Das Bühler Kino "Blaue Königin" schließt zum 30. Juni seine Pforten. | Foto: Bernhard Margull

Bühler Kino schließt Ende Juni

Die Leinwand bleibt bald dunkel

„Heutzutage ist das Kino nur noch ein schöner Traum“: Dieser Satz fällt im italienischen Spielfilm „Cinema Paradiso“ über ein sizilianisches Kleinstadtkino von den euphorischen Anfängen bis zum traurigen Ende – dem Abriss. In Bühl ist der Traum bald vorüber, die Tage des Kinos sind gezählt: „Ich schließe die ’Blaue Königin’ definitiv zum 30. Juni“, bestätigte Kinobetreiber Uwe Bauer auf Anfrage. Das „Tivoli“ in Achern wird er bis zum Jahreswende weiterführen, dann fällt auch dort der letzte Vorhang. Damit tritt ein, was schon länger befürchtet wurde.

Grundstück ist bereits verkauft

Wie Bauer berichtet, habe der Besitzer der „Blauen Königin“ das Gebäude samt Grundstück mittlerweile an einen Investor verkauft. Welche Pläne dieser damit verfolgt, ist unbekannt; laut Oberbürgermeister Hubert Schnurr werde es in den kommenden Tagen ein Treffen mit dem neuen Besitzer geben. Vieles dürfte für eine Wohnbebauung auf dem etwa 1 800 Quadratmeter großen Areal sprechen. Nach ABB-Informationen hatten sich mindestens drei Investoren für das Grundstück interessiert; zwei davon stammten aus der Region, den Zuschlag erhielt wohl der dritte.

Ein-Saal-Kinos auf verlorenem Posten

Dass beim neuen Besitzer klare Vorstellungen für die weitere Nutzung herrschen dürften, leitet sich daraus ab, dass Uwe Bauer schon ein halbes Jahr vor dem Ablauf des wie in Achern noch bis Jahresende laufenden Pachtvertrags aussteigt: „Ich bin gefragt worden, ob ich auch schon früher aufhören würde, und ich habe aus betriebswirtschaftlichen Gründen ’Ja’ gesagt.“ Der Kinobetrieb ist für ein kleines Unternehmen alles andere als rentabel: „Ich schieße zu“, sagt Bauer. Da er zwei Standorte betreibe, brauche er zwangsläufig Personal, und die Rahmenbedingungen seien für kleine Kinos schon seit längerer Zeit sehr schwierig. Ein-Saal-Kinos stünden auf verlorenem Posten: Eine Zeit lang habe er mit der Idee gespielt, in Bühl und Achern aufzuhören und stattdessen etwa in Ottersweier ein Kino mit fünf Sälen zu errichten. Nur so könne man als kleiner Akteur den Großen der Branche trotzen.

Seit 20 Jahren in der Branche

Seine Eltern hätten das Kinogeschäft ihr Leben lang betrieben, er selbst sei seit 20 Jahren dabei und wisse daher nur zu gut, wie aufreibend diese Arbeit ist: „Es ist immer was, und man muss sieben Tage in der Woche verfügbar sein“. Kinostandorte wie in Bühl könnten nur überleben, wenn der Betreiber das „als Hobby sieht und es sich leisten kann“. Oder es gibt ein ehrenamtliches Engagement: „In vielen Kommunen wird das Kino über einen Verein betrieben, und dafür stehen auch verschiedene Fördertöpfe zur Verfügung.“ Dieser Zug ist in Bühl allerdings am Standort in der Karl-Reinfried-Straße abgefahren. In Achern wolle der Besitzer das Kino erhalten, sagt Bauer. Dort sind auch andere Veranstaltungen denkbar; so waren im Tivoli nach dem Umbau 1991 auch Kleinkunstabende eingeführt worden, die Stadt habe deswegen auch einen Zuschuss zum Umbau bewilligt.
Nun geht es im in den 1950er Jahren in Bühl errichteten Kino „Blaue Königin“ auf die letzten Meter. Ab dem 1. Juli hat Bauer noch etwas Zeit zum Ausräumen. Das Inventar wird er zum Verkauf anbieten, etwa Stühle oder Lampen; erste Interessenten dafür gebe es schon. Die Technik wiederum dürfte allenfalls für Sammler von Interesse sein, meint Bauer.

Open-Air-Kino bleibt erhalten

Aus der Kinobranche will sich Uwe Bauer im Übrigen aber keineswegs komplett zurückziehen. Er werde auch weiterhin das „Open-Air-Kino der Region“ anbieten, so etwa in diesem Sommer in Sinzheim und in Müllheim im Markgräfler Land. Diese Schiene solle auch weiter ausgebaut werden, kündigt Bauer an. Für Achern etwa könnte es bereits in diesem Jahr ein „Silent Movie“ geben: eine Open-Air-Aufführung, bei der der Ton über Kopfhörer zu den Zuschauern gelangt. Hier müssten allerdings noch offene Fragen geklärt werden. Und Bauer sieht sich mit seiner Technik auch so ausgestattet, dass jederzeit Filmvorführungen in Hallen organisiert werden können.