„Klar kommt man da ins Grübeln“ – das BASF-Unglück in Ludwigshafen lässt die Bruchsaler Feuerwehrleute nicht kalt: Kommandant Bernd Molitor, sein Stellvertreter Thomas Zöller, Abteilungskommandant Martin Schleicher und Pressesprecher Tibor Czemmel (von links).
„Klar kommt man da ins Grübeln“ – das BASF-Unglück in Ludwigshafen lässt die Bruchsaler Feuerwehrleute nicht kalt: Kommandant Bernd Molitor, sein Stellvertreter Thomas Zöller, Abteilungskommandant Martin Schleicher und Pressesprecher Tibor Czemmel (von links). | Foto: str

"Das Risiko fährt immer mit"

Bruchsaler Feuerwehr trauert mit um getötete BASF-Kollegen

„Wir waren tief schockiert“ – Bruchsals Feuerwehrkommandant Bernd Molitor spricht wohl für alle seine Kameraden bei der Freiwilligen Feuerwehr: Die schwere Explosion beim Chemieriesen BASF, bei der drei Menschen getötet wurden, bewegt die Feuerwehrleute ganz besonders. Ihre Kollegen, Angehörige der Werksfeuerwehr der BASF, kamen ums Leben. Unter den Toten ist auch der Einsatzleiter.

Routineeinsatz endete in einer Katastrophe

„Klar kommt man da ins Grübeln“, erklärt Molitor im Gespräch mit den BNN. Was als Routineeinsatz begann, endete in einer Katastrophe. Molitor und seine zumeist ehrenamtlichen Kameraden wissen, dass bei jedem Einsatz das Risiko mitfährt. Heute sind die Freiwilligen beim Einsatz in einer Firma, morgen auf der A5 und übermorgen bei einem vielleicht harmlos erscheinenden Wohnungsbrand, wo ihnen eine falsch gelagerte Gasflasche plötzlich um die Ohren fliegen kann.

Bei einer Explosion und einem Brand auf dem Gelände der BASF kamen wohl drei Menschen ums Leben. Darunter auch zwei Feuerwehrleute.
Bei einer Explosion und einem Brand auf dem Gelände der BASF kamen wohl drei Menschen ums Leben. Darunter auch zwei Feuerwehrleute. | Foto: dpa

„Geschäft“ wird immer komplexer

Gerade ist der Stab um Kommandant Molitor dabei, die Gefahrstoff-Datenbank zu aktualisieren, herauszufinden, welche Firmen, mit welchen Stoffen hantieren. Auch ohne einen Chemieriesen wie die BASF vor der Haustür wird das „Geschäft“ der Feuerwehr in Bruchsal immer komplexer. „Wir setzen schon lange auf spezielle Fachberater, etwa wenn wir es mit chemischen Stoffen zu tun haben“, erklärt Molitor.
Die Spezialisierung macht letztlich auch vor den Floriansjüngern nicht halt, die das Ganze „nur“ ehrenamtlich betreiben.

Bruchsaler Wehr rückt 800 Mal pro Jahr aus

Und damit ist das Problem nur im Ansatz beschrieben. „Es wird sicherlich schwieriger, künftig Ehrenamtliche für den Feuerwehrdienst zu bekommen“, erklärt Martin Schleicher, der Abteilungskommandant für die Bruchsaler Kernstadt.
Immerhin 800 Einsätze stehen pro Jahr zu Buche. „Das ist eine enorme Belastung“, so Schleicher.

Nachwuchs-Werbung soll verstärkt werden

Und zwar eine, unter der auch immer wieder Arbeitgeber ächzen, die Feuerwehrleute aus ihrer Belegschaft ziehen lassen, wenn der Piepser anspringt. „Die Akzeptanz ist nach wie vor gut“, berichtet Molitor. Die Zahl der Feuerwehr-Frauen und -Männer ist in Bruchsal konstant. Noch. „Wir müssen künftig stärker um Ehrenamtliche werben, um Nachwuchs und um Quereinsteiger.“ Hier müssten auch neue Anreize geschaffen werden. Feuerwehrleute bekommen eine kleine Aufwandsentschädigung von 8,70 Euro pro Stunde und freien Eintritt in die städtischen Schwimmbäder.

Ehrenamtliche mit „kleinem Helfersyndrom“

„Uns geht es nicht ums Geld“, bekräftigt Schleicher. Dennoch stellt er fest: „Früher ging man zu Feuerwehr, weil man sich für die Technik interessiert hat, weil man ein kleines Helfersyndrom hatte und wegen der Kameradschaft“. So einfach ist die Gemengelage heutzutage nicht mehr. Wenngleich gerade die technische Ausstattung der Bruchsaler Wehr in den vergangenen Jahren enorm ausgebaut und modernisiert wurde.

Bruchsal setzt auf starke Jugendarbeit

Wie kann man die engagierten Ehrenamtlichen bei der Stange halten und künftig neue Leute davon überzeugen, dass es Spaß macht, nachts zu einem Unfall auszurücken oder die Familie auch am dritten Abend hintereinander am Abendbrottisch zurückzulassen, weil es irgendwo brennt?
„Das wird die spannende Frage sein“, so Molitor, der unter anderem auf eine starke Jugendarbeit setzt und darauf, als Hauptamtlicher mit den Ehrenamtlichen auf Augenhöhe zu agieren.
„Denn eines ist auch klar: Eine hauptamtliche Feuerwehr könnte keiner bezahlen.“