Die Stadt Bühl will das Quartier um Bürgerhaus, Realschule und Mediathek weiterentwickeln und lobt einen zweistufigen Architektenwettbewerb aus.
Die Stadt Bühl will das Quartier um Bürgerhaus, Realschule und Mediathek weiterentwickeln und lobt einen zweistufigen Architektenwettbewerb aus. | Foto: Ulrich Coenen

Architektenwettbewerb in Bühl

Neuer Campus als Gegenpol zum Johannesplatz

Es ist ein wichtiger Schritt in die Stadt der Zukunft. Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Hubert Schnurr hat der Gemeinderat vor der Sommerpause einen zweistufigen Architektenwettbewerb für den neuen Campus Bildung und Kultur beschlossen. Konkret handelt es sich um einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für das Quartier zwischen Friedrichstraße, Eisenbahnstraße, Güterstraße und Rheinstraße sowie in der zweiten Stufe einen Entwurf für die neue gemeinsame Mensa der Aloys-Schreiber-Schule und der Carl-Netter-Realschule.

Interdisziplinäre Teams

„Bei diesem Wettbewerb sind interdisziplinäre Teams gefordert“, erklärte Oberbürgermeister Hubert Schnurr, selbst Architekt und Stadtplaner, im Gespräch mit dieser Zeitung. Er nannte neben Architekten Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Verkehrsplaner. „Der Verkehr ist in diesem Quartier ein großes Thema.“ Der OB verweist auf Bahnhof, Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB), Octomedia und Kaufland.
Schnurr will das Quartier nicht isoliert betrachten. Die Wettbewerbsteilnehmer sind angehalten, eine bessere Anbindung zum Stadtgarten, zur Großsporthalle in der Steinstraße und zur Innenstadt zu entwickeln. Außerdem sind die Weiterentwicklung des Raumprogramms für Aloys-Schreiber-Schule und Realschule sowie neue Ideen für die optimierte Nutzung der beiden „Solitäre“ Bürgerhaus Neuer Markt und Mediathek gefordert. Insgesamt soll die Aufenthaltsqualität im neuen Campus Bildung und Kultur nachhaltig verbessert werden.

Jugendcafé soll realisiert werden

Schnurr hat ehrgeizige Pläne. Er denkt an einen „Gegenpol“ zum Johannesplatz. Dabei will der Oberbürgermeister das dortige Publikum aber nicht verlagern. „Aus meiner Sicht besteht Bedarf für ein alternatives Angebot“, sagte Schnurr. Er verweist auf die mehr als 1500 Schüler in diesem Bereich sowie den ZOB und den Bahnhof, die für weitere Frequenz sorgen.
Der OB will das von der Jugend seit langem gewünschte Jugendcafé im neuen Campus realisieren. „Entweder in der Mensa oder in einem anderen Gebäude“, erklärte er. Aus Schnurrs Sicht fehlen im Quartier neben dem griechischen Restaurant am Europaplatz vor dem Bürgerhaus Neuer Markt weitere gastronomische Angebote.

Ideen für den Platz Vilafranca gesucht

Der Platz Vilafranca zwischen Mediathek und Realschule und der Parkplatz vor dem Octomedia sind gestalterisch wenig anspruchsvoll und werden ebenfalls ein Aspekt des Wettbewerbs sein. Die Probleme um den Platz Vilafranca sind allerdings hausgemacht.
Die Außenanlagen für Mediathek und Realschule hat seinerzeit in Zusammenarbeit mit dem Büro Wurm + Wurm, das den Wettbewerb gewonnen hatte, der Landschaftsarchitekt Dietmar Herz geplant. Er wurde allerdings vom städtischen Tiefbauamt mit den bekannten Folgen ausgebootet.
Dass das von den kommunalen Tiefbauern zu verantwortende Ergebnis nicht gut ist, weiß auch der OB. „Ich wünsche mir Ideen für eine Aufwertung“, erklärte er. „Die sollten funktional und zweckmäßig sein.“

Keine großen Summen

Große Summen kann die Stadt nicht investieren, außerdem hat die Neugestaltung des Markt- und Kirchplatzes Vorrang. Schnurr hofft, dass sich auf dem Platz Vilafranca auch mit „Kleinigkeiten einiges erreichen lässt“. Auf jeden Fall sollen sich die Wettbewerbsergebnisse aus haushaltstechnischen Gründen in mehreren Bauabschnitten umsetzen lassen. Keinen Handlungsbedarf sieht der Rathauschef auf dem Ende der 1980er-Jahre vom Landschaftsarchitekten Hubert Möhrle geplanten Europaplatz (Schnurr: „Ein Architekturplatz“). Möhrle hat den Platz aufwendig auf zwei Ebenen mit Treppe, Kaskaden, Granitpflasterung und Zierkirschbaumgarten gestaltet.

Offener Wettbewerb

Die Stadt plant einen offenen Wettbewerb mit einem ehrgeizigen Zeitplan. Am 6. Juli hat der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss gefasst (wir berichteten), nicht öffentlich hat das Gremium am 20. Juli über die Inhalte des Auslobungstextes diskutiert. Der Wettbewerb soll offen ausgeschrieben werden.
Die Stadt wünscht 50 Teilnehmer in der ersten Stufe. OB Hubert Schnurr will rund fünf Büros mit entsprechender Erfahrung im Bereich des Schulbaus aus der Region setzen, weitere Teilnehmer werden aufgrund ihrer Bewerbung zugelost.
Mit der Organisation hat der Gemeinderat das Architekturbüro Thomas Thiele (Freiburg) beauftragt. Der Wettbewerb hat in der ersten Stufe vor allem städtebauliche Aspekte, während es in der zweiten Stufe um den Hochbau für die neue Mensa geht.

Ehrgeiziger Zeitplan

So geht es weiter: Am 21. September wird der Gemeinderat den Auslobungstext nicht öffentlich beraten, im November sollen die Teilnehmer ausgewählt werden. Für die Bearbeitung der ersten Stufe haben diese nur einen Monat Zeit, bereits Ende Januar tagt das Preisgericht. Es wählt die zehn Büros mit den überzeugendsten Ergebnissen aus, die in der zweiten Stufe im Februar und März die Pläne für die Mensa konkretisieren können. Das Preisgericht kürt im April den Sieger. Schnurr will noch vor der Sommerpause den Planungsauftrag für die Mensa vergeben. Er rechnet mit einem Investitionsvolumen von drei bis vier Millionen Euro für dieses Gebäude.

Zündende Ideen

In der ersten städtebaulichen Stufe erwartet Schnurr „zündende Ideen“ nicht nur für das Quartier, sondern für die gesamte Innenstadt. Der OB will die Ost-West-Passagen zwischen der City und dem ZOB, zu denen auch der Dreherplatz gehört, stärker betonen. „Wir sammeln auch Ideen für eine zusätzliche Nutzung von Mediathek und Bürgerhaus Neuer Markt“, berichtete er gegenüber die Zeitung. Ob die marode Sporthalle der Aloys-Schreiber-Schule saniert wird, soll ebenfalls der Wettbewerb klären.

Neuordnung des Verkehrs

Im Bereich des Kauflands, der – wie Schnurr hofft – bald durch einen Neubau ersetzt wird, soll die Verkehrsführung neu geregelt werden. Vor allem die Anlieferung für den Einkaufmarkt sei derzeit chaotisch. Die inzwischen ungenutzte Eisenbahnbrücke des früheren Güterbahnhofs über die Rheinstraße könnte in Zukunft genutzt werden. „Ich bin für tolle Ideen offen“, sagt Schnurr. Er will ein „pfiffiges Verkehrskonzept“.
Der OB will die Überplanung des Lörchgeländes, das sich bekanntlich im Privatbesitz befindet, nicht forcieren. „Wir werden die Wettbewerbsteilnehmer aber nicht abhalten, Konzepte zu entwickeln“, erklärte er. Die Villa Walchner (später im Besitz Lörch und Horcher) müsse natürlich in jedem Fall erhalten bleibe.
Drei Büros aus der Region haben bereits vor der offiziellen Auslobung ihr Interesse bekundet.