Achertalradweg Ottenhöfen - Seebach geplanter Abschnitt 1
Zwischen Ottenhöfen und Seebach wollen die Gemeinden in diesem Gebiet im nächsten Jahr den erste Abschnitt des langersehnten Geh- und Radwegs bauen. | Foto: Roland Spether

Erster Abschnitt im Achertal

„Das Ziel Radweg ist zum Greifen nah“

Viele Jahre lang hatte man das Ziel vor Augen, jetzt sei es fast zum Greifen nah: der geplante 4,4 Kilometer lange Fuß- und Radweg, der die Gemeinden des Oberen Achertals verbinden soll. „Das ist gerade eine spannende Phase für uns“, sagt Ottenhöfens Bürgermeister Hans-Jürgen Decker. Im Zuge einer Machbarkeitsstudie mit dem zuständigen Ingenieurbüro wurden drei Abschnitte gebildet: Der erste beginnt in der Straße Am Schroffen in Seebach und endet im Hagenbruck in Ottenhöfen, dazu gehören auch eine Bedarfsampel an der Kreuzung von Landesstraße 87 und Edelfrauengrabstraße sowie Brücken über die Acher. Die Abschnitte zwei und drei führen bis Ottenhöfen-West/Lauenbach und bis Furschenbach mit einer Anbindung nach Kappelrodeck.

Gesamter Radweg kostet rund 1,4 Millionen Euro

„Einen großen Schritt sind wir im Mai vorangekommen“, sagt Decker: Die Straßenbauverwaltung des Regierungspräsidiums Freiburg hatte eine Vereinbarung vorgelegt, in der die Zusammenarbeit zwischen dem Land Baden-Württemberg und den Gemeinden Ottenhöfen und Seebach beim Bau des Wegs beschlossen wurde. Das Land soll dabei für die Kosten in Höhe von insgesamt 1,4 Millionen Euro aufkommen, Ottenhöfen übernimmt die Planung. Dafür erhält die Gemeinde einen Verwaltungskostenbeitrag von acht Prozent, also rund 112 000 Euro.

Radweg Achertal Abschnitt eins

Bevor es tatsächlich losgehen kann, hängt aber alles daran, dass das Land die Mittel für den ersten Bauabschnitt in Höhe von 600 000 Euro im Haushalt 2017 bewilligt, erklären Decker und sein Seebacher Amtskollege Reinhard Schmälzle. „Die Gemeinden haben bis dahin ihre Hausaufgaben jedenfalls gemacht.“ Müssten die Kommunen die Kosten alleine schultern, wäre das Projekt kaum machbar, sagen die Bürgermeister. Nach der Genehmigung würden dann 2017 die Ausschreibung und Vergabe der Arbeiten folgen, mit denen spätestens 2018 begonnen werden soll. Man sei aber zuversichtlich, dass das Land die Notwendigkeit dieses neuen Wegs erkenne: Auf der L 87 seien in diesem Abschnitt zumeist 100 Stundenkilometer erlaubt, außerdem seien viele Lkw unterwegs, das sei für Fahrradfahrer sehr gefährlich – nicht nur, wenn sie überholt werden: Wo es bergauf und bergab geht, komme mancher Radfahrer ins Schlingern. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Unfällen, denn mit dem Rad würden etwa Vereine, das Schwimmbad oder auch die Schulen angesteuert.

Erster Abschnitt beginnt in Seebach

Los geht es dann in Seebach, denn dort steht die Trassenführung fest, außerdem stimmten alle angrenzenden Eigentümer dem Bau zu. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Eigentümer dafür ein Stück ihres Geländes abgeben“, findet Decker. Der erste Abschnitt ist etwa einen Kilometer lang und soll auf einer Breite von 2,5 Metern asphaltiert werden – das sei für die Unterhaltung einfacher, denn bei Schnee soll der Weg geräumt werden. Auch eine Beleuchtung ist vorgesehen, und entsprechende Kabel seien bereits vorhanden: „Den Druck aus der Bevölkerung, dass beim Radweg etwas passiert, haben wir ja schon lange“, sagt Schmälzle. Für jeden Abschnitt muss dem Regierungspräsidium dann ein Entwurf vorgelegt werden, der bestimmten einheitlichen Richtlinien entspricht. Viel Zeit habe zuvor die Prüfung von Alternativen in Anspruch genommen, man sei aber zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Trennung von Landesstraße und Radweg zu mehr Verkehrssicherheit für alle führe. Außerdem solle das Projekt nicht nur dem Tourismus im Achertal zugute kommen, sondern auch der „Lebensqualität der Menschen, die 365 Tage im Jahr hier sind“, betont Decker.

Ortskundige nutzten lieber „Schleichwege“ als L 87

Bis dahin dauert es aber noch. Bisher seien außerdem nur Radwege direkt an Landstraßen genehmigt worden, erklärt er. „Da mussten wir erst Überzeugungsarbeit Leisten.“ Als weiteren Grund für die lange Verzögerung sieht er bei Verkehrszählungen an der  L 87, bei denen nur geringe Zahlen von Fahrradfahrern festgestellt worden seien. „Dass man sich als Radfahrer bei so viel Schwerverkehr nicht besonders wohlfühlt und vielleicht gar nicht erst dort fährt, ist aber klar“, meint Decker. Ortskundige hätten dagegen eher „Schleichwege“ genutzt. Diese sollen mit dem geplanten Geh- und Radweg in Zukunft nicht mehr nötig sein, zumal die Strecke „vom Naturgenuss her die bessere Variante“ sei als auf der Landesstraße, sagt Reinhard Schmälzle. Letztendlich sei das Ziel, den Weg bis in den Nationalpark weiterzuführen.