Fotokünstler vor dem Marktbrunnen
Fotokünstler Thomas Rebel auf dem Brettener Marktplatz, auf dem das Massenbild entstehen soll | Foto: Ebert

Massenszene in Bretten

Tausend Akteure für das ultimative Bild

Nur eine knappe halbe Stunde Zeit bleibt dem Fotografen, um gut 700, vielleicht auch 1 000 Akteure auf dem Brettener Marktplatz in die richtige Position zu bringen, die Gesamtszene zu stellen und das ultimative Bild in den Kasten zu holen. In acht Tagen, am 18. September, gegen 20.15 Uhr ist es soweit, wenn die Lichtverhältnisse zur blauen Stunde genau jene schummrige Atmosphäre erzeugen, die der Brettener Fotograf Thomas Rebel für sein ambitioniertes Vorhaben benötigt.
Entstehen soll ein „Lebendiges Bild“, ein Massenbild einer mittelalterlichen Huldigungsszene: Der Kurfürst kommt zur Feier der erfolgreichen Abwehr der Belagerung der Stadt Bretten anno 1504 und tafelt mit seinem Hofstaat mitten auf dem Platz. Und alle sind Brettener auf den Beinen, um das Spektakel mitzubekommen.

Feuershow als Inspiration für Massenbild

Die Idee für das Foto kam Rebel schon vor vier Jahren. Da saß er beim Peter-und-Paul-Fest morgens um drei auf dem Kirchplatz und fotografierte eine Feuershow. „Der Platz war rammelvoll mit zahllosen Zuschauer, die meisten im Gewand, und es sah im Feuerschein aus, wie ein mittelalterliches Gemälde von Caravaggio oder Rembrandt“, erzählt der Fotokünstler. Auch an Gemälde von Hieronymus Bosch fühlte er sich erinnert, die in Massenszenen viele kleine Geschichten erzählen.

Feuerkunst auf dem Brettener Kirchplatz
Bei einer nächtlichen Feuershow kam Thomas Rebel die Idee für das mittelalterliche Massenbild

Und genauso stellt er sich das für sein „Mittelalterbild“ vor: In der Mitte der Kurfürst, der die Stadt befreit hat, drum herum die Patrizier und die freien Bürger, die ihm Ehre erweisen, dazu die Landsknechte, die würfeln und saufen, die Bauern, die ihre Gemüsewagen herankarren, die Gaukler und Händler, die Herolde und Stadtwachen.
Allesamt im originalgetreuen Outfit. Ein weiterer Clou dabei ist die Bürgerwehr, die wie eine Phalanx aus einem mittelalterlichen Schlachtengemälde in die Szene hineinstürmen soll.
„Das Tolle ist ja, dass wir mit allen Peter-und-Paul-Leuten die Personen samt Gewändern für diese Szene bereits haben“, erklärt Rebel. Und so eine Massenszene könnten eben nur die Brettener an einem Nachmittag auf die Beine stellen – wer sonst?

Marktplatz voller Menschen im Gewand

 

Fotografieren will Rebel das Spektakel von einem Hubsteiger aus – etwa in Höhe der Dachkante des Alten Rathauses. Als Kulisse dienen die Fachwerkhäuser und der Pfeiferturm im Hintergrund, ein schöner Wolkenhimmel würde die Szene noch dramatischer gestalten. Mit Podesten vor den Fachwerkhäusern sollen die Akteure gestaffelt ins Bild gebracht werden.
„Alles wird voll sein mit Menschen, dazu Kanonen und Kochstellen mit offenem Feuer und Planwagen – mittelalterliches Leben eben“, so schwebt es ihm vor. In den Fachwerkhäusern sollen möglichst viele Fenster mit Gewandeten – zumindest aber mit Lichtern bestückt sein.
Mitmachen kann jeder, der ein einigermaßen originalgetreues Gewand und eine Kopfbedeckung besitzt. Eine Anmeldung ist erwünscht (per E-Mail an 2017@bretten.de mit Angabe der Kontaktdaten) aber nicht zwingend erforderlich. Wer sich spontan entschließt, kann auch so zur Stellprobe kommen. Die beginnt am Sonntag, 18. September, um 16 Uhr auf dem Marktplatz. Bis dahin sind störende Tische und Sonnenschirme abgebaut und auch die Leuchtreklame ist ausgeschaltet.

Regie vom Hubsteiger aus

Fotoartist Rebel wird vom Hubsteiger aus per Megafon Regie führen und die Akteure an die richtige Stelle positionieren. Zur Überbrückung der Pause bis zur abendlichen Premiere wollen Palmbräu und Hoepfner auf dem Marktplatz ihre Jubiläumsbiere einem Praxistest unterziehen.
Auch das berühmte Brettener Hundle soll bei diesem Massenbild nicht fehlen. Am liebsten hätte Rebel einen Mops, den er auf dem Tisch des Kurfürsten platzieren will. Hundebesitzer können sich direkt bei ihm unter Telefon (0 72 52) 8 06 75 melden.

Fotokünstler bekam keine Lehrstelle

Der 57-jährige Thomas Rebel ist in Bretten aufgewachsen, hat an der Pforzheimer Hochschule für Gestaltung studiert und dort mit Diplom als Industrie-Designer abgeschlossen. Außerdem hat er zwei Jahre an der Karlsruher Kunstakademie studiert und dort erste Erfahrungen mit Video und Multimedia gemacht hat. Ende der achtziger Jahre entwickelte er erste 3-D-Bilder am Computer. Mittlerweile ist er ein gefragter Meister der digitalen Bildbearbeitung. Kleiner Witz der Geschichte: „Ich fotografiere seit meinem neunten Lebensjahr, habe aber keine Lehrstelle als Fotograf bekommen“, erzählt der Fotokünstler schmunzelnd, der heute als Sportfotograf für die großen Ironman, als Eventfotograf für publikumswirksame Veranstaltungen sowie als Pressefotograf für die BNN im Einsatz ist. Daneben gestaltet er Bildbände und Kochbücher mit oder setzt Industrieprodukte effektvoll in Szene. Und hat darüber hinaus noch eine Vielzahl eigener Projekte am Laufen und Ideen im Kopf.
Eine davon ist das „Lebendige Bild“, das in der Silvesternacht zum Start des Brettener Jubiläumsjahrs im Großformat am Rathaus enthüllt werden soll.

Ersatztermin bei schlechtem Wetter

Für den Fototermin für das Massenbild am 18. September gibt es eine Reihe von Unwägbarkeiten. Eine davon ist das Wetter. Sollte es ganz schlecht aussehen, wird das Spektakel auf den 9. Oktober verschoben. In diesem Fall werden die Teilnehmer über die Homepage www.bretten2017.de bis spätestens Sonntagmorgen informiert. Unterstützt wird Thomas Rebel von der Stadt Bretten und hier insbesondere von Bernhard Feineisen und Daniela Kerres vom Kulturamt.
„Ich werde 20 bis 30 Bilder mit relativ langer Belichtungszeit machen“, beschreibt Rebel die fototechnische Seite seines Vorhabens. Bernhard Brenner, der Brettener Polizeichef und selbst passionierter Fotograf, und Rebels Tochter Luna Marie werden das Ereignis fotografisch dokumentieren.