ZWEI STROMTRASSEN führen an Weitenung vorbei (hier auf Höhe der Wendelin-Ernst-Straße): links die 220-Kilovolt-Leitung und rechts die 380-Kilovolt-Leitung.
ZWEI STROMTRASSEN führen an Weitenung vorbei (hier auf Höhe der Wendelin-Ernst-Straße): links die 220-Kilovolt-Leitung und rechts die 380-Kilovolt-Leitung. | Foto: Lienhard

Bürgerinitiative in Weitenung

Widerstand gegen Stromtrassenpläne

Im Bühler Stadtteil Weitenung hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die beim Ausbau der Stromtrasse auf eine stärkere Beachtung gesundheitlicher Belange pocht. Dafür kämen aus ihrer Sicht zwei Möglichkeiten infrage: Die Leitung verschwindet im Boden, oder die Trasse wird deutlich weiter vom Ort abgerückt als bislang geplant.
Die Freileitungen machen den Mitgliedern der Bürgerinitiative schon länger Sorgen, wie Bernd Schorpp berichtet, der neben Ute Haßmann und Thomas Frietsch einer der Ansprechpartner der Bürgerinitiative ist. Von Halberstung kommend, führen derzeit zwei Leitungen nahe am Ort vorbei: eine 220-KV-Leitung und eine 380-KV-Leitung. Als im vergangenen Spätjahr die Pläne zur Ertüchtigung der 220-Kilovolt-Trasse auf 380 Kilovolt öffentlich wurden, gingen verschiedene Bürger auf Stadt- und Ortsverwaltung zu, das Ziel: „Wir wollten als direkt Betroffene eingebunden sein in die Pläne.“ Im Juni habe man sich erstmals getroffen und im Juli die Bürgerinitiative gegründet. Etwa 30 bis 40 Frauen und Männer seien darin aktiv.
Die Bürgerinitiative hat zwei zentrale Forderungen. Die erste betrifft den Gesundheitsschutz. Die Grenzwerte in Deutschland seien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr hoch, kritisiert Ute Haßmann, die niedrigeren Vorsorgewerte und Empfehlungen neutraler Institute würden ignoriert. Das sei in Weitenung auch mit Blick auf den Kindergarten an der Ecke Weitenunger Straße/Gleißlestraße problematisch. Gerade Kinder seien besonders gefährdet. So gäben epidemiologische Studien Hinweise darauf, „dass ein Zusammenhang zwischen der Exposition mit elektromagnetischen Feldern und Kinderleukämie besteht“, wie das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag schreibt.
Die zweite Forderung der Weitenunger Initiative bezieht sich auf eine klare Bürgerbeteiligung. „Wir wollen eine Diskussion auf Augenhöhe“, sagt Schorpp. Eine Informationsveranstaltung in der Rheintalhalle habe diesem Anspruch nicht genügt. Bei einem Treffen mit Vertretern von Transnet, Ortsverwaltung und Gemeinderat sei der Wunsch der Bürgerinitiative, einen eigenen Informationsstand aufzubauen, ebenso abgelehnt worden wie eine Podiumsdiskussion, die eine klare Dokumentation erlaubt hätte.
Zu viele Fragen seien noch ungeklärt, andere noch gar nicht angesprochen worden. Gleichzeitig werde manches Detail schon kategorisch ausgeschlossen, kritisieren Ute Haßmann und ihr Ehemann Daniel.
Das gilt etwa für die Erdverkabelung, die laut Transnet auch aus Kostengründen nicht infrage kommt. Das Kostenargument wird nicht verworfen, allerdings weist die Bürgerinitiative darauf hin, dass in anderen Teilen Deutschlands sehr wohl schon so vorgegangen worden sei, zumindest zu Testzwecken: „Warum also hier nicht, wo sich das Gelände für ein Pilotprojekt geradezu anbietet?“, fragt Ute Haßmann.
Alternativ müsste die neue Trasse aus Sicht der Bürgerinitiative weiter nach Westen verlegt werden. 400 bis 600 Meter schlägt der BUND vor, eine Größenordnung, über die man in Weitenung erfreut wäre.
„Das vorliegende Angebot, 35 Meter weiter vom Ort abzurücken, ist jedenfalls nicht diskutabel“, stellt Ute Haßmann klar. In der Bürgerinitiative ist man sich einig: Jetzt biete sich die historische Chance, eine für den Ort optimale Lösung zu erkämpfen. Was jetzt festgelegt werde, das werde Jahrzehnte Bestand und Auswirkungen haben. Genau deswegen will die Bürgerinitiative weiter am Drücker bleiben. In der Stadt- und Ortsverwaltung seien „unsere Argumente angekommen“, sagt Bernd Schorpp. Gemeinsam wolle man daran arbeiten, die Trasse weiter zur Autobahn zu verschieben.
Mit Transnet habe man sich bereits auf ein weiteres Treffen nach den Sommerferien verständigt. Klar ist aber bereits jetzt, so Ute Haßmann, dass man von dem Unternehmen neue Vorschläge erwartet: „Was es bisher angeboten hat, reicht nicht aus.“

Hintergrund

Die Firma Transnet BW, eine Tochter -GmbH der EnBW, will die 220-Kilovolt-Stromleitung von Daxlanden bis Eichstetten auf 380 Kilovolt aufrüsten. Der Grund dafür liegt nach Firmenangaben in den zunehmenden Anforderungen an das Übertragungsnetz im Zuge der Energiewende und der Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit.
Für den Ausbau der Trasse müssen Masten und Leiterseile ausgetauscht oder auch neu errichtet werden. Für das kommende Jahr ist der Beginn des Planfeststellungsverfahrens vorgesehen, einen Baubeginn für die Netzverstärkung erhofft sich das Unternehmen für das Jahr 2019. Als Bauzeit werden insgesamt drei Jahre veranschlagt.
In Weitenung soll auf einem Teilstück die 220-Kilovolt-Trasse auf die bestehende 380-Kilovolt-Trasse umgelegt werden und dann etwa 35 Meter weiter westlich ein weiteres Trassenstück entstehen. Um einen größeren Abstand zur Wohnbebauung in Weitenung zu erreichen, ist geplant, zwei Masten der Parallelleitung nach Westen zu versetzen und deren Trassenraum für die neu zu errichtenden Maste zu nutzen. Dadurch wird der Abstand zum Siedlungsrand etwa verdoppelt.