Kinzig
Zu viel Kies in der Kinzig: Das Wasserkraftwerk (im Hintergrund) bringt nicht die volle Leistung. | Foto: red

Kraftwerke in der Ortenau

Öko-Clinch um eine Menge Kies in der Kinzig

Die umweltfreundliche Energieerzeugung durch die drei modernen Wasserkraftwerke an der Kinzig bei Offenburg ist längst nicht so effektiv wie sie sein könnte. Schuld sind Kies-Ablagerungen unterhalb der Kraftwerke, die das Wassergefälle um bis zu einen Meter verringern. Technisch wäre es ein Leichtes, den Kies wegzubaggern. Doch das wird dem E-Werk Mittelbaden bisher durch das Regierungspräsidium Freiburg verwehrt – aus ökologischen Gründen. Seit mehr als drei Jahren dauert der Streit nun schon an. Jetzt soll ein Gutachten zur Klärung beitragen.

Streit seit drei Jahren

Die Kraftwerke an der Kinzig sind hochmodern und leistungsstark. Vor sechs Jahren hat das E-Werk Mittelbaden die erste Anlage bei Gengenbach in Betrieb genommen, im Jahr darauf folgten zwei weitere Anlagen am Großen Deich in Offenburg und bei Hausach. Die Anlagen sind ein grünes Aushängeschild für den Ortenauer Energieerzeuger, doch zugleich ein Sorgenkind: Denn an der Kinzig steht sich die Ökologie selbst im Weg: Die Kiesbänke sind aus Sicht des Regierungspräsidiums Freiburg wertvolle Laich- und Jungfischhabitate, die als „besonders schützenswert“ erachtet werden. „Die Beseitigung der überströmten Kiesinseln ist für die Erfüllung der WRRL-Anforderungen außerordentlich problematisch, was eine bloße Verlagerung der Lebensräume faktisch ausschließt“, teilte das Regierungspräsidium Freiburg schon im Sommer 2015 mit. Bereits 2013 hatte wegen des leidigen Themas zweimal ein Runder Tisch getagt – ohne Lösungen.

Kritik an Planungen

Indirekt gibt es auch Kritik an den Planungen. Die wasserrechtliche Genehmigung der Kraftwerke erfolgte durch das Landratsamt Ortenaukreis. „Aus fachlicher Sicht sollte den Planern bekannt gewesen sein, dass sich in der Kinzig in Aufweitungsstellen in den damit verbundenen Bereichen mit geringeren Fließgeschwindigkeiten bevorzugt Geschiebe ablagert, das erst ab mittleren Hochwasserabflüssen weitertransportiert wird“, teilte das Regierungspräsidium mit. Bleiben diese Hochwasserabflüsse über eine längere Zeit aus, könne sich unterhalb des Auslasses ein für die Wasserkraftnutzung nachteiliger höherer Wasserspiegel einstellen.

Anlagen in Kinzig weit unter Plan

Zwar wäre es laut E-Werks-Prokurist Martin Wenz ein Leichtes, die rund 100 Tonnen Kies in zwei bis drei Tagen zu entfernen – oder auch an eine andere Stelle im Kinzigbett zu verlagern. Doch da blocken die Behörden. Der Kies sorgt derweil beim E-Werk für Einbußen. 2014 lagen die drei Anlagen zusammen um 24 Prozent unter Plan und belasteten das Ergebnis mit 200 000 Euro. 2015 trug ein extrem trockenes zweites Halbjahr zusätzlich dazu bei, dass die Ausbeute deutlich unter den Erwartungen blieb. Das aktuelle Jahr begann laut E-Werks-Sprecherin Anthea Götz im ersten Quartal dank der starken Regenfälle zufriedenstellend, war danach aber wieder rückläufig.

Gutachter sind gefragt

Für E-Werks-Chef Ulrich Kleine ist nicht einzusehen, dass aus der Sache ein Dauerzustand werden soll. Jetzt sollen externe Experten zur Lösungsfindung eingespannt werden. Der Landesbetrieb Gewässer gibt bei einem Schweizer Büro in Aarau ein morphologisches Gutachten in Auftrag. Die Wasserkraft-Tochtergesellschaft des E-Werks beteiligt sich an den Kosten. „Durch die Studie soll herausgefunden werden, wie die ökologisch hochwertige Situation erhalten werden kann und ob es gleichzeitig Verbesserungsmöglichkeiten für die Wasserkraftnutzung gibt“, teilte Markus Adler, Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, mit. Dazu werde das Gewässer genauer aufgenommen und werde die Kiesverteilung bei verschiedenen Abflüssen in der Kinzig programmtechnisch modelliert. „Mit Hilfe eines sogenannten 2-D-Geschiebemodells wird auch untersucht werden, inwieweit Umgestaltungsmaßnahmen im Gewässer unterhalb des Wehres möglich und dauerhaft erfolgsversprechend sein werden“, so Adler. Erste Ergebnisse werden laut Markus Adler Anfang nächsten Jahres erwartet.