Mit Kunstwerken wie diesen Ortsschildern und Holzhäusern auf dem Eppinger-Linien-Weg weist der Naturpark Stromberg-Heuchelberg auf historische Begebenheiten im Pfälzischen Erbfolgekrieg hin – etwa die Schlacht 1692 bei Ötisheim. Foto: igm

Die dunkle Seite des Barocks

Eppinger-Linien-Weg: Gütesiegel angepeilt

Enzkreis. Die sechs Ortsschilder sind seltsam verbogen und ineinandergeflochten. Der Betrachter mag zunächst an Vandalismus denken, wären da nicht die teilweise verkohlten Holzhäuschen, die das Ensemble als Kunstwerk erkennen lassen. „Zerstörung“ hat Hinrich Zürn sein Werk genannt. Der Gemminger Künstler verweist auf die Schlacht bei Ötisheim, bei der 1692 die auf den Schildern genannten Dörfer niedergebrannt wurden. „Die Ortsschilder sollen ein Brückenschlag zur heutigen Zeit sein“, erklärt Zürn. Acht Großplastiken hat der 46-jährige Bildhauer für den vor zwei Jahren eröffneten Eppinger-Linien-Weg im Naturpark Stromberg-Heuchelberg gestaltet, an dem sich unter anderem die Enzkreis-Gemeinden Ötisheim, Maulbronn, Sternenfels und Mühlacker beteiligt haben – mit ganz unterschiedlichen Kunstwerken: Die Fotoinstallation „Natura – Frieden“ der französischen Künstler Janice Wimmer und Rémi Regazzoni reflektiert das Verwachsen von Narben in der Natur und das Vergessen des Krieges. Die Skulptur im Sternenfelser Ortsteil Diefenbach erinnert daran, dass der Verhack aus übereinandergeworfenen Baumkronen einst das erste Element der Verteidigungslinie war. Die Skulptur soll ein Gefühl der Bedrohung und des Gefangenseins vermitteln. Und acht große Gemälde in goldenen Rahmen im Wald von Mühlacker führen die Besucher in die Themen des Wanderwegs ein.

Die Bedeutung der Eppinger Linien für die Bewohner

Die Skulpturen und Installationen sollen zeigen, was der Bau der Eppinger Linien in der Barockzeit für die Bewohner der Region bedeutete, erklärt Zürn, der gemeinsam mit Naturpark-Geschäftsführer Dietmar Gretter das Konzept für das künstlerisch-historische Projekt erarbeitet hat. „Der Wanderweg wurde damit aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst“, findet der Gemminger Künstler.

Bildhauer Hinrich Zürn hat acht Großplastiken für den Eppinger-Linien-Weg gestaltet.
Bildhauer Hinrich Zürn hat acht Großplastiken für den
Eppinger-Linien-Weg gestaltet.
| Foto: Foto: privat

Mit den Skulpturen und Kunstobjekten sollten vor allem Jugendliche für die historische Bedeutung des 42 Kilometer langen Wanderwegs zwischen Eppingen und Mühlacker angesprochen werden. Die Barockzeit sei mehr gewesen als Puder, höfischer Prunk und prachtvolle Sakralbauten. Die Kunstobjekte lenken den Blick auf die einfachen und armen Leute der Zeit zwischen 1580 und 1770 und auf die dunkle Seite des Barocks, sagt Dietmar Gretter. Und auf den Pfälzischen Erbfolgekrieg, der ein bisschen in Vergessenheit geraten sei.

Auch aktuelle Bezüge hergestellt

1685 erhob Frankreich Anspruch auf Teile der Pfalz. Drei Jahre später fielen französische Truppen im Südwesten Deutschlands ein, viele Dörfer – auch im Enzkreis – wurden niedergebrannt. Die Verluste durch Hunger und Seuchen waren groß. Ende des 17. Jahrhunderts ließ Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden zwischen Pforzheim-Dillweißenstein und Neckargemünd eine Verteidigungslinie – die Eppinger Linien – errichten, die mit möglichst wenigen Truppen zu verteidigen sein sollte. Unter anderem wurde ein 40 Meter tiefer Verhack aus übereinander gefällten Bäumen sowie Gräben und Erdwälle mit Palisaden angelegt. Wachtürme und Artilleriestellungen sorgten zusätzlich für Schutz. Die deutsch-französische „Erbfeindschaft“ blieb bis ins 20. Jahrhundert bestehen. Aber auch aktuelle Bezüge sollen mit dem Skulpturenprojekt hergestellt werden – etwa durch Themen wie „vereintes Europa versus barocke Nationalstaaterei“.

Wandermarathon auf dem Weg denkbar

Der Wanderweg sei in den vergangenen zwei Jahren gut angenommen worden, die Vermarktung soll aber noch verstärkt werden, so Gretter. Der Naturpark bemüht sich, den Eppinger-Linien-Weg vom Deutschen Wanderverband im Laufe des Sommers – unter anderem durch Naturnähe und Abwechslungsreichtum – als Qualitätswanderweg zertifizieren zu lassen. „Das würde neue Zielgruppen ansprechen“, so der Naturpark-Geschäftsführer. Damit würde der Wanderweg auf einer bestimmten Internetplattform aufgenommen und könnte im Januar 2017 auf der Touristikmesse CMT in Stuttgart entsprechend beworben werden. Der Naturpark ist außerdem Teil des kulturtouristischen Netzwerks „Barockregion 2016“, das die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen anlässlich der Ausstellung „Barock – Nur schöner Schein“ geknüpft hat. Die Schau wird am 11. September eröffnet. Für die Zukunft kann sich Gretter einen Wandermarathon vorstellen, denn der wäre in seiner Länge identisch mit der des Eppinger-Linien-Wegs.

http://www.naturpark-stromberg-heuchelberg.de