Nicht nur eine Straße ist in Bühl nach Alban Stolz benannt.
Nicht nur eine Straße ist in Bühl nach Alban Stolz benannt. | Foto: Lienhard

Antisemitische Schriften

Diskussion um Alban Stolz erreicht Bühl

In einem Grundsatzbeschluss hat der Freiburger Gemeinderat mit klarer Mehrheit die Umbenennung von zwölf Straßennamen beschlossen. Zwei der davon betroffenen Namen lassen auch in Bühl aufhorchen: die Hindenburgstraße und die Alban-Stolz-Straße. Die nach dem Feldmarschall und Reichspräsidenten benannte Straße trägt in Bühl bereits seit 2013 den Namen Herbert-Odenheimer-Straße; die dem katholischen Priester und Publizisten gewidmete Alban-Stolz-Straße könnte jetzt wieder in den Blickpunkt rücken. Schon um die Jahrtausendwende hatte es Diskussionen gegeben, sie versandeten aber bald wieder. Über Jahrzehnte galt Stolz als der „größte Sohn“ Bühls, mittlerweile findet er jedoch kaum noch Beachtung: Der 200. Geburtstag im Jahr 2008 beispielsweise gab keinen Anlass zu Feiern. Die Ursache für die Distanz liegt in antisemitischen Ausfällen, die sich in Stolz’ Schriften finden – sie sind auch der Grund dafür, dass der Name in Freiburg von den Straßenschildern verschwinden soll.

Thema in Fraktionsvorsitzendenrunde

Freiburg war eine Expertenkommission mit einer Überprüfung der Straßennamen beauftragt worden. Diese hatte nach dreijähriger Recherche ihre Ergebnisse vorgelegt und die Umbenennung von zwölf Straßennamen empfohlen. Eine von der Badischen Zeitung in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage ergab in der vergangenen Woche, dass 51 Prozent der Freiburger die Umbenennung ablehnen. Bei Oberbürgermeister Hubert Schnurr in Bühl ist das Thema bereits auf dem Schreibtisch gelandet, er war schon auf die Diskussion in Freiburg aufmerksam gemacht worden. Morgen will er mit den Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen besprechen, ob die Frage der Straßenbenennung nach Alban Stolz auf die kommunalpolitische Tagesordnung gesetzt werden soll. Oswald Grißtede, der SPD-Fraktionsvorsitzende, wohnt in der Alban-Stolz-Straße. Er wisse, dass Stolz als Antisemit gelte, inwieweit der Vorwurf zutreffe, könne er aber aufgrund zu geringer Informationen nicht beurteilen. Grißtede weist auch daraufhin, dass bei vielen Persönlichkeiten der Geschichte verbale Ausfälle bekannt seien. Andererseits müsse, „wenn Dinge auftauchen, die bestimmte Wertungen in einen anderen Licht erscheinen lassen, darüber geredet werden“. Deshalb sei er für eine Diskussion offen.

Pfarrer mahnt zu genauem Blick
Auch Wolf-Dieter Geißler hat die Debatte in seiner Heimatstadt verfolgt. Der Bühler Pfarrer sieht die Sache differenziert: Die Auslassungen von Stolz seien nicht zu entschuldigen, andererseits blicke Geißler als Kolping-Diözesanpräses auf Stolz auch als Gründer der ersten Freiburger Kolpingsfamilie, und die Kolpingsfamilien hätten mit dem Antisemitismus ganz und gar nichts zu tun. Geißler erinnert daran, dass sich die Pfarrgemeinde im vergangenen Jahr intensiv mit Alfons Deißler befasst habe. Der aus Weitenung stammende Alttestamentler habe in der Forschung die historisch-kritische Methode vorangebracht, nach der historische Texte im Umfeld ihrer Zeit betrachtet werden müssen – das empfiehlt Geißler auch für Alban Stolz. Beim Alban-Stolz-Haus der Pfarrgemeinde gebe es aktuell keine Diskussionen um den Namen. Die Alban-Stolz-Kapelle auf dem Friedhof wiederum existiert so nur im Volksmund: Ihr tatsächlicher Name lautet Maria zum Trost.

 Priester und Professor

Als Sohn eines Apothekers ist Alban Stolz am 3. Februar 1808 in Bühl geboren worden. Nach dem Abitur in Rastatt suchte er einige Zeit nach dem richtigen Studienweg: Er wechselte zwischen den Fächern (Rechtswissenschaft, katholische Theologie, Philosophie, Pädagogik und Literatur) und den Universitäten (Freiburg und Heidelberg), am Ende entschied er sich für die Theologie in Freiburg. 1833 wurde er zum Priester geweiht. Er wirkte in Rotenfels und Neusatz (wo heute der Alban-Stolz-Weg an ihn erinnert) als Vikar, unterrichtete am Gymnasium in Bruchsal, wurde 1845 Direktor am Theologischen Konvikt in Freiburg. 1848 wurde er ordentlicher Professor für Pastoraltheologie und Pädagogik an der Universität. Stolz starb am 16. Oktober 1883 in Freiburg und ist in der Bühler Friedhofskapelle Maria zum Trost begraben.

„Antisemitisches Wahnsystem“

Bekannt gemacht haben ihn seine „Kalender für Zeit und Ewigkeit für das gemeine Volk und nebenher für geistliche und weltliche Herrenleute“, die in vielen Auflagen erschienen sind. Hier finden sich allerdings auch jene Passagen, die den Volksschriftsteller für die Freiburger Expertenkommission zu einem „der wichtigsten antisemitischen Publizisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“ machten. Seine Sprache sei durchzogen von Insekten- und Seuchenmetaphern, und er gehe weit über die in seiner Zeit verbreiteten antijüdischen Vorurteile hinaus. Die Rede ist von einem „antisemitischen Wahnsystem“, das er „letztlich erbbiologisch und damit rassisch“ begründet habe. Da er viele Leser gehabt habe, habe Stolz in seiner Zeit einen großen Einfluss gehabt.