Sonja Braunagel hatte sie durch Klingeln in allen Wohnungen geweckt, so dass sie sich retten konnten. Eine Frau führte sie unter Einsatz ihres eigenen Lebens durch das bereits verrauchte Treppenhaus ins Freie, einer anderen rief sie zu, sie solle sich an ihr Küchenfenster stellen. Von dort konnte ihr ein junger Feuerwehrmann unter schwierigen Umständen das Leben retten.

„Es hätte Tote geben können“

„Was Sie da gemacht haben, war bärenstark”, lobte Feuerwehrkommandant Michael Wegel die 28-Jährige. Ohne ihr beherztes Handeln hätte es in jener Nacht mehrere Tote geben können. Während die meisten Menschen in gefährlichen Situationen nur zuschauten, habe sie ihr eigenes Wohl zurückgestellt und sei trotz des starken Rauches ins erste Obergeschoss gestiegen, um die Bewohnerinnen dort herunterzuholen. Kurz darauf sei dieser Weg dann unpassierbar geworden. Ihr sei es auch zu verdanken, dass die Feuerwehr von außen weitere Menschenleben retten konnte.

Gekümmert und nicht weggelaufen

Sonja Braunagel „hat sich „gekümmert und ist nicht weggelaufen”, sagte Stadtoberhaupt Klaus Muttach anerkennend. Deshalb habe er beantragt, sie mit der Rettungsmedaille des Landes Baden-Württemberg auszuzeichnen, was sehr selten vorkomme. Der Brand in seiner eigenen Nachbarschaft sei ein schwerwiegendes Ereignis gewesen, das dank ihres Einsatzes positiv ausgegangen sei. „Dankeschön”, sagte er der Achernerin, die jetzt in Großweier lebt. Er wünschte ihr, dass sie die Geschehnisse gut verarbeiten könne. Sie sei ein Vorbild für andere. Übrigens: Sonja Braunagels Vater und auch ihr Großvater waren engagierte Feuerwehrmänner.