EIN „KLASSISCHER WEINBRENNNER“ ist die Thomaskirche in Pfinztal-Kleinsteinbach, die 1999 außen renoviert wurde.
EIN „KLASSISCHER WEINBRENNNER“ ist die Thomaskirche in Pfinztal-Kleinsteinbach, die 1999 außen renoviert wurde. | Foto: Müller

Kirchen im Landkreis

Weinbrenner wirkte auch in der Provinz

Das Wirken des großherzoglichen Baumeisters Friedrich Weinbrenner, dessen 250. Geburtstag sich vor wenigen Taten jährte, reichte weit in die Region – beispielsweise nach Kleinsteinbach und Wössingen. In beiden Orten stehen Kirchen, die Weinbrenner (1766 bis 1826) plante.

Kleinsteinbach

Das evangelische Gotteshaus im östlichsten Pfinztaler Ortsteil wurde in den Jahren 1807 bis 1817 nach den Plänen Weinbrenners im klassizistischen Stil erbaut. An ihrem Standort in Kleinsteinbach befand sich die alte Thomaskirche, die zwischen 1350 und 1400 errichtet worden und vom alten Friedhof umgeben war.
Der Bau zog sich lange hin, weil zwischenzeitlich das Geld knapp war. Auch bautechnisch war das Projekt kompliziert: Wegen des sumpfigen Untergrunds musste das Gotteshaus auf Eichenroste gestellt werden. Das machte sich in den Kosten bemerkbar – mit 27 000 Gulden hat das Gebäude ungefähr dreimal so viel gekostet, wie von Friedrich Weinbrenner veranschlagt worden war. 1838 wurde, um weitere Sitzplätze zu gewinnen, insgesamt etwa 600, die Empore vergrößert.

Historische Farbgebung

Für die bauliche Unterhaltung der Kirche ist der Staat zuständig, die Kirchengemeinde in Kleinsteinbach muss sich jedoch beteiligen. Am 3. Oktober 1981 stürzte ein großes Stück der Decke herab, und die Kirche musste für mehr als zwei Jahre geschlossen werden. Die Sanierung wurde genutzt, um die Kirche behutsam umzugestalten und technisch auf Vordermann zu bringen. 1999 wurde die Kirche außen renoviert. Nach eingehenden Untersuchungen und Beratungen, heißt es auf bei der Gemeinde, entschied man sich für die Farbgebung, die die Kirche nach Befunden wahrscheinlich bei der Einweihung hatte.

Wössingen

Die evangelische Pfarrkirche in Wössingen wurde 1817 bis 1822 errichtet. Sie ist ein geschütztes Baudenkmal und bekannt für ihre prominente Lage. Die Pläne für das Gotteshaus sind von Friedrich Weinbrenner entworfen worden. Die Grundsteinlegung fand am 21. Oktober 1817, die Einweihung am 21. April 1822 statt. Die ganz klassizistisch gehaltene Kirche liegt am oberen Ende einer langen Freitreppe und dominiert den Ort. Der Kirchturm ist an der Vorderseite des Langhauses, dessen Eingang in einer hohen, als Triumphbogen konzipierten Nische liegt.

Tatkräftige Unterstützung

In der Literatur („Badische Wanderungen“) finden sich Hinweise, dass Friedrich Theodor Fischer als Schüler und wichtiger Mitarbeiter Weinbrenners in Karlsruhe die Zeichnungen gefertigt und vermutlich auch die Ausführung beaufsichtigt hat.
Man dürfe gleichwohl davon ausgehen, dass Weinbrenner den Gebäudeentwurf verantwortete. Die hohe gestalterische Qualität spreche jedenfalls deutlich für ein wie auch immer geartetes Mitwirken Friedrich Weinbrenners.