Noch liegt er auf dem Boden. Künftig soll dieser und weitere 37 Wandteppiche die Beletage im Bruchsaler Schloss zieren.
Noch liegt er auf dem Boden. Künftig soll dieser und weitere 37 Wandteppiche die Beletage im Bruchsaler Schloss zieren. | Foto: Heintzen

Wertvolle Wandteppiche

Der Prunk kehrt ins Bruchsaler Schloss zurück

Es sind die kostbarsten Stücke, die das Bruchsaler Schloss zu bieten hat: die Tapisserien. 15 der prunkvollen restaurierten Wandteppiche sind am Montag im Barockschloss eingetroffen und bekommen nun wieder ihren Platz an den Wänden der Beletage. Die wird Ende April 2017 nach langer Restaurierung endlich in ihrem alten Glanz erstrahlen.Und die insgesamt 38 Wandteppiche sollen den 17 Prunkräumen ihren fürstbischöflichen Charakter von einst verleihen.

Fürstbischöfe haben sich den Wandschmuck einiges kosten lassen

Nicht gekleckert, sondern geklotzt haben die Schlossherren bei der Anschaffung der seidenen Teppiche. Die ältesten Exponate stammen aus der Zeit um 1500. Für die Herstellung eines Quadratmeters brauchten die Teppichwirker drei bis vier Monate. Die teuren Stücke waren so freilich meist nur dem Adel vorbehalten. Auch die Restaurierung war nicht eben billig: Rund 70 000 Euro kosteten Reinigung und Ausbesserung der Stücke, die seit 2002 ausgelagert waren. Als erste Exponate kehren sie nun in die Beletage zurück, noch bevor in den nächsten Monaten die restaurierten Möbel eintreffen.
„Das ist sicher die spannendsten Zeit“, berichtet Petra Pechacek, die Konservatorin, die die Wiedereinrichtung leitet. Knapp acht Monate Zeit hat ihr Team jetzt noch, um die 17 Zimmer auszustatten, mit Teppichen, Möbeln und Gemälden – Sicherheitsvorkehrungen für die wertvollen Stücken inklusive. „Wir haben hier die zweitgrößte Tapisserien-Sammlung Deutschlands nach München“, zeigte sich der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten, Michael Hörrmann stolz.

Beeincruckt zeigten sich die Verantwortlichen vom Prunk der alten Stücke
Beeindruckt zeigten sich die Verantwortlichen vom Prunk der alten Stücke | Foto: Heintzen

Zweitgrößte Sammlung Deutschlands

„Jetzt wird das Schloss wieder zum Schloss.“ Michael Hörrmann ist begeistert: Gerade wird ein Laster entladen, dessen Inhalt zum Wertvollsten zählt, was das Barockschloss künftig zu bieten hat.
Dass die prachtvollen Stücke einst auch das sicher schwer zu beheizende Barockschloss warm gehalten haben, ist wohl nur am Rande erwähnenswert. Viel wichtiger ist die dekorative und zeremonielle Bedeutung dieser Tapisserien.

Feierlicher Moment

Beinahe feierlich war den beteiligten Restauratorinnen und Verantwortlichen zumute, als anlässlich eines Pressetermins der erste Teppich entrollt wurde. Er zeigt den Perserkönig Ahasveros, der seine künftige Gemahlin in königliche Ehren erhebt. Gewebt wurde das wertvolle Stück um 1600 in Belgien. Nach Bruchsal kam es wohl um 1750.
Rund drei Monate Arbeit haben die Fachleute zuletzt in die sorgsame Restaurierung gesteckt, damit dieser und die weiteren Teppiche demnächst wieder von den Wänden des Schlosses strahlen können. Neben biblischen Motiven werden mythologische Teppich-Serien zu sehen sein, abstrakte Themen, Tiere und Pflanzen, Stillleben und ornamentale Muster, erklärt Kunsthistorikerin Katharina Rhone.

Tapisserien wurden in Belgien gereinigt

Die Tapisserien sind rumgekommen über die Jahrhunderte, seitdem die Fürstbischöfe sie seinerzeit anschafften und damit ihre prunkvollen Zimmer ausschmückten. Über die Kriegsjahre waren sie ausgelagert. Zuletzt an den Wänden in Bruchsal zu sehen waren sie 2002. Seither lagerten sie in Karlsruhe ein, bevor sie zunächst untersucht wurden und zur Reinigung eigens nach Mechelen in Belgien verschickt wurden. „Dort arbeiten spezialisierte Werkstätten als Tapisserie-Wäschereien für ganz Europa, die für Wirkteppiche dieser Größe – einige der Exponate besitzen eine Größe von mehr als 20 Quadratmetern – ausgelegt sind“, erklärt Pechacek.
Danach arbeiteten Textil-Restauratorinnen aus ganz Deutschland daran, Löcher und Risse auszubessern und die Teppiche so zu präparieren, dass sie weitere Jahrzehnte das Schloss schmücken können. Die nächsten Wochen gilt es, die Wandteppiche aufzuhängen: Fast so kompliziert wie die Restaurierung ist die Hängung und Verteilung in den Räumen der Beletage. Per Klettband werden sie auf vorinstallierte Tableaus aufgebracht.
Nun werden die Räume mit den ebenfalls restaurierten Möbeln ausgestattet, bevor laut Zeitplan im April 2017 die Beletage wieder für das Publikum zugänglich ist.