Pünktlich wie die Eisenbahn will die Bahn-Tochter Südwestbus künftig die Pforzheimer durch ihre Stadt kutschieren. Am 11. Dezember endet der vermaledeite Ersatzverkehr endgültig und auf Pforzheims Buslinien fährt regulär die Südwestbus. Damit endet auch eine über 100-jährige Geschichte des kommunalen Busverkehrs in der Goldstadt.
Pünktlich wie die Eisenbahn will die Bahn-Tochter Südwestbus künftig die Pforzheimer durch ihre Stadt kutschieren. Am 11. Dezember endet der vermaledeite Ersatzverkehr endgültig und auf Pforzheims Buslinien fährt regulär die Südwestbus. Damit endet auch eine über 100-jährige Geschichte des kommunalen Busverkehrs in der Goldstadt. | Foto: Teeger

Regelfahrplan ab 11. Dezember

Das Pforzheimer Busdrama ist jetzt offiziell beendet

Das Pforzheimer Bus-Drama ist ausgestanden, zumindest für die Bevölkerung und ihren Oberbürgermeister. Nach monatelangem Widerstand der Gewerkschaft Verdi und einer immer kleiner werdenden Schar von Busfahrern ist der kommunale Stadtverkehr Geschichte. Zum 11. Dezember bedient die Bahntochter Südwestbus dann auch offiziell die Buslinien in der Goldstadt. Bereits seit Wochen hat sich das Unternehmen mit dem Aufbau eines Ersatzverkehrs warmgelaufen und so die streikenden Kollegen der bald aufgelösten SVP aus dem Rennen genommen.

„Jetzt haben wir zehn Jahre Sicherheit“

Immerhin: 65 der rund 200 gekündigten SVP-Beschäftigten wurden vom neuen Busanbieter wieder eingestellt. Deutlich erleichtert zeigte sich Oberbürgermeister Gert Hager, als er gestern gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Südwestbus, Manfred Hovenjürgen, das Konzept des neuen Busverkehrs vorstellte. „Ab dem 11. Dezember und dann für die nächsten zehn Jahre haben wir nun Sicherheit und Gewissheit. Alles andere ist Geschichte. Darüber brauchen wir nicht mehr zu reden.“

Willen des Gemeinderates „schlicht und einfach missachtet“

Ganz so geräuschlos wollte Hovenjürgen den Übergang vom kommunalen auf den rein privaten Busverkehr dann aber doch nicht über die Bühne gehen lassen. Er freue sich ganz besonders, so Hovenjürgen, hier gemeinsam mit Hager zu sitzen. „Immerhin haben wir mit unserem eigenwirtschaftlichen Antrag den Willen des Oberbürgermeisters und des Gemeinderates schlicht und einfach missachtet. Die Stadt wollte eine Ausschreibung mit der Übernahme von Bussen, Fahrer und Betriebshof. All das machen wir jetzt nicht. Wir fahren auf eigene Rechnung, auf eigenes Risiko und ohne städtische Zuschüsse.“

Busfahrer verdienen weniger

Kehrseite: „Wir haben 200 Mitarbeiter in einem über 100 Jahre alten kommunalen Unternehmen zum Arbeitsamt geschickt. Das ist ein negativer Beigeschmack, das macht man nicht gerne. Aber das war für uns alternativlos“, so der Südwestbus-Chef. Immerhin habe man 65 ehemalige SVP-Mitarbeiter wieder eingestellt. „Aber, und da muss man nicht drum rum reden: Die verdienen bei uns weniger als bei der SVP“, so Hovenjürgen.

Südwestbus strebt auch in den Enzkreis

Pforzheim ist im Konzept der Bahn offenbar erst der Anfang. „Der Wettbewerb in Baden-Württemberg geht gerade erst los.“ Schon im nächsten Jahr wolle man Linien im Enzkreis übernehmen und auch andernorts „wollen wir zusätzliche Verkehre gewinnen“.
Für den Einstieg in Pforzheim hat die Bahn ordentlich ins Portemonnaie gegriffen. Allein für die neuen Busse wurden zahlte man zwölf Millionen Euro. Die Werkstatt am Unternehmensstandort in der Güterstraße wurde auf einen Zwei-Schicht-Betrieb erweitert und ein zweiter Betriebshof im Brötzinger Tal angemietet. Künftig soll kein Rollstuhlfahrer mehr an der Haltestelle zurückbleiben.

Wlan im Stadtbus

Alle Busse sind Niederflurfahrzeuge und sind mit Rampen ausgestattet. Sie erfüllen die neuesten Abgaswerte, bieten den Fahrgästen freien Zugang zum Internet und Fahrplaninformationen in Echtzeit aufs Smartphone. Bei Linien und Takt kehrt man zum Angebot zurück, wie es vor Arbeitskampf und Ersatzverkehr bestand. Lediglich die Linie 8 entfällt und wird durch Änderungen in der Linienführung der Linien 7 und 11 ersetzt. Und auch die Ticketpreise bleiben auf dem alten Stand. Über die Tarife entscheidet auch künftig der Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis.

Neue Busse für zwölf Millionen Euro

Rund 30 Prozent der Fahrten hat die Bahntochter den Privatunternehmen Engel und Klingel übertragen. „Das machen wir immer so. Damit müssen wir nicht die ganzen Investitionskosten alleine tragen und haben mittelständische Busunternehmer an unserer Seite, die sich in der Region auskennen“, erklärte Hovenjürgen. Er glaube, dass man mit einem attraktiven Busangebot in Pforzheim tatsächlich Geld verdienen kann. „Die Busse sind in Pforzheim immer voll. Es macht richtig Spaß, hier Bus zu fahren.“
Außer zum Guten wird sich nach Hovenjürgens Ansicht für die Kundschaft nichts ändern. Die Fahrzeuge sind weiterhin in Weiß und Blau lackiert, haben an manchen Ampeln Vorrang und selbst der zumindest für Deutschlehrer schwer erträgliche Slogan „Pforzheimfährtbus“ bleibt.
Wenn alles läuft wie geplant, wird die Bahntochter in den kommenden zehn Jahren rund 36 Millionen Kilometer auf Pforzheims Straßen fahren und das, so der eigene Anspruch, pünktlich wie die Eisenbahn.