LASSEN SICH DEN APPETIT NICHT VERDERBEN: Karlheinz (links) und Andreas Löffler schätzen auch am Tag nach der Wahl die Burger und das amerikanische Flair im „American Diner“. Bedienung Samina Naz hätte im Zweifel wohl eher Donald Trump gewählt.
LASSEN SICH DEN APPETIT NICHT VERDERBEN: Karlheinz (links) und Andreas Löffler schätzen auch am Tag nach der Wahl die Burger und das amerikanische Flair im „American Diner“. Bedienung Samina Naz hätte im Zweifel wohl eher Donald Trump gewählt. | Foto: Heintzen

Bruchsaler zur US-Wahl

„Ich bin kurz vorm Platzen“

280 Gramm saftiges Rindfleisch, knuspriger Bacon und eine Ladung Pommes – der große American Diner Burger ist der Verkaufsschlager im gleichnamigen Restaurant in der Bruchsaler Werner-von-Siemensstraße. Als Vater und Sohn Löffler gestern Mittag in ihren Burger beißen, läuft im Hintergrund auf N24 Angela Merkels Stellungnahme zum Ausgang der US-Wahl.

Das ist ein Weckruf für die ganze Welt

Karlheinz Löffler lässt sich von Donald Trumps Sieg nicht den Appetit verderben. Sein Sohn Andreas gibt sich nachdenklich. Er ist gestern Nacht um vier Uhr aufgestanden und hat den Wahlausgang im Fernsehen verfolgt. „Das ist ein Weckruf für die ganze Welt, Amerika nicht immer die Verantwortung alleine zu überlassen“, so Löffler-Junior. Sein Vater spricht von der „Macht der Nichtwähler“. „Jetzt haben sie endlich mal gewählt und prompt den Falschen. Trump hat genausoviel politische Erfahrung wie ich“, erklärt er ziemlich ernüchtert.

Diner ist Treffpunkt für Amerikaner

Seit 2000 führt die Familie Eberhardt neben ihrer Tankstelle den typischen Diner: Route-66-Schilder, Marilyn Monroe an der Wand, Amerika-Flagge, dicke Burger, Coca-Cola – das ganze Programm. Der Diner ist längst auch Treffpunkt für echte Amerikaner geworden, berichtet Betriebsleiterin Julia Eberhardt. Dean Sakai ist einer von ihnen. Im Gespräch mit der Bruchsaler Rundschau ist der Deutsch-Amerikaner „kurz vorm Platzen“. „Ich konnte mir das bis heute Morgen nicht vorstellen. Als Demokrat denke ich immer positiv“, erklärt Sakai. Der Bruchsaler ist Sohn eines Amerikaners und einer Deutschen und stammt aus Obamas Heimat Hawaii, aus Honolulu genauer gesagt. „Ich überlege mir, meinen amerikanischen Pass abzugeben. Ich muss das erstmal sacken lassen.“

Dax und Doller im grünen Bereich

Als der Bruchsaler Mineralölhändler Werner Eberhardt im Jahr 2000 das amerikanische Restaurant eröffnet hat, hat in Deutschland noch niemand über Burger gesprochen. Heute ist das anders. Als er um die Mittagszeit den Laden betritt, hat er schon die Ölpreise gecheckt, den Dax und den Dollar überprüft – „alles im grünen Bereich“.
Mittlerweile hat sich sein Diner in Bruchsal etabliert, heute spielt ihm die Burger-Welle in die Karten. „Vieles schwappt ja nach ein paar Jahren von Amerika zu uns rüber. Aber dass es mal in Deutschland einen Politiker gibt wie Donald Trump, das kann ich mir nicht vorstellen“, so Eberhardts erste Einschätzung.

Ich hab‘ nur gedacht: ,Oh my God‘

Gerade betritt eine Gruppe junger Leute das Restaurant. Kollegen aus dem Triwo-Technopark sind herübergekommen zum Mittagessen. Ein leicht fatalistisches Lachen, als man sie auf Trumps Wahlsieg anspricht: „Ich bin heute Morgen aufgewacht und habe nur gedacht: ,Oh my god!’“, erklärt ein junger Mann. „Ich bin gespannt, was er von dem, was er angekündigt hat, tatsächlich umsetzen wird.“ „Ich habe noch keinen getroffen, der diesen Wahlausgang gut findet“, berichtet sein Tischnachbar.

 

Da kannten sie vielleicht noch nicht die Einschätzung von Samina Naz: Seit April bedient sie im Diner und sie findet: „Donald Trump ist der einzige Politiker, der wirklich sagt, was er denkt. Ich bin kein Fan von ihm, aber ich hätte eher ihn gewählt.“ Trump gegen Clinton sei für sie wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Dass es wieder nicht gereicht hat für eine erste Präsidentin der Vereinigten Staaten, spielt für die 31-jährige Frau keine Rolle. „Das ist mir letztlich egal. Es wird so oder so eine Krise geben.“
Während seine zwei Cheeseburger noch auf dem Grill brutzeln, äußert auch Heinz Holweck seine Bedenken. „Donald Trump ist unberechenbar. Diesem Mann möchte ich nicht gerne die Codes für die Atomwaffen geben.“