Eine Hebamme neben einem Säuglingsbett: Mit einer Online-Petition setzen sich Bürger aus der Region für den Erhalt der Bühler Geburtshilfe ein. Foto: Arno Burgi/dpa
Eine Hebamme neben einem Säuglingsbett: Mit einer Online-Petition setzen sich Bürger aus der Region für den Erhalt der Bühler Geburtshilfe ein. Foto: Arno Burgi/dpa

Petition für Geburtshilfe Bühl

Wütende Mütter organisieren Widerstand

Gegen die angekündigte Schließung der Geburtshilfe im Bühler Krankenhaus formiert sich der Widerstand: Eine Online-Petition für den Erhalt der Geburtshilfestation haben in kürzester Zeit mehrere hundert Personen unterzeichnet. „Wir wütenden Mütter wollen die Schließung nicht einfach so hinnehmen“, heißt es dazu aus dem Kreis der Initiatorinnen. Die Bühler Geburtshilfe sei eine familiäre Einrichtung, deren Mitarbeitern man auch im Alltag immer wieder begegne, und dieser persönliche Kontakt garantiere ein Vertrauensverhältnis, das gerade bei einer Geburt außerordentlich wichtig sei. Das unterscheide Bühl von anderen Kliniken, in denen die Frauen nicht mehr als eine anonyme Nummer seien.
Die Petition lautet wörtlich: „Wir fordern den Erhalt dieser für uns so wichtigen Einrichtung. Lieber Herr Jung, lieber Herr Landrat Bäuerle, lieber Herr Oberbürgermeister Schnurr, setzen Sie sich dafür ein, dass eine einwandfreie medizinische Versorgung wieder möglich wird, anstatt diese wichtige Einrichtung aufzugeben.“
Zur Begründung wird ausgeführt: „Mit der Entbindungsstation verlieren die Bühler Frauen und Schwangere aus den Umlandgemeinden die Möglichkeit, ihr Kind wohnortnah und in einer familiären Umgebung zur Welt zu bringen. Die Geburtshilfestation in Bühl wird von vielen Familien besonders wegen ihrer eins-zu-eins-Betreuung geschätzt. Die Frauen fühlen sich dort sicher. Selbst bei der aktuellen wohnortsnahen Kliniksituation gibt es circa fünf Frauen pro Jahr, die ungeplant zu Hause oder im Auto ohne Hebamme gebären. Aufgrund des weiteren Anfahrtswegs wird sich diese Anzahl erhöhen und somit auch das Risiko von Komplikationen. Die Geburt ist ein natürlicher Prozess. Viele Frauen wünschen sich daher ihr Kind, wenn schon nicht zu Hause, dann wenigstens wohnortnah gebären zu können. Mit der Schließung geht somit eine weitere Wahlmöglichkeit verloren.“
Auf der Plattform openPetition war das Begehren am Mittwochabend gestartet worden. Dabei handelt es sich nach Betreiberangaben um eine freie und gemeinnützige Plattform, „auf der Bürger ein gemeinsames Anliegen öffentlich machen, sich organisieren und in den Dialog mit der Politik treten“. Rasch zog die Petition weite Kreise. Auf Facebook wurde sie zigfach geteilt. Gestern Nachmittag hatte sie bereits 807 Unterstützer, von denen 477 aus Bühl stammen.
Letztere Zahl ist von Bedeutung, da openPetition ein Quorum festsetzt. Wird dieses erreicht, holt die gemeinnützige Plattform von den zuständigen gewählten Vertretern eine Stellungnahme zur Petition ein. Für das Quorum selbst werden nur die Bühler Unterschriften gewertet, auch wenn dies ausklammert, dass die Geburtshilfe auch für die umliegenden Ortschaften zuständig ist. Doch auch so dürfte das Quorum locker erreicht werden. Die Petition läuft insgesamt 60 Tage, 630 Unterzeichner aus Bühl werden benötigt.
Dass ihr Anliegen so rasch so viel Unterstützer findet, hätten die Initiatorinnen nicht erwartet. Jetzt hoffen sie darauf, dass ihre Initiative zu einem Umdenken führt. Die Bühler Geburtsthilfe habe viele Alleinstellungsmerkmale, das könne man nicht einfach aufgeben, zumal in den kommenden Jahren auch durch Zuzug ein Ansteigen der Geburtenzahlen zu erwarten sei. Deshalb sei vor allem eines gefordert: „Ideenreichtum der Klinikleitung“.
Hier geht’s zur Petition.