Im Zentrum des Campus Bühl stehen Realschule (links) und Mediathek (rechts).
Im Zentrum des Campus Bühl stehen Realschule (links) und Mediathek (rechts). | Foto: Ulrich Coenen

Architektenwettbewerb

Zu wenige Bewerber für „Campus Bühl“

Die Reaktion ist verhalten. Nur 15 Interessenten haben sich bisher für den zweistufigen Architektenwettbewerb „Campus Bühl“ beworben. Weitere sechs Büros beziehungsweise Arbeitsgemeinschaften aus Mittel- und Südbaden hat die Stadt gesetzt. Die Kommune hofft für dieses wichtige Projekt auf wertvolle Impulse und will deshalb an dieser europaweit ausgeschriebenen Konkurrenz insgesamt 30 Teilnehmer beteiligen. Jetzt endete die Bewerbungsfrist, und dieses ehrgeizige Ziel rückte damit zunächst in unerreichbare Ferne. Nun sind weitere Bewerbungen bis zum 21. November möglich.

Strenge Kriterien

Außerdem hat die Stadt die strengen Kriterien und den Zeitplan für den Wettbewerb in ihrem 42 Seiten umfassenden Auslobungstext modifiziert. Wie berichtet, bezieht sich die erste Stufe auf eine städtebauliche Aufwertung des Gebietes zwischen Friedrichstraße, Eisenbahnstraße, Güterstraße und Rheinstraße (8,3 Hektar). In der zweiten Stufe geht es um die Realisierung eines Hochbaus für eine Mensa/Jugendcafé in der Nachbarschaft von Aloys-Schreiber-Schule und Carl-Netter-Realschule.
Teilnahmeberechtigt waren bislang ausschließlich Büros und Arbeitsgemeinschaften, denen neben Architekten zusätzlich Stadtplaner und Freiraumplaner (also Landschaftsarchitekten) angehören. Jetzt reicht es, wenn der Architekt einen Stadtplaner oder einen Freiraumplaner als Partner für den Wettbewerb gewinnt. Zusätzlich mussten die Teilnehmer Erfahrung im Schulbau nachweisen. Das ist nun nicht mehr nötig. Die neuen Kriterien wurden deutlich weiter gefasst. Jetzt reicht ganz allgemein Erfahrung im Kommunalbau.

Hoher Arbeitsaufwand für Verwaltung

Von den 15 Interessenten, die sich bislang für die Konkurrenz interessiert haben, erfüllten sechs die strengen Vorgaben nicht. Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtplanung, Hochbau und Klimaschutz im Rathaus, ging auf Anfrage dieser Zeitung gestern davon aus, dass auf der Basis der modifizierten Kriterien nun alle bisherigen Interessenten zugelassen werden können. Gleichzeitig verteidigte sie die strenge Auswahl, die gerade jungen Büros kaum eine Chance lässt. „Wir müssen den Wettbewerb rathausintern begleiten“, argumentierte sie. „Wenn die beteiligten Büros nicht über ausreichende Erfahrung in den speziellen Aufgabenbereichen verfügen, wird der Arbeitsaufwand für uns zu groß. Das können wir nicht leisten.“

Neuer Zeitplan

Auch der sehr enge Zeitplan für den Wettbewerb wurde gedehnt. Ursprünglich sollten die Teilnehmer bereits bis 13. Januar ihre Arbeiten für die ersten städtebauliche Stufe abgeben. An Weihnachtsruhe wäre dann für die beteiligten Architekten nicht mehr ansatzweise zu denken gewesen. Jetzt haben die Planer bis zum 17. Februar Zeit.

Damit verzögert sich auch die zweite Stufe für den Hochbau. Die Abgabe der Pläne ist nun für den 5. Mai vorgesehen. Am 31. Mai tagt das Preisgericht. Barbara Thévenot geht davon aus, dass der Gemeinderat den Auftrag für den Hochbau an den Sieger des Wettbewerbs dennoch vor dem Sommerpause Mitte Juli vergeben kann.

Links zur bisherigen Berichterstattung

Gemeinderat beschließt den Auslobungstext

Interview mit OB Hubert Schnurr

Grundsatzbeschluss des Gemeinderates zum Wettbewerb

 

Kommentar zum Thema

Junge Menschen haben oft innovative Ideen. Diese Binsenweisheit gilt selbstverständlich auch für junge Architekten. Trotzdem werden sie von der öffentlichen Hand regelmäßig durch überzogene Teilnahmebedingungen von wichtigen Wettbewerben ausgeschlossen. Das ist leider auch beim zweistufigen Wettbewerb für den Campus Bühl der Fall.
Nun haben sich deutlich weniger Büros für die Konkurrenz beworben als erhofft und die unsinnigen Kriterien werden aufgeweicht. Das ist gut so, aber längst nicht ausreichend. Offen ist der Wettbewerb damit noch lange nicht. Junge Architekten, die noch relativ wenig Berufserfahrung haben, bleiben auf der Strecke.
Öffentliche Auftraggeber sind der Ansicht, dass nur, wer bereits eine Schule oder ein Schwimmbad gebaut hat, über die notwendigen Kenntnisse verfügt, ein weiteres Projekt dieser Art erfolgreich zu realisieren. Ein Blick zurück zeigt, dass dies Quatsch ist. Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg gewannen 1965 als frisch gebackene Absolventen der TU Braunschweig vor der internationalen Prominenz den Wettbewerb für den Flughafen Berlin-Tegel. Wilhelm Kreis, der Architekt der Bühlerhöhe, siegte als 23-jähriger Student 1896 beim Wettbewerb für das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, drei Jahre später gewann er bei der Konkurrenz um die Bismarcktürme unter 320 eingereichten Entwürfen die drei ersten Preise.
Solche Erfolge sind heute undenkbar, weil die auslobenden Institutionen Berufsanfänger wegen Mangel an Erfahrung gar nicht dabei haben wollen. Damit verzichten sie auf neue Ideen, auf die etablierte Architekten, die in den bisher üblichen Mustern verharren, unter Umständen überhaupt nicht kommen.
Die strengen Kriterien sind in doppelter Hinsicht ungerecht. Sie diskriminieren nicht nur junge Menschen, sondern bevorzugen auch Architekten, die das väterliche Büro oder das ihres früheren Arbeitgebers übernommen haben. Diese Planer haben häufig selbst noch nie eine Schule gebaut, können aber auf die Erfahrung der früheren Büroinhaber verweisen. Diese wenig aussagekräftige Qualifikation reicht dann, um am Wettbewerb teilzunehmen.