Schwarzer Rauch qualmt aus einem Galvanikbetrieb in Sternenfels,  rund  100 Rettungskräfte sind im Einsatz.
Schwarzer Rauch qualmt aus einem Galvanikbetrieb in Sternenfels, rund 100 Rettungskräfte sind im Einsatz. | Foto: Hansen

Feuer in Sternenfels

500 000 Euro Schaden bei Brand in Galvanikbetrieb

Einen Schaden von geschätzt 500 000 Euro hat der Brand in einem Galvanikbetrieb in Sternenfels gefordert, der am Sonntag gegen 15.30 Uhr per Notruf gemeldet worden war. Nahezu 100 Angehörige der regionalen Feuerwehren, der Rettungsdienste und der Polizei waren dabei im Einsatz. Acht Feuerwehrleute erlitten Rauchgasvergiftungen und wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Die Befürchtungen, dass durch den Brand in dem Metall verarbeitenden Betrieb auch giftige Dämpfe freigesetzt werden, bestätigte sich nicht, wie Messungen des Gefahrengutzugs ergaben.

Große schwarze Rauchsäule

Gemeldet worden war zunächst nur ein normaler Brand. „Als wir eintrafen, stand eine große schwarze Rauchsäule über dem Firmengebäude, und da war sofort klar, dass wir die Gefahrenabwehrstufe erhöhen mussten“, erklärt Michael Hildwein, der stellvertretende Sternenfelser Feuerwehrkommandant. Waren zunächst nur die Sternenfelser Wehr und die Drehleiter aus Knittlingen geordert worden, so wurden nun im Zuge der Überlandhilfe auch Kräfte aus Freudenstein, Maulbronn, Illingen und Schützingen sowie der Gefahrengutzug aus Niefern und eine weitere Drehleiter aus Mühlacker angefordert.

Brandursache noch unbekannt

Aus bislang noch ungeklärter Ursache waren in der Halle Galvanikbäder in Brand geraten, Feuerwehrleute mit Atemschutz deckten die Flammen mit einem Schaumteppich ein. Und auch von der Drehleiter aus wurde der Brand bekämpft. Weil zunächst nicht klar war, ob bei dem Feuer auch giftige Dämpfe ausgebreitet werden, wurden die Sternenfelser per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auch der Weihnachtsmarkt wurde geschlossen und geräumt, ohne dass es zu Panikreaktionen gekommen sei, teilt die Polizei mit. Weil der Wind sich immer wieder ungünstig drehte, atmeten Feuerwehrleute Rauchgase ein. Das DRK untersuchte die Einsatzkräfte sowie sieben Anwohner, die sich mit Reizungen der Augen und der Atemwege im Gemeindehaus eingefunden hatten.

Wieso wurden Nachbarwehren nicht alarmiert?

Wieso aber wurden die näher gelegenen Nachbarwehren aus Oberderdingen und Kürnbach nicht alarmiert? „Weil die zu einer anderen Gebietskörperschaft gehören“, erklärt Christian Spielvogel, der Kreisbrandmeister des Enzkreises, und erläutert die festgeschriebene Vorgehensweise: Der Mann am Telefon in der Feuerwehrleitstelle – Disponent genannt – bekommt über die 112 einen Notruf. Am Sonntag war es ein Spaziergänger, der Rauch über Sternenfels gesehen hatte. Der Disponent hat einen Katalog von Notfallgeschehen vor sich und frägt ab, was zutrifft. Für jeden denkbaren Fall ist in der Feuerwehrleitstelle hinterlegt, was zu tun ist und welche Kräfte in Bewegung gesetzt werden müssen. In Sternenfels lautet die erste Einschätzung Brand im Wohngebäude. Daraufhin löst der Disponent Vollalarm für die Sternenfelser Wehr aus und ordert die Drehleiter aus Knittlingen, weil man bei Wohnhausbränden auch davon ausgehen muss, dass Menschen gerettet werden müssen.

„Es gibt kein Kirchturmdenken“

Als die Feuerwehr an der Brandstelle eintrifft, stellt sie schnell fest, dass hier größere Gefahr im Verzug ist. Jetzt wird – im Fachjargon der Feuerwehr – die Gefahrenstufe eskaliert. Weitere Kräfte werden hinzugezogen. „Die Gefahrenabwehr läuft im Normalfall allerdings innerhalb der Gebietskörperschaften“, bekundet Spielvogel. Was heißt, dass zunächst nur Feuerwehren aus dem Landkreis, in diesem Fall also aus dem Enzkreis hinzugezogen werden.
Was wiederum nicht bedeutet, dass man im Bedarfsfall nicht auch Feuerwehren aus dem Nachbarlandkreis anfordert. „Es gibt kein Kirchturmdenken“, versichert der Kreisbrandmeister und verweist auf viele Fälle, in denen bei Gefahr im Verzug auch nähergelegene Wehren über Kreisgrenzen hinweg herbeigerufen wurden.

Zusammenarabeit über Kreisgrenzen hinweg

„Seit vielen Jahren greift die Feuerwehr Knittlingen (Enzkreis) auf den Rüstwagen der Feuerwehr Bretten (Landkreis Karlsruhe) zurück“, nennt Spielvogel als ein Beispiel. Und auch beim Starkregen im Juni sind Kräfte aus dem Enzkreis in Bretten im Einsatz gewesenen. „Und es gibt seit geraumer Zeit regelmäßige Treffen der zuständigen Leute aus drei Landkreisen, um die Zusammenarbeit der Feuerwehren über die Kreisgrenzen hinweg zu verbessern“, bekundet Spielvogel.