Atomkraftwerk Philippsburg von oben
KÖNNEN WEG: Die beiden markanten AKW-Kühltürme in Philippsburg sollen abgerissen werden. | Foto: dpa (Archiv)

Stadt wehrt sich nicht mehr gegen EnBW-Pläne

Atomrückbau: Philippsburg gibt Widerstand auf

Die Stadt Philippsburg gibt ihren juristischen Widerstand gegen die Rückbaupläne des Betreibers EnBW für die Atomanlagen auf der Rheinschanzinsel auf. Das beschloss jetzt der Gemeinderat.

Strecken die Rebellen die Waffen? Lange Zeit sah es in Sachen Atomrückbau so aus: Der Karlsruher Stromkonzern und die Landesregierung in Stuttgart konnten für das Kernkraftwerk in Philippsburg planen, was sie wollten. Die Stadt Philippsburg und ihr streitbarer Bürgermeister Stefan Martus waren kategorisch dagegen. Konkret hatte die Stadt Widersprüche gegen mehrere Infrastrukturmaßnahmen der EnBW am Standort eingelegt. Etwa gegen ein sogenanntes Reststoffbearbeitungszentrum und ein Standortabfalllager. Mit den Gebäuden will die EnBW den Atomrückbau nach eigenen Angaben besonders effizient und umweltschonend bewerkstelligen. Die EnBW geht davon aus, dass nach der Reststoffbearbeitung voraussichtlich nur noch ein Prozent der gesamten Abbaumasse als radioaktiver Abfall einzustufen sei. Nun hat der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung am Dienstagabend entschieden: Die Widersprüche gegen die Baumaßnahmen werden allesamt zurückgenommen.

Das ist kein Einknicken, im Gegenteil

Bürgermeister Martus betonte gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten: „Das ist kein Einknicken. Im Gegenteil, wir haben uns durchgesetzt und deshalb haben sich die Widersprüche in der Sache erledigt.“ Begründet wird die Rücknahme der Widersprüche nämlich mit der unlängst erfolgten Einigung auf einen Standort für den umstrittenen Stromkonverter im Rahmen des „Ultranet“-Trassenprojekts, auch Ökostrom-Autobahn genannt. Dieses Umspannwerk soll Gleichstrom, unter anderem aus Windkraft von der Küste, wieder in haushaltsüblichen Wechselstrom verwandeln – als Teil der Energiewende. Ursprünglich war der Konverter auf Ackerland in Nähe zur Philippsburger Wohnbebauung geplant. Nach Protesten und langen Verhandlungen wurde unlängst bekannt: Der ungeliebte Konverter kann – wie auch von der Stadt Philippsburg gefordert – auf dem Kraftwerksgelände gebaut werden. Die Versagung des gemeindlichen Einvernehmens wurde Martus zufolge „vor allem mit der nicht flächensparenden Bauweise begründet“. Weiterhin drängt die Stadt auf eine förmliche Umweltverträglichkeitsprüfung für den Rückbauprozess.

Kühltürme müssen Ökostrom-Konverter weichen

Den EnBW-Plänen zufolge sollen auf dem Kraftwerksgelände zunächst diverse Gebäude und die beiden markanten Kühltürme abgerissen werden, um dann auf dieser Fläche den Konverter unterzubringen. Block 1 wurde in Philippsburg bereits 2011 abgeschaltet. Der noch in Betrieb befindliche Reaktor Philippsburg 2 kann längstens bis Dezember 2019 am Netz bleiben. Geht alles gut, könnte der Konverter bereits zwei Jahre später in Betrieb gehen.

Die BNN berichteten in der Printausgabe (Bruchsal) vom 13. Juni bereits über die Pläne der Stadt Philippsburg.