Buschiger Blickfang: Nicht nur hübsch, auch pflegeaufwendig sind die voluminösen Kopffedern der holländischen Haubenhühner von Karlheinz Kulczynski. Mehrere Wochen müssen die Tiere nun wegen Fällen von Vogelgrippe im Bundesgebiet im abgedeckten Stall bleiben.
Buschiger Blickfang: Nicht nur hübsch, auch pflegeaufwendig sind die voluminösen Kopffedern der holländischen Haubenhühner von Karlheinz Kulczynski. Mehrere Wochen müssen die Tiere nun wegen Fällen von Vogelgrippe im Bundesgebiet im abgedeckten Stall bleiben. | Foto: Baier

Hinter Schloss und Riegel

Brettener Kleintierzüchter verärgert über Stallpflicht

Die Enttäuschung steht Karlheinz und Edeltraut Kulczynski ins Gesicht geschrieben: Gleich bei mehreren überregionalen Vergleichsschauen hatte das Ehepaar aus Bretten-Bauerbach seine schwarz-weißen Haubenhühner angemeldet. Zahlreiche Preise haben die besonders schönen Tiere in den vergangenen Jahren bereits gewonnen. Doch nun fällt die gesamte Saison ins Wasser. Denn seit vergangener Woche gilt landesweit die vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz verhängte Stallpflicht. Grund dafür ist die Vogelgrippe in ihrer gefährlichen Variante (H5N8), die sich sowohl im Süden als auch im Norden Deutschlands ausbreitet.

Massentierhaltungs-Betriebe im Verdacht

Obwohl Experten als Verursacher der Krankheit die industrielle Massentierhaltung vermuten (wir berichteten) sind es in der Region nun vor allem die mittelständischen Betriebe und Hobbyzüchter, die unter Einschränkungen zu leiden haben. Denn diese müssen bis mindestens Ende Januar ihre Tiere in geschlossenen Räumen halten. Zudem entfallen alle Tierschauen, die über ein lokales Einzugsgebiet hinausgehen. „Wir Züchter sollen die alten und besonderen Rassen am Leben halten. Aber das wird uns immer mehr unmöglich gemacht“, ärgert sich Karlheinz Kulczynski.

Frust der Hobbyzüchter sitzt tief

Im Brettener Verein hätten bereits mehrere Züchterkollegen das Handtuch geworfen. Viele seien schlicht frustriert. „Schließlich investieren wir viel Zeit und Geld in die Pflege, medizinische Versorgung und Aufzucht der Tiere“, erklärt der Züchter den Unmut. Was ihn am meisten ärgere: Die Tierschauen fänden in geschlossenen Räumen statt, es bestünde also gar keine Gefahr für eine Übertragung auf Wildvögel.

Fehlende Bewegung: Geflügel reagiert unruhig und aggressiv

Irritiert zeigen sich auch die gefiederten Betroffenen: „Es ist schlimm zu erleben, wie aggressiv und unruhig unser Geflügel im Moment ist“, meint Kulczynski stirnrunzelnd. „Kein Wunder, normalerweise verlassen die Tiere beim ersten Sonnenstrahl den Stall.“ Aufhören kommt für den passionierten Züchter, der bereits seit 1960 Mitglied im Kleintierzuchtverein C 17 Bretten ist, dennoch nicht in Frage. „Ich könnte ohne Tiere gar nicht mehr sein“, meint der ehemalige Krankenpfleger mit Blick auf seine über 100 pelzigen und gefiederten Schützlinge.

Widersprüchliche Bescheide

Für Verärgerung sorgt die Stallpflicht auch beim Kleintierzuchtverein C24 in Bretten-Büchig. Klaus Hoffmann wartet auf eine Nachricht vom Veterinäramt, ob die Vergleichsschau für den Stadtpokal stattfinden kann. „Wir hatten vergangene Woche erst vom Amt grünes Licht bekommen – und zwei Tage später dann plötzlich der Entscheid vom Ministerium. Das kann doch nicht sein!“, sagt der Vorsitzende wütend. Als Verursacher der Krankheit sieht er die industriellen Landwirtschafts-Betriebe an: „Ich bin da einer Meinung mit Michael Götz, dem Tier- und Artenschutzbeauftragten des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter. Wir werden gestraft für eine Krankheit, die das Wirtschaftsgeflügel hervorgebracht hat“, wettert der Vereins-Vorsitzende.

Hanfballen und Wintergarten: Ein Ersatz?

Etwas mehr Verständnis schlägt dem Landwirtschaftsminister von einem Betroffenen aus Knittlingen entgegen. „Ich finde es schade, dass die Situation besteht. Aber es war wichtig, eine verantwortungsbewusste Entscheidung zu treffen“, meint Klaus Dobler, Geschäftsführer der Störrmühle. 13 600 Tiere sind in seinem Betrieb von der Stallpflicht betroffen. Sie dürfen nun nicht mehr wie bisher jeden Morgen auf die grüne Wiese. Das gefalle den Tieren gar nicht, beobachtet Dobler. Und versucht, den Hühnern die Situation möglichst zu erleichtern: „Sie bekommen zum Beispiel feste Hanfballen zum Picken. Und im Wintergarten können sie zumindest das Tageslicht genießen.“
Doch auch mithilfe solcher Kompromisse würden die kommenden Wochen für Tier und Mensch sicherlich lang, befürchtet Dobler: „Die Verordnung an sich war für uns keine Überraschung. Aber dass sie bis Ende Januar gelten soll, hat mich schon erschreckt.“ Er habe mit einer zeitlich flexiblen Regelung, abhängig von weiteren diagnostizierten Fällen gerechnet, so der Geschäftsleiter. Schuldzuweisungen will er aber keine machen. „Zu sagen, dass die Massenhaltungs-Betriebe am Ausbruch der Vogelgrippe schuld sind, würde ich mir nicht anmaßen.“ Unabhängig davon: Haltungsformen, bei denen die Tiere gar nicht rauskommen, kämen für ihn nicht in Frage. „Ich finde das einfach völlig unnatürlich“, stellt Dobler klar.